Dawn-Phänomen

Hormonausschüttungen am frühen Morgen können dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel bei Diabetespatienten ansteigt
aktualisiert am 19.07.2017

Blutzuckeranstiege in den Morgenstunden bescheren manchmal ein böses Erwachen

Thinkstock/Banana Stock

Das englische Wort "dawn" bedeutet Morgenröte oder Morgendämmerung. Beim Dawn-Phänomen steigt der Blutzucker in den frühen Morgenstunden unvermittelt stark an. Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes kann das Dawn-Phänomen besonders intensiv ausfallen. 

Der Grund für diese Ausschläge nach oben ist, dass der Körper morgens verstärkt Hormone wie Cortisol und Glukagon ausschüttet. Diese bewirken, dass die in der Leber gespeicherten Zuckerreserven freigesetzt werden und die Zellen schlechter auf Insulin ansprechen. Als Folge steigt der Zuckerspiegel im Blut an. Bei gesunden Menschen würde der Körper daraufhin als natürliche Gegenreaktion vermehrt Insulin ausschütten, um den Anstieg auszugleichen. Deswegen kommt das Dawn-Phänomen bei Nicht-Diabetikern nicht vor.

Andere Ursachen für hohen Zucker am Morgen

Nicht immer steckt das Dawn-Phänomen hinter hohen Zuckerwerten am Morgen. Bisweilen sind auch nächtliche Unterzuckerungen die Ursache. Der Körper reagiert auf diese mit einer Gegenregulation, in deren Folge die Werte stark ansteigen können. Dieser Vorgang heißt auch Somogyi-Effekt. Er tritt aber relativ selten auf.

Dawn-Phänomen vermeiden

Wenn morgens der Blutzucker erhöht ist, sollten Betroffene ihren Arzt darauf ansprechen. Mit Messungen während der Nacht können sie den Ursachen auf die Spur kommen. Um das Dawn-Phänomen zu vermeiden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Patienten besprechen mit ihrem behandelnden Diabetologen, was in ihrem Fall die beste Wahl ist.

Wer ein Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) verwendet, kann dieses zum Beispiel erst spät spritzen, etwa gegen 23 Uhr. Das bewirkt, dass die Hauptwirkung des Verzögerungsinsulins in die Zeit der verminderten Ansprechbarkeit der Zellen fällt. Alternativ können Patienten nach Rücksprache mit dem Arzt mehr Insulin spritzen. Auch der Umstieg auf ein lang wirksames Analoginsulin kann die morgendlichen Blutzuckerausschläge verhindern. Wer seinen Diabetes mit Tabletten behandelt, bei dem kann ebenfalls eine Änderung der Dosis oder des Einnahmezeitpunkts helfen.

Lässt sich solchen Anpassungen der Therapie das Problem nicht in Griff kriegen, kann der Umstieg auf eine Insulinpumpe ratsam sein. Sie erlaubt ausgeglichenere Blutzuckerverläufe und lässt sich so einstellen, dass sie zu den Morgenstunden mehr Insulin abgibt.


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