Diabetes und Schwangerschaft:
Vor der Schwangerschaft

Diabetikerinnen, die ein Kind bekommen möchten, sollten ihre Schwangerschaft planen. Denn die Stoffwechsellage der Mutter hat entscheidenden Einfluss auf die Schwangerschaft und die Geburt – und vor allem auch auf die spätere Gesundheit des Kindes

Blutzuckerwerte top? Besonders wichtig, wenn ein Baby geplant ist

Bereits in den drei Monaten vor der geplanten Zeugung sollte der HbA1c der Diabetikerin im oberen Normbereich von Menschen ohne Diabetes liegen. Der HbA1c, auch als Langzeitblutzucker bezeichnet, ist ein aus einem Tropfen Blut bestimmter Laborwert, der einen Anhalt für die Blutzuckerhöhe der vorhergehenden sechs bis acht Wochen gibt.

 

Typ-2-Diabetikerinnen sollten immer auf Insulin umgestellt werden, wenn eine Behandlung allein mit geeigneter Ernährung und Bewegung nicht ausreicht. Denn bisher sind keine Tabletten zur Diabetesbehandlung von Schwangeren zugelassen, da unklar ist, ob die Wirkstoffe das Kind schädigen könnten.

Für Diabetikerinnen mit Kinderwunsch gelten bereits vor Beginn wie auch während der Schwangerschaft die folgenden Zielwerte:

 

Zielwerte für die Selbstmessung des Blutzuckers, sofern der Arzt keine anderen Ziele vereinbart hat:

Vor dem Essen:

60 bis 90 mg/dl (3,3 bis 5,0 mmol/l)

 

Eine Stunde nach dem Essen:

kleiner 140 mg/dl (kleiner 7,7 mmol/l)

 

Zwei Stunden nach Essensbeginn:    

kleiner 120 mg/dl (kleiner 6,6 mmol/l)

 

Vor dem Schlafen:

90 bis 120 mg/dl (5,0 bis 6,6 mmol/l)

 

Nachts: 

größer 60 mg/dl (größer 3,3 mmol/l)

Typ-1-Diabetikerinnen werden diese Ziele in der Regel nur mit einer intensivierten Insulintherapie oder einer Insulinpumpe erreichen. Gegebenenfalls sollte die Insulinbehandlung deshalb rechtzeitig umgestellt werden. Engmaschige Blutzuckerselbstkontrollen mindestens sechsmal täglich und ab und zu auch nachts sind unverzichtbarer Bestandteil jeder Therapie vor und während der Schwangerschaft.

 

Eine Umstellung auf ein Humaninsulin kann erforderlich werden, wenn bisher ein gentechnisch modifiziertes Analoginsulin verwendet wurde. Denn da wegen der kurzen Verfügbarkeit noch unklar ist, ob Analoginsuline sich in der Schwangerschaft ungünstig auswirken, sind sämtliche Analoginsuline in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Andererseits kann der Verzicht auf Analoginsuline die Stoffwechselsituation verschlechtern, was eine Gefährdung von Mutter und Kind bedeuten würde.

 

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt, das Für und Wider einer Umstellung mit der Mutter zu diskutieren und, wenn die Qualität der Stoffwechsellage an erster Stelle steht, ein schnelles Analoginsulin mit den Wirkstoffen Lispro oder Aspart weiter zu verwenden. Denn diese Präparate sind am längsten in Gebrauch, ohne dass bisher für die Schwangerschaft Nachteile im Vergleich zu Humaninsulin bekannt geworden wären. Auf lang wirkende  Analoginsuline sollte aber derzeit noch verzichtet werden. Wenn der Ersatz durch ein herkömmliches humanes Verzögerungsinsulin wegen des deutlich anderen Wirkungsverlaufs nicht gelingt, bleibt noch die Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie.

Je dichter der Blutzuckerverlauf am Normbereich liegt, desto seltener sind kindliche Fehlbildungen. Das Risiko lässt sich weiter verringern durch die vorsorgliche Einnahme von Folsäure drei Monate vor der Schwangerschaft bis zum Abschluss der zwölften Schwangerschaftswoche. Welche Dosis und welches Präparat infrage kommt, wissen Arzt oder Apotheker. Außerdem muss die Jodversorgung stimmen. Jod ist wichtig für die Funktion der Schilddrüse. Da eine bestimmte Form der Schilddrüsen-Fehlfunktion (Autoimmunthyreoiditis) bei Diabetikerinnen vom Typ 1 häufig vorkommt, sollte spätestens am Beginn der Schwangerschaft mit einem Bluttest überprüft werden, ob diese Krankheit vorliegt und welche Maßnahmen dann gegebenenfalls notwendig sind.

 

Komplikationen und Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus, vor allem an Augen, Nieren und Herz-Kreislaufsystem sollten vor dem Eintreten der Schwangerschaft ausgeschlossen beziehungsweise optimal behandelt werden:

Diabetische Retinopathie: Veränderungen an der Netzhaut sind die häufigsten Komplikationen eines Diabetes während der Schwangerschaft. Eine zu Beginn der Schwangerschaft bestehende Retinopathie kann sich massiv verschlechtern. Gründe dafür sind zum Beispiel hormonelle Schwankungen, ein erhöhter Blutdruck oder eine ungünstige Stoffwechsellage mit hohem HbA1c. Deshalb muss die Kontrolle des Augenhintergrundes vor der Schwangerschaft obligatorisch sein. Bei fortgeschrittenen Gefäßveränderungen am Augenhintergrund sollte zunächst eine Laserbehandlung durchgeführt werden. Bei einer damit nicht zu beherrschenden proliferativen Retinopathie wird der Augenarzt auf die Gefahr einer Erblindung hinweisen und von der Schwangerschaft abraten.

 

Diabetische Nephropathie: Eine Schädigung der Nieren sollte vor der Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Eine Schwangerschaft ist auch mit Nephropathie möglich, aber mit besonderen Risiken wie Frühgeburt,  Präeklampsie oder Gestose ("Schwangerschaftsvergiftung") behaftet. Möglicherweise wächst das Kind auch nur unzureichend. Frauen mit einer Nephropathie sollten sich daher vor einer Schwangerschaft nicht nur mit dem Frauenarzt, sondern auch mit einem Nierenspezialisten beraten. Bei weit fortgeschrittener Nephropathie sind die Risiken für Mutter und Kind so groß, dass meist von der Schwangerschaft abgeraten werden muss.

 

Bei langjährigem Diabetes sollte auch auf eventuelle Veränderungen des Herz-Kreislaufsystems geachtet, gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet oder bei hohen Risiken wie z.B. einem drohenden Herzinfarkt vor einer Schwangerschaft gewarnt werden.

Blutdruck-Medikamente: Diabetikerinnen, die unter Bluthochdruck leiden, sollten vor der Schwangerschaft auch ihre Blutdruck-Medikamente vom Arzt überprüfen lassen. ACE-Hemmer und AT1-Blocker sind mit einem erhöhten Risiko von Fehlbildungen behaftet und müssen – nach Rücksprache mit dem Arzt – abgesetzt werden. Mittel der Wahl ist in der Regel alpha-Methyldopa. Auch Metoprolol, Nifedipin/Verapamil und Dihydralazin können vom Arzt eingesetzt werden.


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