Wie wichtig ist der diastolische Blutdruck?

Der diastolische Druck ist der untere Wert, den wir beim Blutdruckmessen ermitteln. Welche Rolle spielt er im Vergleich zum oberen Messwert?
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 06.07.2017

Kontrolle: Der diastolische Druck ist vor allem bei jüngeren Menschen wichtig

Shutterstock/Alexsander Raths

Wer seinen Blutdruck misst, sieht auf seinem Display immer zwei Werte angezeigt. Der höhere beschreibt den systolischen Druck – auf Messgeräten steht hinter ihm oft die Abkürzung "SYS mmHg"; mmHg bedeutet Millimeter Quecksilbersäule und ist die Maßeinheit für Blutdruck. Der systolische Druck bildet den Moment ab, in dem die linke Herzkammer sich zusammenzieht und das Blut auf seiner Reise durch den Körper in die Hauptschlagader pumpt. Der kleinere Wert, auf Geräten meist mit "DIA mmHg" abgekürzt, ist dagegen der diastolische Blutdruck. Bei diesem sind die Herzkammern wieder geweitet, um sich mit Blut zu füllen.

Doch wie wichtig ist dieser kleinere Wert im Vergleich zum höheren? Gemäß den europäischen Leitlinien sind Systole und Diastole gleich wichtig bei der Frage, ob bei einem Patienten ein Bluthochdruck vorliegt. Das ist der Fall, wenn der diastolische Blutdruck einen Wert von 90 mmHg übersteigt (bei Diabetes wird in der Regel ein diastolischer Druck von höchstens 85 mmHg empfohlen) oder der systolische Druck 140 mmHg überschreitet. In der Praxis sind bei Patienten aber meist beide Werte zu hoch. Doch es gibt ein paar Unterschiede.

Diastolischer Blutdruck im Alter weniger aussagekräftig

Systolischer und diastolischer Blutdruck sind nicht bei jedem gleich bedeutend. "Ab einem Alter von 50 Jahren spielt der diastolische Druck eine untergeordnete Rolle", sagt Dr. Heribert Brück, Pressesprecher vom Verband niedergelassener Kardiologen. Das liegt daran, dass der systolische Wert bei ihnen eine verlässlichere Aussage über das Risiko von Bluthochdruck-Folgen wie einem Herzinfarkt zulässt. Denn ein erhöhter systolischer Druck ist meist eine Antwort auf Schäden an den Schlagadern wie Arteriosklerose. Diese Zusammenhänge belegen mehrere Studien, etwa eine in den 1990er Jahren veröffentlichte Untersuchung an belgischen Bankern oder die bedeutende Framingham-Studie, bei der Bewohner einer US-Kleinstadt jahrzehntelang beobachtet wurden, um Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erforschen.

Bei jüngeren Menschen gelten beide Werte dagegen als gleich wichtig. Ein isolierter diastolischer Bluthochdruck, bei dem also nur der untere Wert zu hoch ist, tritt vor allem in der ersten Lebenshälfte auf – häufig beginnt so der Bluthochdruck. Mitunter steckt auch eine spezielle Erkrankung dahinter, die unter anderem dazu führt, dass der (diastolische) Blutdruck steigt. Ärzte nennen das sekundäre Hypertonie.

Diastolischer Druck wichtig bei koronarer Herzkrankheit

Dennoch ist der diastolische Blutdruck auch im Alter nicht zu vernachlässigen. Bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit, bei denen die Blutgefäße, die das Herz mit Nährstoffen versorgen, geschädigt sind, gewinnt die Diastole also wieder an Bedeutung. Der Grund dafür ist, dass die Herzkranzgefäße in eben dieser Phase des niedrigen Drucks durchblutet werden. Bei Patienten ist deswegen sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger Blutdruck schädlich. Des Weiteren gibt es Hinweise, dass bei zu hohem diastolischen Druck das Risiko einer gefährlichen Aussackung in der Hauptschlagader ansteigt – einem Aorten-Aneurysma. Wie dieser Zusammenhang zustande kommt, ist aber noch unklar.

Außerdem kommt es auf das Verhältnis der beiden Werte an. "Je größer der Unterschied zwischen Systole und Diastole ist, desto größer ist die Gefahr eines Herzinfarkts für den Patienten", sagt Brück. Der Grund dafür ist, dass ein starker Druckunterschied die Blutgefäße belastet und ihre Wände verhärten lässt. Liegt der systolische Blutdruck über 140 mmHg und der diastolische unter 90 mmHg, sprechen Mediziner von einer isolierten systolischen Hypertonie.

Das Risiko für eine chronische Herzschwäche steigt ebenfalls an, wenn der Unterschied zwischen beiden Werten zu hoch ist. Auch das war ein Ergebnis der Framingham-Studie.

Blutdruck-Behandlung: Immer im Einzelfall entscheiden

Kurzum: In den meisten Fällen ist der systolische Blutdruck der wichtigere Wert bei der Behandlung von Bluthochdruck. Dennoch werden Ärzte immer auch den diastolischen Druck im Auge behalten, vor allem bei Menschen jüngeren und mittleren Alters. Glücklicherweise wirken im Allgemeinen dieselben Maßnahmen, die gegen zu hohen Blutdruck helfen, auf beide Pole. Neben Medikamenten sind das vor allem regelmäßige Bewegung, der Abbau von Übergewicht, der Verzicht auf Zigaretten sowie die Vermeidung von Stress.


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