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Porträt:
Arne Sinnwell ist Regisseur und Diabetiker

Arne Sinnwell hat einen ungewöhnlichen Alltag. Nicht immer ganz einfach, den mit seinem Diabetes unter einen Hut zu bringen

Arne Sinnwell

Die Dreharbeiten für "Willi und die Wunder dieser Welt" führten Arne Sinnwell (36) und seine Crew rund um den Globus

Rushhour in Tokio. Mitten im dichten Gewühl: ein unscheinbarer Kleinwagen. Darin fünf Menschen. Zwei vorne, zwei hinten – und einer im Kofferraum. Eingequetscht wie eine Ölsardine kauert der Zwei-Meter-Hüne vor einem kleinen Monitor, auf dem er konzentriert das Geschehen im Wageninneren verfolgt. Klingt nach James Bond – und hat tatsächlich was mit Kino zu tun. Denn der Mann im Kofferraum ist Regisseur Arne Sinnwell, der mit seinem Team gerade den Film „Willi und die Wunder dieser Welt“ dreht.

Auf dem Monitor kontrolliert er, wie Kamera- und Tonmann die Darsteller auf den Vordersitzen in Szene setzen. Arne Sinnwell schmunzelt, als er sich an die Fahrt im Kofferraum erinnert. Er gibt aber unumwunden zu: „Die Dreharbeiten zum ‚Willi‘-Kinofilm waren für alle Beteiligten auch ganz schön stressig!“


Was es für Regisseur Sinnwell nicht gerade leichter macht: Er hat seit über 20 Jahren Typ-1-Diabetes. 14 war er, als die Diagnose gestellt wurde. „Aus heiterem Himmel. Und dann auch noch mitten in der Pubertät!“ Mit Grausen erinnert sich Arne Sinnwell zum Beispiel an die Diätkuchen, die für ihn gebacken wurden, wenn ein Geburtstag zu feiern war. „Denn damals hieß es ja noch: Zucker ist für Diabetiker tabu!“

Keine schöne Zeit – und auch heute noch empfindet der 36-Jährige seinen Diabetes als „schwerwiegenden Eingriff ins Leben“. Selbst wenn er inzwischen gelernt hat, gut damit zu leben. Und auch mit Situationen fertig wird, die jeden „normalen“ Menschen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen würden.

 

Zum Beispiel, wenn er beim Dreh in den Baumkronen des australischen Regenwalds einen ganzen Tag ohne Pause durchackern muss, weil Reporter Willi einem Ameisenforscher über die Schultern schauen will. Oder sich, kurz nach der Landung in Tokio, den Jetlag in den Knochen, in einen Kofferraum zwängt, um für perfekte Filmbilder zu sorgen. Da kommt es einem schon entgegen, wenn der Beruf nicht nur Job ist, sondern Leidenschaft. So wie bei Arne Sinnwell.

Nach der Schule studierte der gebürtige Sauerländer Medientechnik in Stuttgart, arbeitete zunächst als Cutter (unter anderem war er für den Schnitt von Doris Dörries „Erleuchtung garantiert“ mitverantwortlich) und wechselte einige Jahre später auf den Regiestuhl.

Seit vier Jahren dreht Arne Sinnwell für eine Münchner Produktionsfirma die Doku-Serie „Willi will’s wissen“, die regelmäßig im Kinderkanal KI.KA und den Regionalsendern der ARD ausgestrahlt wird. Star der Serie ist Reporter Willi, gespielt von Willi Weitzel, der den jungen Zuschauern Einblicke in den Berufsalltag der unterschiedlichsten Menschen gibt, sie aber auch an schwierige und sensible Themen wie Krankheit und Tod heranführt. Ein besonderes Anliegen von Regisseur Arne Sinnwell, der keine reine „Gute-Laune-Sendung“ machen will. Dass das Konzept aufgeht, zeigen der Erfolg der Serie und nicht zuletzt die zahlreichen Medienpreise – zuletzt der HEUREKA-Journalistenpreis 2007 für die Folge „Was geht im Rollstuhl?“.

Aus seinem Diabetes macht Arne Sinnwell kein Geheimnis. Auch seine Kollegen sind eingeweiht, schon aus ganz pragmatischen Gründen: Wenn das Team für Dreharbeiten auf Reisen geht, wie zuletzt für den Willi-Kinofilm, verteilt Arne Sinnwell seine Utensilien auch auf das Gepäck seiner Mitreisenden. Er hat, vom Messgerät bis zur Insulinpumpe, aus Sicherheitsgründen alles in mehrfacher Ausfertigung dabei. „Denn man weiß ja nie, ob der Koffer in derselben Stadt ankommt, wie man selbst!“, sagt er.

Und wie es aussieht, wird Arne Sinnwell seine Koffer noch oft packen müssen. Denn Produzent Fidelis Mager ist sich sicher: „Wir werden noch viele gemeinsame Filme realisieren – fürs Fernsehen und fürs Kino!“



Dr. Martina Melzer, Diabetiker Ratgeber / GesundheitPro; 05.05.2009, aktualisiert am 26.06.2010
W&B/Bernhard Huber

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