Mit hochsensiblen Analysemethoden konnten Wissenschaftler im Blut von Typ-1-Diabetikern Interessantes aufspüren
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Doch offenbar versiegt selbst nach langer Erkrankungsdauer bei einem Teil der Patienten die Produktion des Hormons nicht völlig.
Das haben US-Wissenschaftler am Massachusetts General Hospital der Harvard Universität in Boston entdeckt, als sie Blutproben von 182 Typ-1-Diabetikern mit einem neuen, hochsensiblen Analyseverfahren untersuchten. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie im Fachmagazin Diabetes Care veröffentlicht.
"Es ist eine gängige Annahme, dass bei Patienten mit fortgeschrittenem Typ-1-Diabetes die Funktion der Beta-Zellen völlig erlischt. Doch Daten aus dieser und anderen aktuellen Studien lassen vermuten, das die Betazellen auch Jahrzehnte nach Ausbruch der Erkrankung noch nicht völlig inaktiv sind", sagt Studienleiterin Denise Faustman.
Insulinproduktion versiegt nicht abrupt
Sie und ihre Kollegen verdanken diese Entdeckung einem neuen, extrem empfindlichen Analyseverfahren, mit dem sich das C-Peptid im Blut nachweisen lässt. Dieses Eiweiß entsteht bei der Bildung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse, wo es vom Vorläufermolekül des blutzuckersenkenden Hormons abgespalten wird.
Im Blut der untersuchten Typ-1-Diabetiker fand sich zwar umso weniger C-Peptid, je länger der Krankheitsbeginn zurücklag. Doch die Konzentration nahm mit den Jahren der Erkrankung allmählich und gleichmäßig ab. Das spricht gegen ein abruptes Versiegen der Insulinproduktion, wie man es bisher für die Autoimmunerkrankung vermutete. Selbst unter den Patienten mit einer Krankheitsdauer zwischen 31 und 40 Jahren produzierte jeder Zehnte noch C-Peptid.
Die Wissenschaftler hoffen jetzt, dass sich mit der sensiblen Analysemethode Typ-1-Diabetiker identifizieren lassen, bei denen noch eine Restfunktion der Betazellen erhalten geblieben ist und die eines Tages von neuartigen Behandlungsmethoden profitieren könnten. Faustman ist optimistisch: "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass das Zeitfenster, das bei Typ-1-Diabetikern nach Ausbruch der Erkrankung für mögliche Therapien offen bleibt, größer ist als bisher angenommen".
ag / www.diabetes-ratgeber.net;
07.03.2012, aktualisiert am 08.03.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF
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