Am wichtigsten: gesunder Lebensstil
Die Basis der Diabetestherapie ist die Schulung, in der neu diagnostizierte Typ-2-Diabetiker erfahren, wie Sie durch einen gesünderen Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und Abbau von Übergewicht selbst dazu beitragen können, ihre Blutzuckerwerte zu senken. Jeder Diabetiker sollte sich darum bemühen, von seinem Arzt zu einer entsprechenden Schulung überwiesen zu werden. Angeboten werden diese beispielsweise von diabetologischen Schwerpunktpraxen, aber auch in vielen Kliniken. Informationen dazu gibt es beispielsweise bei den Krankenkassen.
Bewegung und Abbau von Übergewicht verbessern die Insulinempfindlichkeit der Zellen und bewirken so, dass der Zucker besser aus dem Blut in die Zellen geschleust werden kann. Vielen Menschen mit Diabetes gelingt es, ihre Blutzuckerwerte allein durch eine gesundheitsfördernde Lebensweise wieder in den Normalbereich zu senken. Allerdings ist der Diabetes damit nicht geheilt. In der Regel lässt die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse im Laufe der Jahre nach (auch beim Nichtdiabetiker), so dass damit zu rechnen ist, dass die Blutzuckerwerte irgendwann trotz gesunder Lebensweise steigen und eine medikamentöse Behandlung nötig wird.
Sport: Den inneren Schweinehund überwinden
Regelmäßig Sport zu treiben, fällt vielen Menschen sehr schwer. Experten empfehlen daher: Versuchen Sie in jedem Fall, wenigstens 10.000 Schritte am Tag zu laufen. Das gelingt, indem man das Auto öfter einmal stehen lässt, Treppen statt Aufzug oder Rolltreppen benutzt, am Abend noch einen längeren Spaziergang macht. Erfahrungsgemäß ist ein Schrittzähler, wie man ihn z.B. in der Apotheke bekommen kann, eine nützliche Motivationshilfe.
Im Idealfall sollte man sich an mindestens fünf Tagen in der Woche für eine halbe Stunde bewegen. Am besten eigenen sich Ausdauerbewegungen wie Laufen, Nordic Walken, Radfahren oder Schwimmen. Faustregel: Die Intensität der Belastung ist richtig, wenn Sie leicht ins Schwitzen kommen und sich noch unterhalten können.
Wer bislang keinen Sport getrieben hat, sollte sich zuvor unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Denn bei körperlicher Anstrengung braucht der Herzmuskel mehr Blut. Bei Durchblutungsstörungen des Herzens bemerkt der Diabetiker die Warnzeichen häufig nicht rechtzeitig, weil infolge des Diabetes die dafür verantwortlichen Nerven geschädigt sind. Eine sportmedizinische Untersuchung mit einem EKG und einem Belastungs-EKG schafft Sicherheit.
Im Einzelfall kann es sinnvoll sein, Sport in einer ärztlich betreuten Gruppe (Herzsportgruppe), einer Diabetes-Sportgruppe oder Senioren-Sportgruppe zu treiben. Besprechen Sie die Möglichkeiten mit Ihrem Arzt; Informationen gibt es auch bei der Krankenkasse oder bei der Arbeitsgemeinschaft "Diabetes und Sport" der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (www.diabetes-sport.de).
Gesundheitsfördernde Ernährung
Für Menschen mit Diabetes gelten grundsätzlich dieselben Empfehlungen für eine gesunde Kost wie für Menschen ohne Diabetes. Spezielle "Diabetikerprodukte" sind nicht notwendig.
Zucker ist nicht tabu
Auch Zucker dürfen Diabetiker verwenden. Der Anteil an der täglichen Kalorienzufuhr sollte zehn Prozent (rund 30 bis 50 Gramm) nicht überschreiten – versteckte Zucker, etwa in süßen Brotaufstrichen, Fruchtnektar und Konserven eingeschlossen.
Vermeiden sollte man, außer bei der Behandlung einer Unterzuckerung, zuckerhaltige Getränke. Der Grund ist, dass der Zucker aus diesen sehr schnell ins Blut aufgenommen wird und zu Blutzuckerspitzen führt, die für die Gefäße schädlich sind. Zucker sollte generell möglichst in "verpackter" Form aufgenommen werden, das heißt in Verbindung mit Ballaststoffen und anderen Nährstoffen.
Ballaststoffe senken den Blutzucker
Ballaststoffe bewirken, dass der Zucker langsamer ins Blut übertritt. Dadurch wirken sie "glättend" auf den Blutzuckerspiegel. In einer großen Studie wurde nachgewiesen, dass eine ballaststoffreiche Ernährung auch den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c günstig beeinflusst. Hinzu kommt, dass Ballaststoffe auch die Blutfettwerte verbessern und, da sie länger satt machen, beim Abnehmen helfen. Daher ist es sinnvoll, möglichst viele ballaststoffreiche Lebensmittel in den Speiseplan aufzunehmen. WIchtig ist, dass bei einer ballaststoffreichen Ernährung auch viel getrunken wird. Daudurch quellen die Ballaststoffe im Darm und können ihre positiven Eigenschaften entfalten.
Reichlich Ballaststoffe liefern zum Beispiel:
1 Portion Rosenkohl (200 Gramm): 9 Gramm
1 Portion Grünkohl (200 Gramm): 8 Gramm
1 Portion Möhren (200 Gramm): 7 Gramm
1 Portion Brokkolio (200 Gramm): 6 Gramm
1 Portion Blumenkohl (200 Gramm): 6 Gramm
2 mittelgroße Kartoffeln (160 Gramm): 4 Gramm
1 mittelgroße Birne: 4 Gramm
Übergewicht reduzieren
Eine dauerhafte Gewichtsabnahme gelingt in der Regel nur durch eine Kostumstellung in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung. Bei der Kostumstellung ist vor allem die Verringerung der Fettzufuhr wichtig. Durchschnittlich nimmt jeder Deutsche pro Tag 130 Gramm Fett auf – empfohlen sind aber nur 60 Gramm.
Auf fette Wurst und fetten Käse sollte man möglichst verzichten und bei Milch und Milchprodukten fettreduzierte Varianten wählen. Grundsätzlich sollte man bei der Speisenzubereitung Öle mit einfach ungesättigten Fettsäuren, z.B. Raps-, Oliven- oder Walnussöl bevorzugen und mindestens einmal pro Woche frischen Seefisch essen. Vor allem Lachs, Hering und Makrele liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren.
Eine ausführliche Zusammenstellung der Empfehlungen für eine gesunde Kost finden Sie in unserem "Extra": Gesund essen bei Diabetes, das von Spezialisten des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen verfasst worden ist.
www.diabetes-ratgeber.net;
09.11.2009, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF
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