Aktiva: In der Wirtschaftssprache sind das die Vermögenswerte einer Firma. Um Vermögenswerte im weitesten Sinn geht es auch bei dem Programm AKTIVA, das Frankfurter Psychologen ins Leben gerufen haben. Allerdings stehen hier nicht Aktien und Bargeld im Mittelpunkt, sondern ein viel wichtigeres Vermögen: die geistige Leistungsfähigkeit. AKTIVA steht für "Aktive kognitive Stimulation – Vorbeugung im Alter".
Ziel des Programms ist es, älteren Menschen Wege zu zeigen, wie sie der Demenz vorbeugen können. In Deutschland leiden mindestens eine Million Menschen an Demenz, überwiegend verursacht durch die Alzheimer-Krankheit und Durchblutungsstörungen des Gehirns. Diabetiker, das bestätigen viele Studien, haben ein höheres Risiko als die Durchschnittsbevölkerung, an Demenz zu erkranken.
Zwar soll eine Reihe von Wirkstoffen dem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten entgegenwirken können. Medikamente, mit denen sich eine Demenz verhindern oder heilen lässt, gibt es bislang jedoch nicht. Daher setzen Psychologen und Ärzte, wie so oft, wenn es um unsere Gesundheit geht, auf Vorbeugung. Zu Recht, denn nur wer sein Gehirn regelmäßig fordert, verbessert seine Chancen, bis ins hohe Alter geistig rege zu bleiben.
Rätsel reichen nicht
Mit dem Schmökern von Romanen und dem Lösen von Kreuzworträtseln ist es jedoch nicht getan. "Damit das Netzwerk der Gehirnzellen funktionstüchtig bleibt, braucht es ständig neue Herausforderungen", sagt Gerontopsychiatrie-Professor Dr. Johannes Pantel von der Universitätsklinik Frankfurt am Main. "Das kann beispielsweise das Erlernen einer neuen Sprache oder eines Musikinstrumentes sein, aber auch Denksportaufgaben oder Strategiespiele wie Schach."
Körperliche Aktivität ist ebenfalls wichtig. Ob Spazierengehen, Nordic Walking oder Radfahren: Regelmäßige Bewegung hält nicht nur Herz und Gefäße jung, sondern auch das Gehirn. Letzteres profitiert besonders von Sportarten, die komplexe Bewegungsabläufe erfordern, wie beispielsweise Gymnastik oder Tanzen. "Denn auf diese Weise werden nicht nur Muskeln, sondern auch die Gehirnzellen trainiert", erklärt Pantel.
Aktiv zu werden, ob geistig oder körperlich, fällt jedoch vielen Menschen schwer – erst recht mit zunehmendem Alter. Und genau hier setzt die AKTIVA-Methode an, die Professor Johannes Pantel am Frankfurter Universitäts-Klinikum gemeinsam mit der Psychologin Valentina Tesky entwickelt hat. "Wir wollen älteren Menschen zeigen, wie sie ihr Leben so gestalten können, dass sie einer Demenz aktiv vorbeugen", sagt Valentina Tesky.
Neue Herausforderungen suchen
Das Programm wurde 2008 im Rahmen eines Pilotprojektes mit 300 Teilnehmern am Klinikum wissenschaftlich erprobt - mit positiven Ergebnissen.
In kleinen Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer unter professioneller Anleitung Strategien zum Umgang mit neuen geistigen Herausforderungen im eigenen Lebensumfeld. Dabei galt die Devise: Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, was er machen möchte, zum Beispiel ein altes Hobby wiederbeleben oder etwas ganz Neues anfangen. Anregungen lieferten die anderen Gruppenteilnehmer ebenso wie der Gruppenleiter.
Gemeinsam sorgten die aktiven Senioren auch dafür, dass der Schwung nicht ausgeht. Zum Beispiel mit Rollenspielen. Da trainierten die Teilnehmer etwa, ihr Gegenüber zu einer Aktivität zu überreden, beispielsweise zu einem Schwimmbad- oder Theaterbesuch. "Wer gelernt hat, andere zu überzeugen, dem fällt es auch bei sich selbst leichter", sagt Psychologin Valentina Tesky.
AKTIVA zuhause kennenlernen
Aus den ermutigenden Erfahrungen von AKTIVA ist inzwischen ein Ratgeber entstanden. Das Buch bietet Interessierten die Möglichkeit, die Methode zuhause kennenzulernen und im eigenen Lebensumfeld umzusetzen. Es richtet sich an alle, die sich über Demenzerkrankungen informieren und aktiv zur Erhaltung ihrer geistigen Fitness im Alter beitragen wollen.
| Geistig fit in jedem Alter Wie man mit der AKTIVA-Methode Demenz vorbeugen kann Johannes Pantel Beltz Verlag ISBN 3407858760 |
Daniela Pichleritsch;
30.10.2008, aktualisiert am 20.06.2011
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