Für alle Menschen mit Typ-1-Diabetes und viele Typ-2-Diabetiker – vor allem, wenn sie Insulin spritzen – gehört die regelmäßige Messung des Blutzuckers zur Therapie. Für Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin benötigen, wird der Nutzen der Blutzucker-Selbstkontrolle bisher allerdings kontrovers diskutiert.
Jetzt belegt eine Auswertung von mehreren Studien, dass vor allem Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes eine bessere Blutzucker-Einstellung erreichen, wenn sie ihre Werte regelmäßig überprüfen.
Wissenschaftler der internationalen Cochrane-Organisation analysierten zwölf Studien mit insgesamt 3.259 Typ-2-Diabetikern ohne Insulintherapie, in denen die Auswirkung der Blutzucker-Selbstmessung auf den Langzeitwert HbA1c im Vergleich zu einer Standardversorgung ohne Selbstmessung untersucht wurden.
Nutzen ist abhängig von Diabetesdauer
Der Nutzen der Selbstkontrolle war abhängig von der Dauer des Diabetes: Waren die Patienten gleich nach ihrer Diagnose mit Blutzucker-Teststreifen ausgestattet worden, hatten sie nach zwölf Monaten um 0,5 Prozent niedrigere HbA1c-Werte als Diabetiker ohne Selbstmessung. Wenn die Patienten schon länger als ein Jahr erkrankt waren, lag der HbA1c-Wert mit Selbstkontrolle in den ersten sechs Monaten um 0,3 Prozentpunkte niedriger. Nach zwölf Monaten ging dieser Vorteil jedoch verloren.
Auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität hatte die selbständige Blutzuckerkontrolle keinen Einfluss. Diabetiker, die ihre Werte selbst überprüften, meldeten jedoch mehr Hypoglykämien als andere Patienten. Das war für die Wissenschaftler nicht überraschend, da Unterzuckerungen durch engmaschigere Kontrollen erwartungsgemäß auch häufiger entdeckt werden.
Die Cochrane-Experten folgern aus ihren Ergebnissen, dass die Blutzucker-Selbstkontrolle zwar neu diagnostizierten Typ-2-Diabetikern nützt, aber im späteren Verlauf der Erkrankung keine nennenswerten Vorteile mehr bringt.
In Deutschland werden Blutzucker-Teststreifen für Typ-2-Diabetiker ohne Insulintherapie seit Oktober 2011 nur noch in Ausnahmen (zum Beispiel vorübergehend bei akuten Erkrankungen, die die Stoffwechseleinstellung erschweren, oder bei einer Änderung der Diabetestherapie) von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet.
ag / www.diabetes-ratgeber.net;
15.02.2012
Bildnachweis: W&B/Simon Katzer
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