Mit fortschreitendem Lebensalter steigt nicht nur das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Auch die Alzheimer-Demenz zählt zu den alterstypischen Krankheiten. Für Ärzte entsteht eine besonders schwierige Situation, wenn beide Leiden zusammentreffen – was in Pflegeeinrichtungen häufig der Fall ist.
Denn Patienten, die sich der Insulingabe oder der Medikamenteneinnahme verweigern, laufen Gefahr, dass ihr Blutzuckerspiegel bedrohlich ins Schwanken gerät. Wie Ärzte Demenzpatienten mit Diabetes angemessen therapeutisch begleiten können, berichtet Dr. med. Daniel Kopf, Chefarzt der Geriatrischen Klinik am Katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg, anlässlich einer Fachtagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin: "Patienten, die zugleich an Diabetes mellitus und an Alzheimer erkrankt sind, müssen anders therapiert werden als normale Diabetiker".
Patienten zwischen Aggression und Apathie
Die Alzheimer-Krankheit gehe bei 80 Prozent der in Heimen untergebrachten Patienten mit Verhaltensauffälligkeiten einher. Mitunter beschimpfen die Betroffenen Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige, sie zeigen bedrohliches Verhalten, leiden an Wahn, Apathie und Antriebslosigkeit oder verweigern die Nahrung und die Einnahme der Medikamente. Einige Patienten laufen auch unruhig umher oder gehen auf Wanderschaft.
Für Diabetiker jedoch können diese Demenzerscheinungen lebensbedrohliche Komplikationen mit sich bringen. Wenn sie die Einnahme blutzuckersenkender Tabletten verweigern, die Insulingabe ablehnen, nichts essen wollen oder durch ständiges Umherlaufen vermehrt Kalorien verbrauchen, besteht die Gefahr, dass der Blutzucker außer Kontrolle gerät. Zudem geht die Demenz schon in frühen Erkrankungsstadien mit Gewichtsverlust einher, womit der Bedarf an blutzuckersenkenden Medikamenten sinkt.
Ständiges Auf und Ab der Blutzuckerwerte
Dr. Kopf fasst die Hauptprobleme zusammen: "Es ist ein Auf und Ab von Unterzucker und Überzucker. Die Stoffwechsellage dieser Patientengruppe ist schwer zu kontrollieren. Zudem besteht die Gefahr der Unterernährung." Die Therapieziele müssten für Demenzpatienten deshalb angepasst werden.
"Bei diesen Patienten geht es nicht um Vermeidung der Diabetes-Langzeitkomplikationen, denn die Demenz verkürzt die Lebenserwartung. Für die Ernährung des Patienten heißt das entgegen der sonst üblichen Empfehlungen: Zuckerhaltige Nahrungsmittel und die Kalorienanzahl sind nicht mehr beschränkt." Da die geistige Leistungsfähigkeit durch Unterzuckerungen verschlechtert wird, sollten Diabetesmedikamente bevorzugt werden, bei denen das Risiko einer Unterzuckerung gering ist.
Terminhinweis:
Die 5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) findet vom 11. bis 12. November 2011 in Berlin statt.
Informationen und Programmübersicht: http://www.herbsttagung-ddg.de/
DDG / www.diabetes-ratgeber.net;
09.11.2011, aktualisiert am 10.11.2011
Bildnachweis: istock/Alex Raths
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