Anmelden | Registrieren
Drucken

Notfall Unterzucker

Was Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auslöst, wie Sie sie bemerken und wie Sie sich helfen können

Was ist eine Unterzuckerung (Hypoglykämie)?

Von einer Unterzuckerung spricht man in der Regel, wenn der Blutzucker unter 50 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise -2,7 Millimol pro Liter (mmol/l) sinkt.  Normal sind Nüchternwerte um die 100 mg/dl.

Was verursacht eine Unterzuckerung?

Die häufigste Ursache einer Unterzuckerung sind falsche Dosierungen der oralen Diabetesmedikamente und von Insulin, auch körperliche Aktivität oder das Auslassen von Mahlzeiten. Besonders Medikamente aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe (Wirkstoffe z.B. Glibenclamid, Glimepirid, Gliclazid, Glibornurid) und der Glinide können Unterzuckerungen auslösen, da sie die Bauchspeicheldrüse anregen, Insulin auszuschütten, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen einschleust.


Unterzuckerungen infolge von Sulfonylharnstoff-Tabletten können sehr anhaltend sein. Das Risiko für eine Unterzuckerung ist geringer bei Metformin oder Medikamenten aus der Gruppe der Glitazone, Inkretinmimetika, DPP-4 Hemmer sowie bei kurz- und langwirksamen Insulinanaloga.

Auch Alkohol erhöht das Risiko von Unterzuckerungen, da Alkohol die Zuckerneubildung in der Leber hemmt. Die Zuckerspeicher in der Leber sind wichtig für die Grundversorgung des Körpers mit Traubenzucker. Alkohol am Abend kann daher zu einer nächtlichen Unterzuckerung führen.

Nach langjährigem Diabetes (das gilt aber vor allem für Menschen mit Typ-1-Diabetes) kann die Wahrnehmung der Unterzuckerungs-Warnzeichen gestört sein. Auch das erhöht das Risiko für Unterzuckerungen.

Was sind die Warnzeichen einer Unterzuckerung?

Schon bevor der Blutzucker in den kritischen Bereich fällt, kann sich ein sinkender Blutzuckerspiegel bemerkbar machen. Sinkt der Blutzucker unter einen Wert von etwa 70 mg/dl (3,9 mmol/l) beginnt der Körper zu reagieren, um den Blutzucker wieder zu erhöhen – sogenannte „Gegenregulationen“.

Zunächst drosselt der Körper die Insulinsekretion durch die Bauchspeicheldrüse. Sinkt der Blutzucker weiter, werden die Hormone Adrenalin und Glukagon ausgeschüttet, etwas später auch Wachstumshormone, Cortisol und Noradrenalin. Diese bewirken, dass die Leber gespeicherten Zucker ins Blut abgibt.

Frühe Symptome einer Unterzuckerung, die durch die Ausschüttung von Adrenalin bedingt sind, sind beispielsweise:

  • Schwitzen
  • Herzjagen
  • Blässe um Mund und Nase
  • weite Pupillen
  • Zittern

Zeichen eines Energiemangels im Gehirn sind:

  • Heißhunger
  • Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • pelziges Gefühl um die Lippen
  • Sprach- und Sehstörungen

Bei sehr tiefen Werten kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Verhaltensänderungen
  • Koordinationsstörungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Krampfanfällen

Bei Diabetikern, deren Blutzuckerwerte seit langer Zeit unzureichend eingestellt sind, können diese Vorgänge schon vorher einsetzen. Etwa wenn die Blutzuckerwerte ansonsten um 100 bis 150 mg/dl (5,6 bis 8,3 mmol/l) liegen.

Gefährliche Unterzuckerungen

Im Rahmen einer Unterzuckerung können Betroffene sich selbst und andere gefährden (beispielsweise im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz).

Bei häufigem und schwerem Unterzuckerungen vor allem nach jahrelanger Diabetesdauer können möglicherweise Veränderungen der Hirnfunktionsleistung, z.B. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, auftreten.

Generell sollten Diabetiker Blutzuckerwerte unter 80 mg/dl (5,5 mmol/l) vermeiden.

Was muss ich bei einer Unterzuckerung  tun?

Wenn Sie erste Anzeichen einer Unterzuckerung bemerken, sollten Sie ein bis zwei BE/KE schnell ins Blut gehende Kohlenhydrate zu sich nehmen. Beispielsweise zwei bis vier Plättchen Traubenzucker oder Flüssigzucker aus der Apotheke. Schnelle Kohlenhydrate sind (absteigend nach Wirkstärker geordnet):

  • Traubenzucker (dazu reichlich trinken)
  • Limonade, zuckerhaltige Cola-Getränke, Obstsäfte
  • Gummibärchen, Zucker, Honig

Schokolade, Sahneeis etc. sind weniger geeignet, weil sie eher langsam wirken. Ihre Fette verzögern die Magenentleerung und damit auch die Aufnahme der Kohlenhydrate.

Diabetiker, die eine Therapie mit Unterzuckerungspotential durchführen, sollten immer drei bis vier BE/KE Traubenzucker mit sich führen und nachts neben dem Bett liegen haben.

Unterzucker bei Behandlung mit Acarbose oder Miglitol

Diabetiker, die Tabletten mit Wirkstoff Acarbose oder Miglitol einnehmen, verwerten Haushaltszucker und Stärke nur verzögert. Sie sollten bei Unterzucker deshalb immer zu Traubenzucker greifen.



Mit einer Glukagon-Spritze können Laien einem bewusstlosen Diabetiker im Unterzucker helfen. Die Abbildungen zeigen wie es geht (zum Vergrößern ins Lupen-Symbol klicken).

Eine schwere Unterzuckerung ist ein Zustand, bei dem sich der Betroffene nicht mehr selbst helfen kann, sondern Fremdhilfe notwendig wird. Verliert ein Diabetiker im Rahmen einer schweren Unterzuckerung das Bewusstsein, darf man ihm keinesfalls etwas einflößen. Das könnte dazu führen, dass etwas in die Luftröhre gerät. Bei Bewusstlosigkeit sofort den Notarzt (112) verständigen. Der Arzt kann dem Betroffenen eine hochkonzentrierte Zuckerlösung spritzen, die die Unterzuckerung schnell beseitigt.

Diabetiker, die zu häufigen und schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit neigen, können sich ein Glukagon-Set verschreiben lassen. Glukagon ist ein Hormon, das den Blutzucker erhöht. Im Falle einer Bewusstlosigkeit können Familienangehörige, Freunde oder Kollegen, die über den Umfang mit dem Glukagon-Set informiert sind, dem Diabetiker eine Spritze in den Muskel oder eine Hautfalte setzen. Glukagon wirkt innerhalb von wenigen Minuten. Nach dem Aufwachen muss der Diabetiker zwei bis drei BE/KE schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen, damit der Blutzucker nicht erneut sinkt. Vor allem Unterzuckerungen, die durch Sulfonylharnstoff-Präparate bedingt sind, können bis zu mehreren Tagen anhalten, so dass eine stationäre Überwachung in der Klinik nötig sein kann.

Tipps für Autofahrer mit Diabetes

  • Vor Fahrtantritt sollten Unterzucker-gefährdete Diabetiker ihren Blutzucker messen. Bei niedrigem Wert: Schnell wirkende Kohlenhydrate einnehmen und warten, bis der Wert gestiegen ist
  • Traubenzucker oder Ähnliches sollte im Auto immer griffbereit aufbewahrt werden
  • Beim geringsten Verdacht auf Unterzucker: Fahrt unterbrechen und Kohlenhydrate essen. Erst weiterfahren, wenn der Wert gestiegen ist.
  • Bei längeren Fahrten: Alle zwei Stunden den Blutzucker kontrollieren.
  • Blutzuckerwerte dokumentieren (wichtig auch aus rechtlichen Gründen im Falle eines Unfalls)

Wie gefährlich sind Unterzuckerungen?

Es gibt Hinweise darauf, dass schwere Unterzuckerungen das Risiko für Blutdruckkrisen, Herzrhythmusstörungen oder sogar einen plötzlichen Herzstillstand erhöhen. Daher sollte insbesondere bei älteren Diabetikern mit Herzproblemen die Diabetestherapie mit Augenmaß erfolgen (individuelle Zielwertbereiche) und der Blutzucker nicht zu aggressiv gesenkt werden. Schwere Unterzuckerungen sollten Diabetiker in jedem Fall vermeiden.




Bildnachweis: W&B/Bernhard Limberger, W&B/Martin Ley
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11

Gut zu wissen

Diagnose Diabetes: Zuckerkrank – was nun?

Die Diagnose ist oft ein Schock. Was neu diagnostizierte Typ-2-Diabetiker wissen sollten »

Vorsorgetermine im Überblick

Auf einen Blick: Kontrolltermine beim Arzt, die Sie nicht verpassen sollten »

Vorsorge im Film: Das metabolische Syndrom

Vier Faktoren vereinen sich zum "tödlichen Quartett". Wir erklären, welche das sind und was Sie dagegen tun können »

Kneippen gegen Diabetes?

Sebastian Kneipps "Fünf Säulen der Gesundheit" sind über 120 Jahre alt. Doch von den Empfehlungen für ein langes und gesundes Leben können Menschen mit Typ-2-Diabetes auch heute profitieren »

www.diabetes-ratgeber.net; 09.11.2009, aktualisiert am 14.01.2013
Bildnachweis: W&B/Bernhard Limberger, W&B/Martin Ley

Diabetes-Risikotest

Der "Findrisk"-Fragebogen ermittelt Ihr Risiko für Typ-2-Diabetes »

Diagnose Diabetes

Schwerpunktpraxis

Alle für einen: Hier kümmern sich Speizialisten im Team um Diabetiker »

Diabetes-Schulung

Alles über Diabetes lernen

Eine Schulung vermittelt Diabetikern nach der Diagnose das nötige Wissen »

Folgekrankheiten

Diabetes-Folgen

Hier finden Sie Informationen über alle Folgekrankheiten des Diabetes »

Unbekannte Begleiterkrankungen

Magenlähmung & Co.

Krankheiten, deren Zusammenhang mit Diabetes vielen nicht bekannt ist »

Tabletten gegen Diabetes

Medikamente bei Typ-2-Diabetes

Wir stellen Ihnen wichtige Arzneimittel in kurzen Steckbriefen vor »

Gesund ernähren

Gesund essen mit Diabetes

Eine Ernährungsberatung abgestimmt auf Menschen mit Typ-2-Diabetes »

Bewegt leben

Fitness für Diabetiker

Sport & Bewegung bei Diabetes: Hier ist für jeden etwas dabei! »

Diabetes im Alter

Was im Alter anders ist

Im hohen Alter muss Diabetes oft anders behandelt werden »

Das richtige Altersheim finden

Worauf Menschen mit Diabetes bei der Auswahl achten sollten »

diabetesDE

Die aktuellen Artikel aus dem "Diabetes Ratgeber" »

Aktuelles

Diabetiker setzen auf Experten

Umfrage: Diabetologen und Apotheken mit Diabetes-Beratung werden immer gefragter  »

Studie zu Risikofaktoren

Übergewicht und Bluthochdruck sind bei jüngeren Generationen stärker verbreitet als früher  »

Intensive ärztliche Betreuung lohnt sich

Eine enge Zusammenarbeit von Arzt und Patient ist wichtig, sagt eine Studie »

Rätselhafte Diabetes-Statistiken

Gibt es fünf oder sieben Millionen Diabetiker? Woher die Unterschiede in den Statistiken kommen »

Eine Zucker-Krankheit?

Zucker könnte unabhängig vom Kaloriengehalt zu Diabetes beitragen »

Vitamin D: Das sollten Sie wissen

Vitamin D schützt angeblich vor Diabetes oder Krebs. Was ist dran? »

Vorurteile gegen Diabetes

Viele Deutsche wissen wenig über Diabetes – Betroffene werden mit Vorurteilen konfrontiert »

Welche Rolle die Nachbarschaft spielt

Kaum zu glauben: Der Wohnort beeinflusst wohl tatsächlich das Diabetes-Risiko »

Alternative Diabetestherapien

Von Homöopathie bis Trampolinspringen: Was Experten von alternativen Behandlungen halten »

Leben dicke Diabetiker länger?

Laut einer Studie sterben schlanke Diabetiker früher als übergewichtige. Kann das stimmen? »

Fragen an die Experten

Schlechte Wundheilung

Warum heilen Wunden bei Diabetes schlechter? »

Angst vor Folgekrankheiten

Mein Vater hat Diabetes und große Angst vor Folgekrankheiten. Was hilft ihm? »

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

Sudoku

Die beliebte japanische Knobelei in unendlichen Variationen hier online spielen »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung