Starker Durst, Harndrang, Schwäche, Gewichtsverlust – vor allem bei jungen Patienten verschlimmern sich die ersten Symptome der Krankheit oft innerhalb kurzer Zeit dramatisch
Erst wenn etwa 80 Prozent der B-Zellen zerstört sind und das noch vorhandene Insulin nicht mehr ausreicht, um genug Traubenzucker (der Fachbegriff lautet Glukose) in die Zellen einzuschleusen, treten innerhalb von Tagen bis Wochen typische Symptome auf (siehe weiter unten). Besteht allerdings ein Mehrbedarf an Insulin – durch eine Erkrankung mit Fieber, eine größere Operation, Dauerstress oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel Cortison – , dann kann sich der Insulinmangel auch schon früher bemerkbar machen. Derartige Umstände können aber keinen Diabetes verursachen, sondern lediglich den Beginn der Erkrankung bei bereits fortgeschrittener Immunreaktion vorverlegen.
Typische Diabetessymptome:
– häufiger Harndrang
– starker Durst
– Müdigkeit und Abgeschlagenheit
– trockene, juckende Haut
– Gewichtsverlust
– Azetongeruch
– Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
– Eintrübung und Koma
Der Insulinmangel löst im Wesentlichen zwei Vorgänge aus, die dann zu den typischen Diabetessymptomen führen. Zum einen steigt der Blutzucker in der Blutbahn an, weil er nur noch unzureichend oder gar nicht in die Zellen gelangen kann. Ab einer Schwelle von etwa 160 bis 180 mg/dl (8.9 bis 10 mmol/l) beginnen die Nieren, den bereits in dieser Höhe schädlichen Zucker mit dem Urin auszuscheiden. Er kann nun mit Teststreifen oder im Labor sehr einfach in einer Urinprobe nachgewiesen werden.
Damit die Nieren den Zucker ausscheiden können, muss er in viel Flüssigkeit gelöst werden. Damit nimmt die Urinproduktion zu – auf ein Vielfaches der sonst üblichen 1 bis 1,5 Liter pro Tag. Dies erklärt das häufige Wasserlassen (Polyurie) und den starken Durst (Polydipsie), weil die verlorene Flüssigkeit ersetzt werden muss. Gesüßte Getränke helfen in dieser Situation nicht, weil die auszuscheidende Zuckermenge und damit der Flüssigkeitsverlust nur noch erhöht werden. Bei Kindern kann die große Urinmenge am Beginn des Diabetes zu nächtlichem Einnässen führen, selbst wenn sie vorher schon lange trocken waren.
Wenn der Flüssigkeitsverlust auch durch sehr große Trinkmengen nicht mehr auszugleichen ist, macht sich die Austrocknung des Körpers durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkbar. Hautjucken ist ein weiteres häufiges Symptom.
Parallel hierzu beginnt der Körper, seine nicht verwertbare wichtigste Energiequelle Traubenzucker zu ersetzen. Hierzu mobilisiert er seine Fettdepots, zu einem späteren Zeitpunkt auch Eiweiß der Muskulatur. Dies hat nun mehrere Auswirkungen. Ins Blut freigesetzte Fettsäuren bremsen die Wirkung des noch vorhandenen Insulins und verstärken den Insulinmangel. Bei der Fettverbrennung entstehen Ketonkörper, saure Zwischenprodukte des Fettstoffwechsels, die zur Übersäuerung des Blutes führen und zudem die Insulinwirkung noch mehr blockieren. Die Ketonkörper, von denen das Azeton der bekannteste ist, sind im Blut nachweisbar, treten aber auch in die Ausatemluft (Geruch nach überreifem Obst oder Nagellackentferner) und den Urin über und können hier mit einem Teststreifen bestimmt werden. Als weitere Folge des Fett- und Eiweißabbaus nimmt der durch die Austrocknung eingeleitete Gewichtsverlust zu.
Bei steigendem Ketonkörperspiegel kommt es zu Übelkeit und Erbrechen. Durch sehr tiefe Atemzüge versucht der Körper, saures Kohlendioxid abzugeben, um der Übersäuerung entgegenzuwirken. Die Übersäuerung durch Ketonkörper wird als Ketoazidose bezeichnet. Sie ist ein ernster Zustand und erfordert die sofortige Aufnahme im Krankenhaus. Wenn die zunehmende Austrocknung das Gehirn erfasst, trübt der Betroffene ein. Ohne Therapie führen Flüssigkeitsmangel und Übersäuerung des Blutes schließlich zum diabetischen Koma, das akut lebensbedrohlich ist und auf der Intensivstation behandelt werden muss.
www.diabetes-ratgeber.net;
04.11.2008, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF
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