Professor Dr. Michael Krawinkel ist Experte für Ernährung in Entwicklungsländern am Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Gießen. In Zusammenarbeit mit dem internationalen Gemüseforschungszentrum AVRDC will er Diabetikern in der dritten Welt mit Bittergurken helfen.
Bittergurke – was ist das überhaupt?
Bittergurke oder Bittermelone ist eine tropische Pflanze aus der Familie der Kürbisse. Dass die unreifen Früchte eine blutzuckersenkende Wirkung haben, ist schon lange bekannt.
Und diese Wirkung wollen Sie für die Diabetestherapie in Entwicklungsländern nutzbar machen?
Die Zahl der Zuckerkranken nimmt überall in der Welt stark zu. Da es an bezahlbaren Medikamenten oft mangelt, könnten Lebensmittel mit antidiabetischen Wirkungen vielen Menschen helfen.
Wie können Ihre Forschungen dazu beitragen?
Zusammen mit dem Weltgemüseforschungszentrum, zwei indischen Universitäten und einer in Taiwan untersuchen wir unter anderem, welche Bittermelonen-Sorten besonders geeignet sind, welche Anbautechniken die antidiabetische Wirkung fördern und wie die Zubereitung der Bittergurke den Blutzucker beeinflusst. Außerdem wollen wir wissen, ob das Unterzuckerungsrisiko steigt und ob es zu "Nebenwirkungen" kommen kann.
Sollen auch Medikamente entwickelt werden, etwa Bittergurken-Dragees für Diabetiker in Entwicklungsländern?
Das wäre vorstellbar, aber Aufgabe der Pharmaindustrie. Wir interessieren uns für die Pflanze als Lebensmittel für Menschen mit Diabetes.
Wie schmeckt Bittergurken-Salat eigentlich?
Leider ziemlich bitter. Ob auch nicht bittere Sorten den Zucker senken, wollen wir ebenfalls untersuchen.
Diabetes Ratgeber;
01.12.2011
Bildnachweis: Fotolia/Sil007
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