Diabetes-Hilfsprojekte weltweit

In vielen Gegenden der Welt haben Menschen mit Diabetes kaum Aussicht auf eine gute Behandlung. Wir stellen drei Menschen vor, die mit ihrem Engagement Leben retten

von Daniela Pichleritsch, aktualisiert am 22.02.2016

George Ezeani, Heidrun Schmidt-Schmiedebach, Anna Uhlich: Für Diabetiker weltweit im Einsatz

W&B/Bert Bostelmann, W&B/Thomas Rathay, W&B/Philipp Forstner

Weltweit leben nach Angaben der Inter­national Diabetes Federation IDF rund 387 Millionen Menschen mit Dia­betes. Eine unvorstellbare Zahl – sie entspricht fast der Gesamtbevölkerung der USA und Deutschlands.

Wer hierzulande an Diabetes erkrankt, profitiert von einem hoch entwickelten Gesundheitssystem: von fachärztlicher Versorgung, einem dichten Apothekennetz, modernen Medikamenten und ­einer flächendeckenden Notfallmedizin. Doch fast 80 Prozent aller Dia­betiker leben in Ländern, die sich ein solches Gesundheitssystem nicht leisten können. In denen medizinische Hilfe vor allem eine Frage des individuellen Wohlstandes ist: Geholfen wird, wenn überhaupt, nur dem, der bezahlen kann. Wir stellen Ihnen Menschen vor, die es sich zur Aufgabe ­­gemacht haben, die gröbste Not der Betroffenen zu lindern – mit Ihrer Hilfe.

 


W&B/Philipp Forstner

Anna Uhlich: "Dream Trust" gibt Mädchen eine Chance

Dream Trust ("Traum-Stiftung") heißt die Orga­nisation, für die Anna Uhlich sich seit vielen Jahren engagiert. Wobei das englische Wort "Dream" nicht nur für "Traum" steht, sondern auch eine Abkürzung ist für "Dia­betes Research Education And Management": Diabetes-Forschung, -Schulung und -Management.

Das Ziel von Dream Trust ist es, die medizinische Betreuung von mittellosen Patienten mit Typ-1-Diabetes in Indien zu verbessern. Besonders die von Kindern, speziell von Mädchen. Denn diese werden in der indischen Gesellschaft bis heute benachteiligt – was unter anderem mit einem ruinösen Mitgiftsystem zu tun hat. "Wer seine Tochter verheiraten will, muss die oft hohen Forderungen des Bräutigams erfüllen und verliert dadurch Geld und Eigentum", weiß Anna Uhlich.

Das ist auch einer der Gründe, warum in Indien jährlich Millionen weiblicher Föten abgetrieben werden. Erkrankt ein Mädchen an Typ-1-Diabetes, kommt das häufig einem Todesurteil gleich. "Die ohnehin oft armen Familien können sich die notwendige Behandlung nicht leisten – und während sie für einen Sohn ihr letztes Hemd opfern würden, überlassen sie die Tochter ihrem Schicksal", so ­Uhlich, die selbst seit 32 Jahren Typ-1-Diabetes hat.

Die Wienerin organisiert für Dream Trust Paten­schaften. Die betreuten Kinder, inzwischen über 1000, werden mit den Spendengeldern nicht nur medizinisch versorgt. "Wir unterstützen auch ihre Ausbildung", sagt Uhlich. Nur so ist gewährleistet, dass sie später für sich selbst sorgen können. Inzwischen haben schon mehrere ehemalige Patenkinder selbst Patenschaften übernommen.

Mehr Informationen über die Stiftung Dream Trust finden Sie im Internet unter www.dreamtrust.at

 


W&B/Bert Bostelmann

George Ezeani: "Ahnungslosigkeit kostet Leben"

"Zuckerkranke in Afrika", sagt ­George Ezeani am Telefon, "sterben, ohne zu wissen, woran." Der 51-jährige gebürtige Nigerianer hat selbst keinen Diabetes. Auch niemanden in seiner Familie, der betroffen ist. Trotzdem hat ihn das Thema gepackt – und nicht mehr losgelassen.

Als er in einem Vortrag hörte, wie die ­Situation vieler Diabetiker in Afrika ist, ­fackelte Ezeani nicht lange. Er bat seinen Chef um Sonderurlaub, plünderte sein Sparkonto und stieg in den Flieger. "Ich wusste nur eines", sagt er. "Dass ich helfen wollte. Unbedingt."

Acht Jahre ist das mittlerweile her. Seitdem verbringt George Ezeani jedes Jahr mehrere Monate in Westafrika, vor allem in Togo. Das Land gehört zu den ärmsten der Welt. Schätzungsweise 130 .000 Menschen dort haben Diabetes, rund 4,5 Prozent der Bevölkerung. Die meisten wissen nichts davon. Wie in anderen Entwicklungsländern ist die "Wohlstandskrankheit" Typ-2-Diabetes hier in Wirklichkeit ein Armutsproblem. "Fast Food und Cola", sagt Ezeani, "sind für viele Menschen der einzige Luxus, den sie sich leisten können. Dass Übergewicht krank macht, wissen sie nicht. Und die Regierungen kümmern sich nicht um das Problem."

Die Mission, die Ezeani antreibt: "Ich will die Menschen aufklären. Ihnen erklären, was Dia­betes ist und wie leicht es sein kann, etwas dagegen zu tun. Zum Beispiel mit etwas mehr Bewegung." Regelmäßig hält George Ezeani Informationsveranstaltungen ab. Erklärt den Menschen, was Diabetes ist, was es mit den Folgekrankheiten auf sich hat, an denen viele Betroffene leiden – ohne zu ahnen, dass Diabetes dahintersteckt. Immer im Gepäck: Zuckermessgeräte und Teststreifen.

2011 gründete George Ezeani den Verein "Dia­betes Care West Africa", der Spenden sammelt, um seine Arbeit zu unterstützen. Im Oktober 2015 bekam er von diabetesDE den "Thomas-Fuchsberger-Preis" verliehen. Eine große Anerkennung für sein Engagement, das so etwas wie ein Lebenswerk geworden ist. Aber vor allem: eine Chance, weiterzumachen. "Helfen zu können", sagt George Ezeani, "macht mich einfach glücklich."

Mehr Infos über den Verein Diabetes Care West Africa finden Sie im Internet unter www.diabetes-care-west-africa.com

 


W&B/Thomas Rathay

Heidrun Schmidt-Schmiedebach: "Insulin for Life" rettet Leben

"Siebzig Prozent des weltweit produzierten Insulins wird von 30 Prozent der Weltbevölkerung verbraucht", sagt Heidrun Schmidt-Schmiedebach. "Die übrigen 70 Prozent, überwiegend Diabetiker in Ländern der Dritten Welt, teilen sich, was übrig bleibt. Dabei verdienen diese Menschen ohnehin oft kaum genug, um zu überleben", so Schmidt-Schmiedebach, die selbst mit 26 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankte. "Da ist es einfach nicht drin, auch noch die Hälfte des Einkommens für ein Medikament auszugeben." Krankenversicherungen oder ein anderes soziales Netz gebe es gewöhnlich ebenfalls nicht.

Seit fast 30 Jahren versucht die Organisation "Insulin for Life", gegründet von dem Australier Ron Raab, Diabetikern in der Dritten Welt zu helfen. Nach dem Motto: "Unser Überfluss ist deren Überlebenschance." Deutscher Partner ist "Insulin zum Leben". Seit dem Jahr 2000 laufen die Fäden bei Heidrun-Schmidt-Schmiedebach zusammen. Vom baden-württembergischen Rastatt aus verschickt sie mit ihren Helferinnen alles, was Diabetiker aus Deutschland ihr gespendet haben: Insulin-Ampullen, die etwa nach einer Änderung der Therapie nicht mehr gebraucht werden, Blutzuckermessgeräte und Teststreifen.

"Unsere Lieferungen gehen ausschließlich an anerkannte Diabetesorganisationen und Ärzte, nie an Regierungen", sagt Schmidt-Schmiedebach. Alle Kontakte werden sorgfältig geprüft, damit die Spenden tatsächlich die Bedürftigen erreichen – und nicht etwa auf dem Schwarzmarkt landen. "Insulin zum Leben", so Schmidt-Schmiedebach, "das ist Hilfe, die wirklich ankommt!"

Weitere Informationen über die Organisation"Insulin zum Leben" finden Sie im Internet: www.insulin-zum-leben.de



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