Wer Diabetes mellitus vom Typ 1 hat, muss mehrmals täglich Insulin spritzen. Woran sich auch in den nächsten Jahren voraussichtlich nichts ändern wird. Insulin in Tablettenform gibt es nicht – und das wird aller Wahrscheinlichkeit nach in naher Zukunft auch so bleiben.
Möglicherweise gibt es jedoch einige Typ-1-Diabetiker, die davon profitieren, wenn sie zusätzlich zu ihrer Insulintherapie Tabletten schlucken, die eigentlich für Patienten mit Typ-2-Diabetes vorgesehen sind – und zwar Tabletten mit dem Wirkstoff Sitagliptin.
Sitagliptin gehört zur Gruppe der "Inkretin-Verstärker". Das sind Wirkstoffe, die den Abbau des im Darm produzierten Hormons GLP-1 (Glukacon-like Peptid 1) hemmen. Dieses Hormon hat verschiedene Wirkungen: Es regt die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse an, verzögert die Magenentleerung – was zu einem früheren Sättigungsgefühl beiträgt – und unterdrückt die Ausschüttung des Hormons Glukagon, das dem Insulin entgegengesetzt wirkt und den Blutzucker erhöht.
Teilnehmer brauchten weniger Insulin
US-Forscher behandelten 19 Patienten mit Typ-1-Diabetes, deren Blutzuckerwerte trotz intensivierter Insulintherapie schlecht eingestellt waren, je einen Monat lang zusätzlich zum Insulin mit Sitagliptin oder einem Scheinpräparat (Placebo). Weder die Teilnehmer noch die Forscher wussten, in welcher Reihenfolge die Behandlung stattfand. Alle Teilnehmer waren älter als 30 Jahre und hatten ihren Diabetes seit mindestens zehn Jahren.
Bei der Auswertung der Blutzuckerwerte zu Ende der Studie zeigte sich, dass sich die Stoffwechseleinstellung während der Sitagliptin-Behandlung deutlich besser wurde – nicht aber, während das Placebo-Präparat genommen wurde. Auch die Dosis des gespritzten Insulins konnte während der Einnahme von Sitagliptin verringert werden. Die Forscher planen jetzt, die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikaments bei einer größeren Gruppe von Patienten mit Typ-1-Diabetes zu überprüfen. Erst danach wird sich zeigen, ob die zusätzliche Gabe von Sitagliptin geeignet ist, auch die Stoffwechseleinstellung von Menschen mit Typ-1-Diabetes zu verbessern.
Hintergrund: So wirken Inkretin-Verstärker und Inkretin-Analoga
Das Darmhormon GLP-1 fördert in Abhängigkeit von der Blutzuckerkonzentration die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse, verzögert die Magenentleerung und vermindert das Appetitgefühl.
Inkretin-Verstärker hemmen den Abbau des Darmhormons GLP-1 und erhöhen so dessen Konzentration. Inkretin-Analoga wie Exenatide und Liraglutid dagegen imitieren die GLP-1-Wirkung.
AB/www.diabetes-ratgeber.de;
27.07.2010, aktualisiert am 30.09.2011
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, W&B/Simon Katzer
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