Allergische Reaktionen auf Insulin sind heutzutage selten. Wenn, dann werden sie meist durch Begleitstoffe ausgelöst und nicht durch das Insulin selbst
Meist Überempfindlichkeitsreaktion oder Fehler bei der Injektion: Wenn an der Injektionsstelle des Insulins eine Hautreaktion auftritt, ist eher selten eine Allergie die Ursache. Häufiger sind Fehler bei der Injektion (z.B. zu flaches Einstechen, Hautdesinfektionsmittel) oder Überempfindlichkeitsreaktionen. Eine Überempfindlichkeit kann relativ einfach nachgewiesen werden. Dabei wird statt Insulin eine kleine Menge Kochsalzlösung injiziert. Führt bereits dies zu einer Hautreaktion mit Rötung, Schwellung und Juckreiz, handelt es sich um eine allgemeine Überempfindlichkeit.
Allergien auf Insulin sind selten
Mit Allergie wird eine durch das Immunsystem ausgelöste Überempfindlichkeitsreaktion auf eine Substanz bezeichnet, die üblicherweise nicht zu Abwehrreaktionen führt. Diese Substanz wird dann als "Allergen" bezeichnet. Unterschieden werden Sofort- und Spätreaktionen.
Allergische Sofortreaktion:
Bei der Sofortreaktion kommt es innerhalb von Minuten im Bereich der Injektionsstelle zu Symptomen wie Juckreiz, Rötung, Schwellung oder seltener auch Schmerz. Bis die Symptome voll ausgebildet sind, kann es bis zu zwei Stunden dauern. Nach einigen Tagen bilden sie sich zurück, innerhalb von Wochen unterbleiben derartige Reaktionen meist ganz.
Sehr selten, aber lebensgefährlich, sind "generalisierte" allergische Reaktionen. Generalisiert heißt, dass sich die Allergie auf den ganzen Körper ausbreitet, was sich anfangs oft mit stark juckenden Quaddeln bemerkbar macht, die sich rasch ausbreiten ("Nesselsucht", Urtikaria) kann und mit Atemnot und Kreislaufbeschwerden bis hin zum Kreislaufschock einhergeht. Bei Hinweisen auf eine generalisierte Reaktion muss sofort der Notarzt (112) verständigt werden.
Allergische Spätreaktion:
Bei der Spätreaktion bildet sich etwa einen Tag nach der Injektion eine rötliche Schwellung mit einem Durchmesser von mehreren Zentimetern. Sie kann jucken oder schmerzen, wird während der folgenden Tage größer und bildet sich dann langsam zurück. In sehr seltenen Fällen ist auch hier eine generalisierte Reaktion mit Nesselsucht und Kreislaufschock möglich. Auch wenn die Symptome meist weniger bedrohlich sind als bei einer Sofortreaktion, sollte ebenfalls sofort der Arzt verständigt werden.
Auslöser ist meist nicht das Insulin selbst, sondern ein Begleitstoff
Auslöser einer allergischen Reaktion nach einer Insulininjektion kann entweder das reine Insulinmolekül sein oder – sehr viel häufiger – einer der Begleitstoffe in der Insulinlösung.
Zu Beginn der Insulin-Ära, als es ausschließlich tierisches Insulin (Schweineinsulin, Rinderinsulin) gab, waren allergische Reaktionen nicht selten. Das aus den Bauchspeicheldrüsen von Schlachttieren gewonnene Insulin unterschied sich zwar nur geringfügig vom menschlichen Insulin (Humaninsulin). Trotzdem wurde es manchmal vom Immunsystem angegriffen. Hinzu kam, dass die Insulinpräparate mehr oder weniger stark verunreinigt waren: So konnten beispielsweise Zell- und Gewebereste der Bauchspeicheldrüse Abwehrreaktionen auslösen, wobei es sich in der Regel nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeitsreaktion handelte.
Alternative bei Allergie: Insulinpumpe
Als in den achtziger Jahren hochgereinigte Insulinpräparate auf den Markt kamen, war zumindest dieses Problem gelöst. Und seitdem Human- und gentechnisch hergestellte Analoginsuline die tierischen Insuline verdrängt haben, sind allergische Reaktionen auf Insulin zu einer Rarität geworden.
Allergien wurden und werden dagegen vor allem durch die in der Insulinlösung enthaltenen Verzögerungssubstanzen, Stabilisatoren und antibakteriellen Mittel ausgelöst. Ein häufiger Auslöser war beispielsweise die Verzögerungssubstanz Surfen in Depotinsulinen, seltener auch die zur Verzögerung der Insulinwirkung verwendeten Zinkverbindungen.
Heute ist als Verzögerungssubstanz nur noch das Protamin in NPH-Insulinen (Neutrales Protamin-Hagedorn) in Gebrauch. Protamin ist eine Eiweißsubstanz, die gewöhnlich gut vertragen wird. Trotzdem kann es zu allergischen Reaktionen kommen, die teilweise heftig und generalisiert verlaufen. Wird Protamin nicht vertragen, kann auf ein langwirkendes Analoginsuline gewechselt werden. Eine weitere Alternative ist die Insulinpumpenbehandlung, für die nur schnell wirkendes Insulin benötigt wird.
Allergietest
Wenn der Verdacht auf eine allergische Reaktion besteht, kann eine Allergietestung durchgeführt werden. Dabei werden die infrage kommenden Substanzen auf die Haut aufgetragen oder injiziert. Falls sie für die Symptome verantwortlich sind, verursachen sie, oft schon nach wenigen Minuten, manchmal aber auch erst nach Stunden, eine lokale Hautreaktion – meist eine Quaddel mit Rötung.
Ist die allergieauslösende Substanz erkannt, wird zukünftig ein Insulin ohne diesen Begleitstoff eingesetzt. Tritt die Allergie weiterhin auf, bleibt die Möglichkeit einer Desensibilisierung, wie sie auch bei einer Pollenallergie durchgeführt wird.
www.diabetes-ratgeber.net;
05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Bildnachweis: W&B/Insuman
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