Eine Vorstufe auf dem Weg zur künstlichen Bauchspeicheldrüse ist die kontinuierliche Glukose-Messung (CGM), bei der ein Sensor mit einer Insulinpumpe kombiniert wird
Bereits seit etwa 1970 wird an der "künstlichen Bauchspeicheldrüse" geforscht, die Diabetes-Patienten das Blutzuckermessen und Insulinspritzen komplett abnimmt. Nun scheint ihre Verwirklichung nach vielen gescheiterten Versuchen – wieder einmal – näher zu rücken. In einer Studie am Londoner St. Mary's Hospital testen seit kurzem 25 Patienten mit Typ-1-Diabetes, darunter einer der Forscher, eine autonom (also ohne Zutun des Patienten) funktionierende "Sensor-Pumpe-Einheit".
Das System misst den Glukosespiegel im Gewebe der Patienten über einen unter die Haut implantierten Sensor und gibt die nötige Menge Insulin je nach Bedarf ab. Studienleiter Professor Chris Toumazou vom Imperial College in London erhofft sich davon eine bessere Behandlung des Typ-1-Diabetes. Derzeit erfordert die Therapie des Typ-1-Diabetes, dass die Betroffenen regelmäßig ihre Blutzuckerwerte bestimmen und diese mehrmals täglich durch Insulingaben einstellen.
Herzstück des Systems: Ein Silikonchip
Herzstück des autonomen Systems, das das Team um Chris Toumazou entwickelt hat, ist ein kleiner Silikonchip, der das Verhalten der Insulin produzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse nachahmt. Ähnlich wie die echten Beta-Zellen spricht er nicht auf niedrige Blutzuckerspiegel an, reagiert aber, sobald der Glukosewert über eine bestimmte Schwelle steigt. Einmal aktiviert, schickt der Chip ein Signal an eine Insulinpumpe, die so programmiert ist, dass sie die benötigte Menge des Hormons abgibt.
Laut Chris Toumazou ist die Technologie derzeit zwar schon voll funktionsfähig, muss aber noch auf eine handlichere Größe gebracht werden. Die Wissenschaftler wollen noch in diesem Jahr die Ergebnisse der klinischen Studie vorstellen.
Blutzuckermessung ist nicht immer verzichtbar
Offen bleibt, ob das System in der Form, über die die Forscher berichten, tatsächlich eine vollkommene Unabhängigkeit von Blutzuckermessungen ermöglichen wird. Die Zuckerkonzentration in der Gewebsflüssigkeit unter der Haut entspricht nicht immer dem aktuellen Blutzuckerspiegel – bei schnellen Änderungen, etwa durch Sport, dauert es bis zu einer halben Stunde, bis der Gewebszucker dem Blutzuckerwert entspricht. Deshalb müssen Patienten, die schon heute eines der verschiedenen Systeme zur kontinuierlichen Zuckermessung nutzen, in bestimmten Situationen zusätzlich auf herkömmliche Weise ihren Blutzucker messen, bevor sie sich Insulin verabreichen.
ag / www.diabetes-ratgeber.net;
12.01.2012, aktualisiert am 13.01.2012
Bildnachweis: W&B/Minimed CGMS
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