Wenn Unterzucker sich mal nicht vermeiden lässt, gibt es gute Gegenmittel – für Kinder wie Erwachsene
Auch manche Erwachsenen mit Diabetes Typ 1 empfinden Traubenzuckertäfelchen als „ekelhaft süß“ und lehnen sie als Gegenmittel im Unterzucker ab. Das ist bei einschlägigen Zuckergels kaum besser. Eine Alternative können Traubenzuckertabletten mit Fruchtgeschmack sein, bei denen intensive Fruchtaromen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen die unangenehme Süße unterdrücken. Es gibt sie, wie auch die Zuckergels, in Apotheken, eine Tablette enthält etwa 3 Gramm Traubenzucker. Einzeln verpackt oder als Rolle lassen sie sich gut in die Hosentasche stecken.
Im Unterzucker gut geeignet sind normale Limonaden und Colagetränke, sie können aber nicht so einfach und unauffällig mitgenommen werden. Fruchtsäfte im Tetrapak zu 200 Milliliter passen schon besser in den Schulranzen oder die Sporttasche. Aber für Kinder, die mal schnell aus dem Haus gehen, um draußen zu spielen oder einen Freund zu besuchen, werden Kohlenhydrate benötigt, die vom Aufstehen bis zur Nachtruhe ständig griffbereit am Körper sind, schnell den Blutzucker anheben und flugs ausgepackt werden können. Wenn die eigentlich ideal geeigneten Traubenzuckertäfelchen bei manchen Kindern Widerwillen auslösen und auch die Tabletten mit Fruchtgeschmack nicht akzeptiert werden, dann bleibt noch eine gut schmeckende Alternative.
Alle Kinder, die meisten Jugendlichen und auch viele Erwachsene lieben Gummibärchen und vergleichbare Produkte wie Weingummi oder Gummitiere. Es gibt ein Riesenangebot zahlreicher Hersteller, allen Produkten gemeinsam ist der hohe Anteil von etwa 75 bis 80 Prozent Glukosesirup – die genaue Angabe finden Sie auf der Verpackung. Auch wenn Glukosesirup nicht ganz so schnell wirkt wie reine Glukose, sind Gummibärchen und Co sehr gut geeignet, eine Unterzuckerung aufzufangen. Rund 15 Gramm entsprechen einer Broteinheit (BE) / Kohlenhydrateinheit (KE). Die drei- oder vierfache Menge als Notvorrat, abgepackt in einem mit Gummiband oder Clip verschlossenen Frühstücksbeutel, lässt sich leicht in der Hosentasche oder einem Brustbeutel unterbringen.
Was so gut schmeckt, verführt natürlich zum Naschen. Auch bei sehr gewissenhaften Kindern kann das ab und zu vorkommen, vor allem, wenn der Gummibärchenvorrat noch den Reiz des Neuen hat. Aber das sollte nie zu Vorwürfen führen. Viel wichtiger ist, dass die Eltern mit ihrem Kind darüber sprechen und darauf hinweisen, dass es sehr gefährlich werden kann, wenn vom Vorrat genascht wird, dann aber bei einer Unterzuckerung der Beutel leer ist.
Wenn Kinder in die Schule und zum Sport gehen, haben sie in der Regel ihr Blutzuckertestgerät dabei. Es hat sich sehr bewährt, wenn die Eltern täglich zu einer festen Zeit gemeinsam mit ihnen den Speicher des Blutzuckertestgerätes auslesen, um dann Werte, Broteinheiten (BE) / Kohlenhydrateinheiten (KE), Sport und Besonderheiten ins Stoffwechselprotokoll einzutragen. So lassen sich Kinder an der Stoffwechselführung beteiligen, und mit der Zeit werden sie die Zusammenhänge begreifen. Genauso routinemäßig sollten die Eltern ihr Kind auch nach eventuellen Unterzuckerungen fragen, sich von ihm erzählen lassen, wie es darauf reagiert hat und nicht vergessen, richtiges Verhalten zu loben. Anschließend sollte der Notvorrat überprüft werden, um ihn gegebenenfalls aufzufüllen oder verklebte Gummibärchen auszutauschen. So werden die Kinder schnell begreifen, wie wichtig es ihren Eltern ist, dass sie sich selbst bei einer Unterzuckerung helfen können. Und bevor sie die Gefahr einer unbehandelten Hypoglykämie verstehen können, wird den Eltern zuliebe das Naschen vom Notvorrat unterbleiben.
Dr. med. Bernd Regling, Diplom-Psychologe und Diabetologe (DDG), Experte der "Sprechstunde Diabetes", in der Sie interessante Fragen, Antworten und Tipps finden, speziell auch zu Diabetes Typ 1
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08.12.2009, aktualisiert am 25.06.2010
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