Für Diabetikerinnen mit Kinderwunsch gelten bereits vor Beginn wie auch während der Schwangerschaft die folgenden Zielwerte:
Zielwerte für die Selbstmessung des Blutzuckers, sofern der Arzt keine anderen Ziele vereinbart hat:
Vor dem Essen:
60 bis 90 mg/dl (3,3 bis 5,0 mmol/l)
Eine Stunde nach dem Essen:
kleiner 140 mg/dl (kleiner 7,7 mmol/l)
Zwei Stunden nach Essensbeginn:
kleiner 120 mg/dl (kleiner 6,6 mmol/l)
Vor dem Schlafen:
90 bis 120 mg/dl (5,0 bis 6,6 mmol/l)
Nachts:
größer 60 mg/dl (größer 3,3 mmol/l)
Typ-1-Diabetikerinnen werden diese Ziele in der Regel nur mit einer intensivierten Insulintherapie oder einer Insulinpumpe erreichen. Gegebenenfalls sollte die Insulinbehandlung deshalb rechtzeitig umgestellt werden. Engmaschige Blutzuckerselbstkontrollen mindestens sechsmal täglich und ab und zu auch nachts sind unverzichtbarer Bestandteil jeder Therapie vor und während der Schwangerschaft.
Eine Umstellung auf ein Humaninsulin kann erforderlich werden, wenn bisher ein gentechnisch modifiziertes Analoginsulin verwendet wurde. Denn da wegen der kurzen Verfügbarkeit noch unklar ist, ob Analoginsuline sich in der Schwangerschaft ungünstig auswirken, sind sämtliche Analoginsuline in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Andererseits kann der Verzicht auf Analoginsuline die Stoffwechselsituation verschlechtern, was eine Gefährdung von Mutter und Kind bedeuten würde.
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt, das Für und Wider einer Umstellung mit der Mutter zu diskutieren und, wenn die Qualität der Stoffwechsellage an erster Stelle steht, ein schnelles Analoginsulin mit den Wirkstoffen Lispro oder Aspart weiter zu verwenden. Denn diese Präparate sind am längsten in Gebrauch, ohne dass bisher für die Schwangerschaft Nachteile im Vergleich zu Humaninsulin bekannt geworden wären. Auf lang wirkende Analoginsuline sollte aber derzeit noch verzichtet werden. Wenn der Ersatz durch ein herkömmliches humanes Verzögerungsinsulin wegen des deutlich anderen Wirkungsverlaufs nicht gelingt, bleibt noch die Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie.
Je dichter der Blutzuckerverlauf am Normbereich liegt, desto seltener sind kindliche Fehlbildungen. Das Risiko lässt sich weiter verringern durch die vorsorgliche Einnahme von Folsäure drei Monate vor der Schwangerschaft bis zum Abschluss der zwölften Schwangerschaftswoche. Welche Dosis und welches Präparat infrage kommt, wissen Arzt oder Apotheker. Außerdem muss die Jodversorgung stimmen. Jod ist wichtig für die Funktion der Schilddrüse. Da eine bestimmte Form der Schilddrüsen-Fehlfunktion (Autoimmunthyreoiditis) bei Diabetikerinnen vom Typ 1 häufig vorkommt, sollte spätestens am Beginn der Schwangerschaft mit einem Bluttest überprüft werden, ob diese Krankheit vorliegt und welche Maßnahmen dann gegebenenfalls notwendig sind.