Alltag mit Typ-2-Diabetes

Auch abseits der Therapie bringt die Krankheit Diabetes oft einige Änderungen mit sich. Ein Überblick

aktualisiert am 18.02.2017

Gesund essen bei Diabetes heißt nicht verzichten

iStock/Thomas EyeDesign

Ernährung

Eine gesunde Ernährungsweise unterstützt bei Typ-2-Diabetes nicht nur das Abnehmen, sondern hilft außerdem, Zuckerspitzen nach dem Essen zu vermeiden und die Insulinwirkung zu bessern.

Verbote gibt es dabei nicht. Menschen mit Diabetes dürfen das Gleiche essen wie Gesunde. Auch Zucker ist nicht tabu, solange insgesamt die Kalorienbilanz stimmt. Der Energiebedarf sollte zu rund der Hälfte mit Kohlenhydraten abgedeckt werden, davon möglichst viele komplexe Kohlenhydrate, die zum Beispiel in Vollkorn stecken. Diese gehen langsamer ins Blut über, lassen den Blutzuckerspiegel weniger stark ansteigen.

Besonders wertvoll in der Ernährung bei Typ-2-Diabetes sind Ballaststoffe. Das sind Pflanzenfasern, die der menschliche Verdauungstrakt nicht verarbeiten kann. Das hilft Blutzuckerspitzen zu vermeiden und sorgt für ein längeres Sättigungsgefühl. Menschen mit Typ-2-Diabetes wird empfohlen, rund 40 Gramm Ballaststoffe am Tag zu essen. Ballaststoffe stecken in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und in vielen Obst- und Gemüsesorten.


Unterzuckerungen

Unterzuckerungen oder Hypoglykämien sind eine häufige akute Komplikation bei Diabetes. Gefährdet sind vor allem Patienten, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen. Bei anderen Behandlungsformen ist das Risiko dagegen relativ gering, da hier die natürlichen Gegenregulationen des Körpers auf sinkende Zuckerwerte greifen können.

Unterzuckerungen können auftreten, wenn Patienten etwa zu viel Insulin gespritzt haben. Sinkt der Blutzuckerspiegel im Blut zu tief, können ab etwa 70 mg/dl (3,9 mmol/l) Beschwerden wie Schwitzen, Herzjagen oder Blässe um den Mund auftreten. Bei tieferen Werten kommt es zu Kopfschmerzen, Sprach- und Sehstörungen sowie Konzentrationsschwächen. Betroffene benötigen schnelle Kohlenhydrate, etwa in Form von Traubenzucker.

Die Schwelle, an der Unterzucker-Symptome auftreten, ist von Patient zu Patient verschieden. Vor allem bei längerer Erkrankungsdauer und häufigen bisher erlebten Unterzucker-Vorfällen tun sich Betroffene zunehmend schwer, die Warnzeichen rechtzeitig zu bemerken. Ein Hypo-Wahrnehmungstraining kann dann helfen.


Blutzucker messen

Viele Menschen mit Diabetes messen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel selbst. Wie häufig, hängt vor allem von der Art der Therapie ab. Wer Insulin spritzt, muss mehrmals täglich messen, um seinen Insulinbedarf zu ermitteln. Auch wer gefährdet für Unterzuckerungen ist, sollte bei entsprechenden Anzeichen seinen Zuckerwert bestimmen. Der dazu nötige Blutstropfen wird in der Regel aus der Fingerkuppe gewonnen.


Psyche

Die Angst vor Folgekrankheiten, der Druck, auf die Ernährung zu achten und sich ausreichend zu bewegen – Diabetes kann eine psychische Belastung darstellen. So überrascht es nicht, dass Menschen mit der Zuckerkrankheit häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt unter Depressionen leiden.

Patienten müssen einen gesunden Mittelweg finden zwischen dem Ernstnehmen der Krankheit und einer nötigen Portion Gelassenheit beim täglichen Diabetes-Management. Es kann helfen sich klar zu machen, dass bei niemanden die Werte immer perfekt sind. Auch der Partner oder das Familienumfeld können eine Kraftquelle sein – gerade bei offenem Umgang mit den eigenen Sorgen. Wer sich vor der Diabetes-Last im Alltag erdrückt fühlt, dem kann unter Umständen eine Coping-Schulung helfen.


Sex

Vor allem bei Männern kann ein Diabetes das Liebesleben trüben. Erhöhte Blutzuckerwerte können die Blutgefäße und Nerven am Penis schädigen und Potenzprobleme verursachen. Frauen mit Diabetes klagen dagegen häufig über Scheidentrockenheit, Orgasmusstörungen sowie Infektionen im Genitalbereich und in den Harnwegen.

Solche Probleme nicht verschämt verschweigen, sondern offen beim Arzt ansprechen. Für viele Sexualstörungen gibt es eine Lösung. Ein schöner Doppeleffekt: Behandlungsmaßnahmen, die bei Typ-2-Diabetes die Blutzuckerwerte verbessern, wirken sich gleichzeitig vorteilhaft auf das Sexualleben aus.


Autofahren

Für die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes stellt das Lenken eines Kraftfahrzeugs keine gesonderte Herausforderung dar. Unterzuckerungen können aber die Wahrnehmung und Reflexe beeinträchtigen – im schlimmsten Fall droht eine Bewusstlosigkeit am Steuer. Gefährdet für eine solche Hypo sind vor allem Patienten, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen. Sie sollten unbedingt dafür Sorge tragen, dass die Werte beim Autofahren nicht zu tief sinken, und beim geringsten Verdacht einer Unterzuckerung die Fahrt unterbrechen.



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