Menschen mit der Diagnose Typ-1-Diabetes stehen bis auf weiteres vor einer lebenslangen Aufgabe. Sie verlangt ihnen viel Disziplin und eine sehr konsequente Lebensführung ab. Konkret bedeutet das vor allem, täglich die je nach Therapieziel mehr oder weniger aufwändige Behandlung durchzuziehen, Ernährung, Bewegung und Insulin miteinander abzustimmen und zusätzliche Risikofaktoren, wie zum Beispiel Rauchen und übermäßigen Alkoholgenuss zu vermeiden. Regelmäßige Termine beim Diabetesteam mit Bestimmung des HbA1c-Wertes dienen der Verlaufskontrolle, bieten aber auch die Gelegenheit, das Erreichte oder etwaige Schwierigkeiten bei der Durchführung der Therapie zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Daneben gilt es, Termine für Untersuchungen auf etwaige Folgeerkrankungen wahrzunehmen.
Die häufig sehr trockene Haut und die Füße erfordern besondere Aufmerksamkeit und Pflege. Wegen der Anfälligkeit für Parodontitis sollte eine gründliche Mund- und Zahnhygiene zur Routine werden. Und auch, wenn jemand all das im Griff hat, wird er vielleicht noch mit Problemen im psychosozialen Bereich konfrontiert: Unverständnis und Zurücksetzung im Freundes- und Bekanntenkreis, in Kindergarten, Schule und am Arbeitsplatz kommen vor. Ein Typ-1-Diabetes schließt von einigen wenigen Berufen wie Pilot, Polizist oder Berufstaucher aus. Probleme mit Unterzuckerungen können zu Schwierigkeiten mit dem Führerschein und zu Auflagen der Berufsgenossenschaften führen.
Unbestreitbar hat ein Typ-1-Diabetiker Tag für Tag und in eigener Verantwortung ein erhebliches Ausmaß an Aufgaben und häufig auch Frustrationen zu bewältigen. Doch je routinierter er vorgeht, umso leichter wird es fallen. Perfektionismus ist dabei nur hinderlich. Das Diabetesteam muss darauf hinweisen, und jeder Betroffene sollte es akzeptieren, dass auch mit maximalem Einsatz ein Blutzuckerverlauf wie bei Gesunden bestenfalls kurzfristig zu erreichen ist. Es wird auch Phasen geben, in der der Diabetes ohne erkennbaren Grund nicht so gut unter Kontrolle ist und das HbA1c höher ausfällt. Das ist enttäuschend, aber unvermeidbar und niemand sollte sich deshalb Vorwürfe machen. Und es ist nur zu menschlich, wenn ein Betroffener eine zeitlang die Zügel schleifen lässt – sei es aus Enttäuschung über den Blutzuckerverlauf, weil die Kraft fehlt oder es Dinge gibt, die wichtiger sind. Man muss aber auch wissen, dass sich ein neuer Start lohnt und bereits die Verbesserung des HbA1c um einen Prozentpunkt das Risiko von Folgeerkrankungen ganz erheblich senkt.
Je niedriger das HbA1c-Ziel liegt, umso höher ist aber auch das Risiko von Unterzuckerungen mit allen dadurch ausgelösten Problemen. Letztlich muss jeder Mensch mit Typ-1-Diabetes seinen eigenen Weg finden. Das Diabetesteam wird ihm dabei den Rücken stärken. Durch Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann im Gedankenaustausch mit anderen Diabetikern der eigene Standpunkt überprüft, die Erfahrung anderer genutzt und neue Motivation geschöpft werden.
Mit den heute zur Verfügung stehenden Therapieformen und Hilfsmitteln fällt es viel leichter als noch vor 20 Jahren, anspruchsvolle Therapieziele zu erreichen. Und es gibt etliche Diabetiker, die 40, 50 oder noch mehr Jahre ihre Erkrankung bei guter Lebensqualität gemeistert haben und nicht oder nur unwesentlich durch Folgeerkrankungen beeinträchtig sind.
www.diabetes-ratgeber.net;
04.11.2008, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: W&B/Simon Katzer
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