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Diabetes mellitus Typ 1
Therapie (5) – Abstimmung Ernährung und Insulinbehandlung

Je nach Therapiekonzept muss der Patient entweder seinen Tagesablauf an die Therapie anpassen – oder er stimmt die Therapie auf seinen Lebensrhythmus ab. Letzteres erfordert mehr Eigenverantwortung


Wer auf eine flexible Therapie setzt, muss Mahlzeiten nicht so streng im Voraus planen

Die Ernährung bei Typ-1-Diabetes entspricht weitgehend einer Mischkost, wie sie Ernährungsfachleute auch Menschen ohne Diabetes empfehlen. Wichtigstes Prinzip ist, dass Insulinbehandlung und Ernährung miteinander abgestimmt werden müssen, um zu hohe und zu niedrige Blutzuckerwerte zu vermeiden.

Die mit der Nahrung zugeführten Kohlenhydrate werden durch die Verdauung in ihre kleinsten Bausteine, die Einfachzucker, zerlegt. Für den Körper am wichtigsten ist die Glukose, der Traubenzucker. Nach Aufnahme über die Darmschleimhaut gelangt die Glukose über die Blutbahn (Pfortader) zuerst in die Leber, wo ein erheblicher Anteil sofort mit Hilfe des Insulins als Reserve eingespeichert wird. Der Rest wird mit dem Blut im Körper verteilt. Damit der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht zu sehr steigt, gibt der gesunde Körper zu einer Mahlzeit Insulin ins Blut ab, das den Traubenzucker in die Zellen schleust. Der Ersatz des fehlenden Insulins ist nun aber bei konventioneller und intensivierter Therapie völlig verschieden.

Bei einer konventionellen Insulintherapie mit täglich meist zwei Injektionen mit hoher Dosis des langwirkenden Präparates kommt es darauf an, Zeitpunkt und Ausmaß – vor allem aber den Kohlenhydratanteil – der Mahlzeiten so zu wählen, dass sie mit einem genügen hohen Insulinspiegel zusammenfallen.



Ein Beispiel zur konventionellen Insulintherapie: Kohlenhydratportionen und Essenszeiten müssen auf die Insulinwirkung abgestimmt sein. Für die komplette Grafik bitte auf die Lupe klicken

Die Insulinwirkung bestimmt also den Tagesablauf, der Patient isst nach der Uhr. Dabei haben Zwischenmahlzeiten eine besondere Bedeutung. Das morgens gespritzte lang wirkende Insulin deckt nicht nur den Basalbedarf des Körpers ab, es ist auch zuständig für das Mittagessen. Damit bis zu diesem Zeitpunkt ein genügend hoher Insulinspiegel zur Verfügung steht, muss die Wirkung von der Injektion allmählich zu- und dann bis abends wieder abnehmen. Dadurch besteht vormittags eine deutliche Insulinwirkung, die noch verstärkt wird durch die nachlassende Wirkung des morgens für das Frühstück gespritzten schnellen Insulins. Um in dieser Situation eine Unterzuckerung zu vermeiden, muss ein zweites, bei langen Vormittagen sogar ein drittes Frühstück eingenommen werden. Auch nachmittags ist eine Zwischenmahlzeit meistens unverzichtbar. Eine Zwischenmahlzeit vor der Nachtruhe dient dazu, eine Unterzuckerung nachts zu vermeiden.



Beispiel für die intensivierte Insulintherapie: Zu den Mahlzeiten wird die jeweils passende Dosis eines kurz oder sehr kurz wirkenden Insulins (Analoginsulin) gespritzt. Für die komplette Grafik bitte auf die Lupe klicken

Bei der intensivierten Therapie wird das lang wirkende Insulin in wesentlich geringerer Dosis gespritzt, weil es nur den Basalbedarf decken soll. Kleinere Zwischenmahlzeiten können allerdings nötig werden, um die abklingende Wirkung eines großen Bolus der vorhergehenden Hauptmahlzeit aufzufangen. Bei Verwendung sehr schnell und kurz wirkender Präparate (so genannte schnelle Analoginsuline) sind Zwischenmahlzeiten meist nicht erforderlich. Dafür müsste eine weitere Injektion erfolgen, wenn zwischendurch gegessen werden soll. Bei der intensivierten Therapie richten sich Zeitpunkt und Dosis des Bolus nach Zeitpunkt und Ausmaß der Mahlzeit, dabei entscheidet der Patient jedesmal neu, ob, wann und wie viel er essen möchte.

Das früher übliche Verbot von Zucker in der Ernährung bei Diabetes ist überholt. Lediglich Zucker in freier Form und in Getränken sollte gemieden werden. In Kuchen, Schokolade, Eis "verpackter" Zucker wird sich nicht ungünstig auswirken, sofern er mit der Insulinwirkung abgestimmt ist. Eine Notwendigkeit für Diätprodukte wird nicht mehr gesehen. Lediglich mit künstlichen Süßstoffen zubereitete Limonaden und Colagetränke haben eine Bedeutung.

Körperliche Aktivität verbessert das Allgemeinbefinden und hat weitere positive Effekte – das gilt für jeden Menschen. Anders als beim Typ-2-Diabetes, bei dem Bewegung ein wesentliches Hilfsmittel zur Verbesserung der Insulinempfindlichkeit und für die Gewichtsabnahme ist, hat körperliche Aktivität beim Typ-1-Diabetes keine therapeutische Aufgabe. Vielmehr ist es so, das vermehrte Bewegung wie längeres Radfahren, Joggen, Training und Wettkampf eine Anpassung der Therapie (Insulin und/oder Ernährung) erfordert. Hierfür werden viel Wissen und vor allem persönliche Erfahrung benötigt, trotzdem lassen sich unerwartete Blutzuckeranstiege und Unterzuckerungen bei und auch nach Sport nicht immer vermeiden. Auch wenn die Therapieanpassung an Sport nicht einfach ist, sind Höchstleistungen möglich, wie zahlreiche Weltmeister und Olympiasieger mit Typ-1-Diabetes belegen.



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www.diabetes-ratgeber.net; 04.11.2008, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel, PhotoDisc/ RYF

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