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Im DMP rundum gut versorgt

Wer sich in ein Disease Management Programm für Typ-2-Diabetes einschreibt, bleibt länger gesund – und spart den Kassen bares Geld


Im DMP dokumentiert der Arzt alle Leistungen und Termine

Schulungen, Kochkurse, regelmäßige Untersuchungen beim Arzt: Wer an einem Disease-Management-Programm (DMP) für Typ-2-Diabetes teilnimmt, genießt so einige Vorzüge. Mittlerweile ist fast die Hälfte aller Diabetiker in Deutschland in ein DMP eingeschrieben. Solche Programme, auch "Chroniker-Programme" genannt, gibt es seit 2003 für verschiedene Erkrankungen: etwa für Asthma, koronare Herzerkrankung, Brustkrebs – und für Diabetes mellitus Typ 1 und 2. Eingerichtet wurden die DMPs auf Initiative der Krankenkassen.

Das Ziel: jedem Teilnehmer eine maßgeschneiderte, strukturierte Behandlung zu bieten und die Zusammenarbeit von Hausärzten, Diabetologen und Kliniken zu fördern. Diabetes-Patienten sollen so besser vor Folgeschäden, zum Beispiel an Herz und Nieren, bewahrt werden.

Folgeschäden sind seltener



Mit einer Unterschrift erklärt der Patient seine Teilnahme am DMP

Vor allem in den Anfangsjahren wurden oft Zweifel laut: Ärzte kritisierten überbordende Bürokratie, Patienten fühlten sich durch die Anwerbe-Maßnahmen häufig genötigt – und verstanden auch nicht recht, was ihnen die DMPs bringen sollen. Inzwischen scheint die Akzeptanz deutlich gestiegen. Was sich nicht nur an der gewachsenen Teilnehmerzahl zeigt.

Große Versicherungen wie AOK, DAK und Barmer bewerten die DMPs einhellig als Erfolg: Diabetiker in DMPs gehen häufiger zu Kontrolluntersuchungen, haben bessere Blutzucker- und Blutdruckwerte. Folgekrankheiten sind bei ihnen seltener. Was den Kassen bares Geld spart: Zwar sind die Ausgaben für ambulante Therapien gestiegen. Doch die sinkenden Krankenhauskosten machen das mehr als wett. So errechnete die Barmer eine Ersparnis von durchschnittlich 330 Euro jährlich pro Diabetiker.

Aufwand für den Patienten: Eine Unterschrift



Die Kassen bezahlen für DMP-Teilnehmer die Schulungen

"Für Patienten bedeutet die Einschreibung ins DMP nur eine einmalige Unterschrift", sagt Dr. Gerhard Klausmann, Diabetologe in Aschaffenburg. "Für die Kasse und den Arzt dagegen macht sie einen großen Unterschied." Die Kasse erhält für jeden DMP-Diabetiker monatlich 15 Euro zusätzlich aus dem Gesundheitsfond, aus dem die Beiträge der Versicherten auf die einzelnen Krankenkassen verteilt werden. Dem Arzt werden Diabetes-spezifische Leistungen extra vergütet. Geld, das den Mehraufwand ausgleichen soll und letztlich den betreuten Diabetikern zugute kommt.

DMP-Teilnehmer haben unter anderem Anspruch auf Untersuchungen der Augen und Füße mindestens einmal jährlich. Das gilt zwar auch für Patienten, die nicht teilnehmen. Aber im DMP dokumentiert der Arzt alle Leistungen und Termine, sodass sie nicht vergessen oder verbummelt werden. Einen klaren Vorteil haben DMP-Teilnehmer beim Thema Schulung: "Denn wer nicht eingeschrieben ist, bekommt sie nicht mehr bezahlt", sagt Diabetologe Klausmann.

Teilnahme ist freiwillig

Die Teilnahme am DMP ist freiwillig. Wer möchte, kann jederzeit aussteigen. Oder sich im Falle eines Umzugs abmelden und bei einem neuen Arzt wieder einschreiben. Wer allerdings zwei Quartale lang seine Kontrolltermine nicht wahrnimmt, den schließt die Kasse aus.

In den diabetologischen Schwerpunktpraxen haben sich DMPs laut Klausmann inzwischen fest etabliert. Bei ihm selbst sind alle Patienten eingeschrieben. Was nicht heißt, dass man die Versorgung von Diabetikern nicht noch verbessern könnte. "Die Therapiemöglichkeiten nehmen erfreulicherweise ständig zu – dies muss unbedingt Eingang in die DMPs finden", fordert der Diabetologe.
Derzeit prüft der Gemeinsame Bundesausschuss, ob das DMP für Typ-2-Diabetes erweitert wird – um ein Zusatzmodul "Adipositas" zur Behandlung stark übergewichtiger Diabetiker.

Beispiele dafür, was DMP-Patienten zusteht:

Typ-2-Diabetes

  • Vereinbarung individueller Therapieziele (z. B. HbA1C, Blutdruckwerte) und entsprechende Therapieplanung
  • Teilnahme an Schulung einschließlich Ernährungsberatung und Anleitung zur Blutzucker-, bei Bluthochdruck auch Blutdruck-Selbstkontrolle
  • Test auf Eiweiß im Urin (je nach Bedarf, z. B. einmal jährlich)
  • Jährlich Kontrolle der Nierenfunktion (Serum-Kreatinin-Wert)
  • Mindestens einmal jährlich Untersuchung der Netzhaut
  • Mindestens einmal jährlich Inspektion der Füße, bei erhöhtem Risiko vierteljährlich

Typ-1-Diabetes

  • Vereinbarung individueller Therapieziele (z. B. HbA1C, Blutdruckwerte) und entsprechende Therapieplanung
  • Teilnahme an Schulung (je nach Schulungsstand); bei Bluthochdruck mit Anleitung zur Selbstkontrolle
  • Mindestens einmal jährlich Test auf Eiweiß im Urin; bei mehrfach positivem Nachweis Kontrolle der Nierenfunktion (Serum-Kreatinin-Wert)
  • Ab dem 5. Jahr nach Diagnose jährlich Untersuchung der Netzhaut
  • Mindestens einmal jährlich Inspektion der Füße, bei erhöhtem Risiko vierteljährlich



Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann, W&B/Ojo Images/RYF, W&B/Ute Schmidt

Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber; 18.10.2011
Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann, W&B/Ojo Images/RYF, W&B/Ute Schmidt

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