Der Frauenarzt wird zusätzlich zu den Ultaschalluntersuchungen nach den für alle Schwangeren geltenden Mutterschaftsrichtlinien Kontrollen bereits beim ersten Termin und im letzten Drittel alle zwei bis vier Wochen vornehmen. Dabei wird er besonders auf eventuelle Fehlbildungen, Riesenwuchs oder verzögertes Wachstum achten. Ein hohes geschätztes Gewicht des Kindes (Riesenbaby) erhöht die Gefahr der Einklemmung der Schulter bei der Geburt (Schulter-Dystokie) und kann Anlass für einen geplanten Kaiserschnitt sein. Bei guter Stoffwechsellage der Mutter und unauffälliger Entwicklung des Kindes werden ab der 32. Schwangerschaftswoche die Herztöne des Kindes kontrolliert (Cardiotokogramm, abgekürzt CTG), bei Verdacht auf eine Beeinträchtigung des Kindes auch eher.
Rechtzeitig sollte Kontakt zu einer Entbindungsklinik aufgenommen werden, die in der Lage ist, auch Frühgeborene und Neugeborene mit Komplikationen im Hause zu versorgen. Hierfür gibt es festgelegte Anforderungen an Personal und Ausstattung (Perinatalzentrum Level 2). Der Schwangerschaftsverlauf und die Daten von Mutter und Kind sollten in der Klinik bekannt bekannt sein, damit bei einem sich abzeichnenden oder eingetretenen Notfall ohne Zeitverzug gehandelt werden kann.
Infektionen im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane sind bei Frauen mit Typ-1-Diabetes häufig. Eine regelmäßige Untersuchung und, falls erforderlich, Behandlung trägt dazu bei, das Risiko einer Frühgeburt zu verhindern.
Frühgeburten bei Müttern mit Diabetes sind mit einer Unreife des Kindes verbunden. Dies betrifft vor allem die Lungen und kann zu erheblichen Atemproblemen des Neugeborenen führen. Lässt sich eine vorzeitige Geburt nicht vermeiden, muss zunächst die Lungenreife medikamentös beschleunigt werden. Möglichst aber sollte die Entbindung zum errechneten Termin erfolgen. Deshalb wird bei vorzeitigen Wehen versucht, die Geburt mit Medikamenten hinauszuzögern.
Bei komplikationslosem Verlauf der Schwangerschaft wird die Mutter zum errechneten Geburtstermin stationär aufgenommen. Eine frühere Aufnahme muss bei erheblichen Problemen mit der Stoffwechselführung, eventuellen geburtshilflichen Komplikationen oder Gefährdung des Kindes erfolgen.
Der Diabetes der Mutter ist allein kein Grund für eine Geburt per Kaiserschnitt. Die Entscheidung hierzu wird nach allgemeinen geburtshilflichen Kriterien erfolgen. Allerdings sollte bei Riesenbabys mit einem geschätzten Geburtsgewicht von 4500 Gramm der Kaiserschnitt vorgezogen werden. Bei schwerwiegenden Retinopathie-Problemen kommt eine Vakuumextraction (Saugglocke) in Betracht, um durch das Pressen verursachte Blutdruckspitzen zu vermeiden.
Während der Entbindung sollten die Blutzuckerwerte zwischen 70 und 110 md/dl (3,9 bis 6,1 mmol/l) liegen. Da mit der Geburt der Insulinbedarf drastisch zurückgeht und zudem die Wehen zu einem erheblichen Glukoseverbrauch führen, wird am Tag der Entbindung in der Regel nur ein Drittel der Verzögerungsinsulindosis gespritzt. Bei Behandlung mit einer Insulinpumpe wird die Basalrate mit Beginn der Wehen meistens auf die Hälfte reduziert. Unter der Geburt wird der Blutzuckerverlauf engmaschig kontrolliert, um zu hohe Werte wie auch Unterzuckerungen zu vermeiden. Letztere würden durch den Energiemangel die Wehentätigkeit behindern.
Der bei der Geburt anwesende Kinderarzt entscheidet nach Untersuchung des Neugeborenen, ob das Kind auf der Wochenstation versorgt werden kann oder zur Vermeidung oder Behandlung von Komplikationen auf die Intensivstation verlegt werden muss.