Schonend und sachgerecht ist es, wenn Sie Einmalspritzen und Kanülen für Insulinpens wie auch Lanzetten für Stechhilfen als das benutzen, was sie sind, nämlich Einmalartikel. Schonend und sachgerecht ist es zudem, wenn Sie die Stellen für Blutabnahmen wie auch Injektionen konsequent wechseln, um eine – wenn auch geringe - Verletzung immer am selben Ort zu vermeiden. So können Sie der Hornhautbildung an den Fingerkuppen und Spritzhügeln vorbeugen. Spritzhügel (Wucherungen des Fettgewebes) sehen nicht nur unschön aus, sie können die Verteilung des gespritzten Insulins auch ganz erheblich beeinträchtigen.
Nur bei Einmalverwendung ist gewährleistet, das Lanzetten und Kanülen mühelos die Haut durchstoßen und ins Gewebe dringen. Bei Mehrfachverwendung muss mit Verformungen an der Spitze gerechnet werden, die sich biegen, abstumpfen oder splittern kann. Ein nahezu schmerzfreier Einstich ist dann kaum noch möglich, aus dem Hineingleiten in die Haut wird eine kleine Verletzung. Bei Kanülen geht zudem die Silikongleitschicht verloren, der Einstich erfordert mehr Kraft, es muss mehr Druck auf das Gewebe ausgeübt werden.
Benutzen Sie eine Stechhilfe mit einstellbarer Einstichtiefe und ein Blutzuckertestgerät, das eine möglichst geringe Blutmenge benötigt, dann reicht ein minimaler Einstich zur Blutgewinnung. Mit solchen Testgeräten können Sie unter bestimmten Bedingungen auch auf alternative Teststellen wie Handballen und Unterarm ausweichen. Für manche Stechhilfen gibt es spezielle Vorsätze, die die Blutgewinnung an diesen Teststellen erleichtern. Es gibt auch eine Vakuumstechhilfe, die die Blutabnahme an alternativen Stellen erleichtert: Sie saugt mit Unterdruck Blut aus dem Stichkanal, bis der Tropfen die erforderliche Größe hat. Mit etwas Geschicklichkeit und Hilfe eines Spiegels können Sie ab und zu auch die Ohrläppchen nutzen, um die empfindlichen Finger zu schonen. Nur sollte man am Ohr nicht zu oft testen und möglichst nicht drücken, weil es sich sonst bläulich verfärbt.
Stechen Sie nicht in die Mitte der Fingerkuppe. Sie ist besonders empfindlich. Seitlich an der Fingerspitze sind weniger Nerven, hier spüren Sie den Piks nicht so sehr. Verteilen Sie die Einstiche gleichmäßig auf die Finger beider Hände, lassen Sie aber die bei Arbeit und im Alltag am meisten strapazierten Daumen und Zeigefinger aus. Sinnvoll ist es, an geraden Tagen die Finger einer Hand, an ungeraden Tagen die der anderen Hand zum Testen zu nehmen. Und legen Sie auch die Reihenfolge fest, zum Beispiel zuerst Mittelfinger seitlich rechts, dann seitlich links. Als nächstes kommt der Ringfinger dran, erst rechte Seite, dann linke Seite, schließlich der kleine Finger. So vermeiden Sie, dass sich an einem immer wieder benutzten Finger eine Hornhautplatte bildet, die kaum noch zu durchstechen ist.
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder dem Diabetesteam, welche Kanülenlänge für Sie richtig ist, damit Sie nicht den Muskel treffen oder zu flach spritzen. Beides ist mit Verletzungen verbunden und beeinflusst die Insulinwirkung. Häufiges Spritzen in dieselbe Stelle schädigt das Gewebe, führt zur Narbenbildung, Spritzhügeln (siehe oben) und beeinflusst die Verteilung des injizierten Insulins. Spritzen Sie deshalb gezielt, wobei ein Abstand von etwa 2 cm zum letzten Einstich eingehalten werden sollte. Machen Sie sich dazu einen Plan für Hautareale, von denen sich das Insulin schnell verteilt (Oberbauch und Hüfte). Hier spritzen Sie Ihr Insulin zu den Mahlzeiten. Eine grobe Skizze mit Feldern, die Sie nach der Injektion abhaken, ist eine gute Hilfe, bis der Wechsel der Spritzstellen Routine geworden ist. Einen weiteren Plan benötigen Sie für Spritzbereiche mit langsamer Verteilung (Gesäß, Oberschenkel) für die Injektion des Verzögerungsinsulins.
Manche Diabetologen empfehlen, die Injektionsareale einmal täglich nach einer Injektion mit einer Salbe einzureiben, wie sie bei Prellungen und Verstauchungen eingesetzt wird. Das steigert die Durchblutung und mag zur Pflege der strapazierten Haut beitragen. Viel mehr bringen aber der konsequente Einmalgebrauch von Kanülen und Lanzetten sowie regelmäßiges Wechseln der Spritzstellen.
Dr. Bernd Regling, Diplom-Psychologe und Diabetologe (DDG), Experte der "Sprechstunde Diabetes", in der Sie interessante Fragen, Antworten und Tipps finden, speziell auch zu Diabetes Typ 1.
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17.02.2009, aktualisiert am 26.06.2010
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