Auf dem Markt der Diäten herrscht die berühmt-berüchtigte Qual der Wahl. Was hilft denn nun wirklich beim Abnehmen? Soll man lieber auf Kohlenhydrate verzichten und stattdessen viele Proteine zu sich nehmen? So schreibt es etwa die Atkins-Diät vor. Oder ist es lohnender, viele Kohlenhydrate zu essen, dafür aber Fett vom Speisezettel zu streichen?
Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten Wissenschaftler von der University of Otago in Neuseeland zwei Jahre lang die Abnehmbemühungen von insgesamt 413 Testpersonen, allesamt Diabetiker. Während die eine Gruppe sich proteinreich ernährte, durfte die andere bei Kohlenhydraten bedenkenlos zugreifen. Nach zwei Jahren hatten die Teilnehmer im Schnitt zwei bis drei Kilogramm abgenommen, unabhängig davon, wie sie sich ernährten. Vermutlich sind in erster Linie die weniger aufgenommenen Kalorien für den Gewichtsverlust verantwortlich, so die Forscher.
"Der Schlüssel zum Gewichtsverlust bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und zur Regulation des Blutzuckerspiegels liegt tatsächlich in der langfristigen Verringerung der Kalorienaufnahme“, erklärt Endokrinologe Dr. Jeremy Krebs, der die Studie leitete. Wer abnehmen möchte, sollte seine Essensgwohnheiten also dauerhaft so umstellen, dass er insgesamt weniger Kalorien zu sich nimmt. Auf bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe zu verzichten, ist dabei nicht nötig. Allerdings sollte man darauf achten, wenig gesättigte Fettsäuren und dafür viele Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Letztere regen die Verdauung an und halten länger satt. Insgesamt sollte die Ernährung möglichst ausgewogen sein und alle Nährstoffe liefern, die der Körper braucht.
Neben einer Ernährungsumstellung hilft Sport, um beim Abnehmen überzählige Energie zu verbrennen. Zudem senkt ausreichend Bewegung den Blutzuckerspiegel, erhöht die Insulinempfindlichkeit, stärkt Herz und Kreislauf. Diabetiker profitieren also gleich mehrfach, wenn sie körperlich aktiv sind.
Die Ernährung dauerhaft umzustellen, erfordert viel Disziplin und Durchhaltewillen. Den meisten fällt das schwer. Das zeigt auch die neuseeländische Studie, in der 30 Prozent der Teilnehmer das Abnehmen vorzeitig abbrachen, weil sie mit den Vorgaben überfordert waren. Viele, die erfolgreich einige Kilos abgenommen haben, fallen zudem anschließend in ihre alten Essensgewohnheiten zurück und nehmen wieder zu – der sogenannte Jojo-Effekt.
Wie das Team um Jeremy Krebs nachwies, können Diabetiker beim Abnehmen die Methode auswählen, die ihrem persönlichen Geschmack am meisten entgegenkommt. Entscheidend ist die positive Energiebilanz. Das könnte es erleichtern, sich dauerhaft anders zu ernähren und somit das Gewicht zu reduzieren sowie den Diabetes besser in den Griff zu bekommen.
Stephan Soutschek / www.diabetes-ratgeber.net;
06.03.2012
Bildnachweis: Panthermedia/F1883
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