Anmelden | Registrieren
Drucken

Neue Therapie für Typ-1-Diabetes?

Forscher vermuten, dass das Fettgewebshormon Leptin sich auch zur Behandlung von Typ-1-Diabetes eignet


Für Menschen mit Typ-1-Diabetes gibt es bislang nur eine Therapie: Die regelmäßige Insulinspritze

Das Fettgewebshormon Leptin könnte Menschen mit Typ-1-Diabetes möglicherweise helfen, mit weniger Insulin auszukommen. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler um Roger Unger vom Touchstone Center for Diabetes Research in Dallas herausgefunden. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften.

 

Wer Diabetes vom Typ 1 hat, muss lebenslang Insulin spritzen, weil seine Bauchspeicheldrüse das Hormon nicht mehr ausreichend herstellt. In Deutschland haben etwa 550.000 Menschen Typ-1-Diabetes. Die meisten erkranken als Kinder oder Jugendliche daran. Zu den Begleiterscheinungen einer Insulintherapie gehört bei vielen Menschen eine gewisse Gewichtszunahme – unter anderem, weil Insulin dem Fettabbau entgegenwirkt.


Das 1994 entdeckte Hormon Leptin wird im Fettgewebe produziert. Es meldet dem Gehirn, wenn die Energiespeicher gefüllt sind und kann Hungergefühle unterdrücken. Ursprünglich gab es deshalb Hoffnungen, Leptin könne als "Appetitdämpfer" die Behandlung von Übergewicht erleichtern. Dies zerschlug sich jedoch, als man feststellte, dass die meisten fettleibigen Menschen hohe Leptinspiegel im Blut haben – was an einer Unempfindlichkeit (Resistenz) für Leptin liegt.

 

Die Wissenschaftler aus Dallas gaben 15 nicht übergewichtigen Mäusen mit Typ-1-Diabetes Leptin. Verglichen mit Mäusen, die Insulin oder eine Salzlösung erhalten hatten, senkte Leptin den Blutzucker und den HbA1c-Wert der Mäuse ebenso wie Insulin, den HbA1c-Wert tendenziell sogar etwas besser. Die Leptin-Mäuse hatten außerdem weniger Hunger und nahmen ab, während die Insulin-Mäuse an Gewicht und Körperfett zulegten. Sie hatten auch weniger freie Fettsäuren im Blut, die eine Rolle bei der Entwicklung einer Insulinresistenz spielen.

 

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass eine Kombinationstherapie von Insulin und Leptin (das übrigens genau wie Insulin gespritzt werden müsste) für Diabetiker Vorteile haben könnte, da Leptin die nachteiligen Wirkungen von Insulin auf den Fettstoffwechsel aufhebt und – zumindest bei nicht-fettleibigen Menschen – den Appetit zügelt. In klinischen Studien soll jetzt geprüft werden, ob eine Leptintherapie bei Menschen mit Diabetes tatsächlich die erhofften Effekte zeigt.



Andreas Baum / www.diabetes-ratgeber.net; 09.03.2010, aktualisiert am 09.05.2011
Bildnachweis: W&B/Christian Lehsten

Weitere Meldungen

Neues aus der Forschung

Insulinspray, bessere Tabletten, Gentherapie, Stammzellen – was tut sich in der Diabetesforschung? »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung