Gallensteine machen sich meist erst bemerkbar, wenn sie die Gallenblase verlassen und im Gallengang stecken bleiben
Die Pizza beim Italiener war richtig lecker. „Salami, Käse, Oliven – wie ich sie am liebsten mag!“, erinnert sich Waltraud Görl. Doch ein paar Stunden später quälten die 58-jährige Typ-2-Diabetikerin plötzlich krampfartige Bauchschmerzen, die erst nach einer halben Stunde und mithilfe einer Wärmflasche langsam nachließen.
„Ich dachte erst, mit der Pizza war was nicht in Ordnung“, sagt Waltraud Görl. Doch ein paar Wochen später kamen die Beschwerden wieder. Diesmal nach einer viertel Ente und gleich für mehrere Stunden. Der Arzt, zu dem sie ging, tippte sofort auf die Gallenblase. Und tatsächlich zeigte die Ultraschall-Untersuchung, dass sie voller Steine war.
Gallensteine haben etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Der „typische“ Gallensteinträger ist über 40, weiblich, übergewichtig – und nicht selten Diabetiker. Die Statistik zeigt: Das Risiko eines Typ-2-Diabetikers für Gallensteine ist dreimal so groß wie das eines Nicht-Diabetikers.
Steine bleiben oft unbemerkt
Dass Diabetiker häufiger Steinprobleme haben, hat mehrere Gründe. Übergewicht ist nur einer davon. „Vermutlich kann auch ein diabetesbedingter Nervenschaden die Bewegungen der Gallenblase verlangsamen“, sagt Elisabeth Braun, Magen-Darm-Spezialistin und Diabetologin am Berliner St. Joseph Krankenhaus. „Dann wird der Gallensaft nicht ausreichend durchmischt.“ Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der Gallensaft bei Typ-2-Diabetikern weniger Gallensäuren und mehr Cholesterin enthält. Wenn das Mischungsverhältnis nicht stimmt, wird die Gallenblase rasch zur „Steingrube“.
Nur bei einem Viertel der Betroffenen machen sich die Steine irgendwann bemerkbar – dann aber oft sehr unangenehm. Denn nach jeder Mahlzeit zieht sich die Gallenblase zusammen und gibt Saft in den Dünndarm ab, der bei der Fettverdauung hilft. Gerät dabei ein Steinchen in den Gallengang, kann es stecken bleibe, was zu schmerzhaften Koliken führt. Sie entstehen, wenn der Gallengang versucht, das Hindernis auszutreiben.
Schmerzen in Schulter und Rücken
„Typisch sind krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken und das rechte Schulterblatt ausstrahlen können, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen“, sagt Elisabeth Braun. Meist klingen die Koliken von selbst wieder ab. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie wiederkommen, ist groß.
Eine Stein-Gallenblase kann neben Koliken weitere Komplikationen nach sich ziehen. Dazu zählen Entzündungen der Gallenblase oder des Gallengangs, aber auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie kann sich entwickeln, wenn ein Stein die gemeinsame Mündung von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang in den Darm verstopft (siehe Grafik). Außerdem erkranken bis zu zwei von hundert Steinträgern irgendwann an Gallenblasenkrebs.
Vorbeugen ist möglich
Die wirksamste Therapie eines Stein-Problems ist die Entfernung der Gallenblase. Dazu genügt meist eine „Schlüsselloch-Operation“, die nur wenige kleine Schnitte erfordert. Mit regelmäßiger Bewegung lässt sich der Steinbildung entgegenwirken. Wer stark übergewichtig ist und abspecken will, sollte mit dem Arzt sprechen: Allzu rasche Gewichtsabnahme erhöht das Risiko für Gallensteine. Dann kann die Einnahme eines Medikaments mit dem Wirkstoff Ursodesoxycholsäure vorbeugen. Außerdem hilft es, sich ballaststoffreich zu ernähren und mit Alkohol zurückhaltend zu sein.
Hilfen für die Verdauung
Pflanzliche Arzneien aus Artischocke oder Javanischer Gelbwurz regen die Gallenblase an, sich zusammenzuziehen und Gallensaft abzugeben. Sie können leichteren Verdauungsbeschwerden vorbeugen und Bauchschmerzen lindern. Wer Gallensteine hat, sollte diese Mittel nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen.
Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber;
28.07.2010, aktualisiert am 29.07.2010
Bildnachweis: W&B/Norbert Michalke, W&B/Szczesny
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