Hartnäckigen Bluthochdruck senken

Bei manchen Menschen sinkt der erhöhte Blutdruck trotz aller Bemühungen nicht. Ärzte sprechen von einer Therapieresistenz. Welche Ursachen gibt es – und was kann helfen?
von Dr. Sabine Haaß, 16.03.2017

Blutdruckmessung: Manchmal weigern sich die Werte zu sinken

W&B/ Martin Ley

Manchmal ist es zum Aus-der-Haut-Fahren. Da strampelt man sich ab für einen besseren Blutdruck. Und zwar buchstäblich. Fährt Rad. Joggt. Hält Diät. Verzichtet auf Salz. Und schluckt drei verschiedene Pillen. Alles nur, um endlich auf den ersehnten Wert zu kommen. Und trotzdem: Fehlanzeige. Etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland, darunter besonders viele Diabetiker, hat Bluthochdruck. Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen bekommen ihre Werte trotz aller Bemühungen nicht in den Griff. Sie gelten als "therapieresistent".

Um hohe Blutdruckwerte zu senken, haben Ärzte eigentlich einen gut gefüllten Köcher. Es gibt etliche Wirkstoffe gegen Bluthochdruck. Sie heißen zum Beispiel Betablocker, ACE-Hemmer oder Diuretika. Wer beim Arzt die Diagnose "Bluthochdruck" bekommt, erhält in der Regel mindestens eines dieser Medikamente – neben einer Reihe von Tipps, wie sich die hohen ­­Werte zusätzlich verbessern lassen (siehe unten).

So hoch sollte der Blutdruck sein

  • Optimal für Erwachsene ist ein durchschnittlicher Blutdruck von 120/80 mmHg und darunter
  • Bei Diabetes sollte der Blutdruck unter 140/85 mmHg liegen
  • Bei über 80-jährigen Menschen wird ein Wert unter 150/85 mmHg angestrebt

Die Therapie ist wichtig. Denn erhöhter Blutdruck ist, neben Dia­betes, eine Hauptursache vieler Gesundheitsprobleme: vom Herzinfarkt über Gefäßverengungen bis zur Nierenschwäche. Von einer "Therapieresistenz" sprechen Ärzte, wenn die erhöhten Werte nicht unter 140/90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) sinken, obwohl ein Patient mindestens drei verschiedene Blutdrucksenker in ausreichend hoher Dosis einnimmt.

"Oft liegt gar keine wirkliche Therapieresistenz vor", erklärt Dr. Bertil Oser, Diabetologe und Blutdruck-Spezialist aus Bernkastel-Kues. Sondern ein Patient vergisst zum Beispiel einfach, seine Tabletten regelmäßig zu nehmen. Oder er macht bei der Blutdruckmessung etwas falsch, sodass das Gerät zu hohe Werte anzeigt. "Das passiert etwa, wenn jemand sehr ­kräftige Oberarme hat. Dann muss eine ­extrabreite Manschette ­verwendet werden, was häufig übersehen wird", sagt Bertil Oser.

Mögliche Ursachen für die Therapieresistenz finden

Falls solche Ursachen ausgeschlossen sind, haben Ärzte einige Möglichkeiten, den Hochdruck dennoch in den Griff zu bekommen. "Zum einen ist es wichtig, die einzelnen Wirkstoffe optimal zu kombinieren und auch ihre Dosierung optimal auszureizen", so der Blutdruck-Spezialist. Außerdem sollte man sich auf die Suche nach organischen Ursachen für eine Therapieresistenz machen. Das können zum Beispiel verengte Nierenarterien sein. Die Nieren spielen für die Blutdruck-Regulierung eine wichtige Rolle. Sind die Arterien, die die Nieren versorgen, verengt, kann das den Blutdruck hochtreiben.

Mitunter spielt auch eine Überproduktion bestimmter Hormone eine Rolle. Etwa beim sogenannten Conn-Syndrom. Der Körper bildet zu viel Aldosteron, was dazu führt, dass das Blutvolumen und der Blutdruck steigen. "Solche Ursachen müssen im Einzelfall ausgeschlossen und gegebenenfalls behandelt werden", sagt Bertil Oser.

Blutdruck senken: Das können Sie selbst schaffen

Schlafapnoe kann hinter Bluthochdruck stecken

Vor allem bei stark übergewichtigen Menschen kann ein Schlafapnoe-Syndrom zu hartnäckigem Bluthochdruck führen. Dabei kommt es während des Schlafs immer wieder zu Atemaussetzern, gegen die sich der Körper wehrt. Für den ganzen Organismus bedeutet das immensen Stress, der Puls und Blutdruck in die Höhe jagen kann.

"Typische Hinweise sind es, wenn jemand nachts auffallend laut und unregelmäßig schnarcht, ruckartig mit Atemnot erwacht und tagsüber übermäßig müde ist – bis hin zum Sekundenschlaf", so Experte Oser. Den betroffenen Patienten kann mit einer speziellen Atemmaske für die Nacht meist hervorragend geholfen werden.

Hilfe in schwierigen Fällen

Nicht immer ist die Suche nach einer behandelbaren Ursache für den therapieresistenten Hochdruck erfolgreich. In solchen Fällen können Spezialisten auf Reserve-Medikamente zurückgreifen, die zum Beispiel über die Blutdrucksteuerung im Gehirn wirken. Und auch nicht-medikamentöse Verfahren, etwa die gezielte Verödung bestimmter Nierennerven, versprechen Hilfe. "Auf keinen Fall sollte man einfach kapitulieren", so Bertil Oser. "Mit Geduld und Ausdauer findet sich meist die richtige Therapie."


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