Dr. Andreas Thomas, wissenschaftlicher Leiter des Geschäftsbereichs Diabetes bei Medtronic, analysiert Messwert-Kurven eines Sensors
Herr Dr. Thomas, der Traum vieler Diabetiker ist eine Insulinpumpe, die selbstständig den Zucker misst und Insulin abgibt …
Das ist im Moment wirklich nur ein Traum. Was es bereits gibt, ist die Sensor-unterstützte Pumpe: Ein Sensor im Unterhautfettgewebe misst alle fünf Minuten den Zucker in der Gewebsflüssigkeit und funkt das Ergebnis an die Pumpe. Sie zeigt den Wert an und schlägt Alarm, wenn er zu hoch oder zu tief ist.
Und passt automatisch die Insulindosis an?
Nein. Das muss der Diabetiker selbst tun, vorher aber zur Sicherheit noch den Blutzucker messen.
Warum denn?
Der Zuckergehalt im Gewebe entspricht nicht genau dem im Blut. Er reagiert zeitlich verzögert auf Veränderungen, etwa durch Essen oder Bewegung.
Was nützt die Sensor-unterstützte Pumpe dann überhaupt?
Dank der häufigen Messungen lernt man seinen Zuckerverlauf genauer kennen und kann die Insulindosis besser abstimmen. Dadurch werden Unterzuckerungen und Zuckerschwankungen seltener und die Werte insgesamt besser.
Viele haben Angst vor Unterzuckerungen im Schlaf. Könnte ihnen dieses System helfen?
Ja, weil die Pumpe bei Unterzucker Laut gibt. Allerdings kann es sein, dass der Schläfer davon nicht aufwacht. Deshalb haben wir ein Modell entwickelt, das die Insulinversorgung unterbricht, wenn das Warnsignal unbeachtet bleibt, und sie nach zwei Stunden von selbst wieder aufnimmt.
Kann man dieses neue Pumpensystem bereits kaufen?
In Großbritannien ist es seit Kurzem erhältlich. Bei uns wird es spätestens Anfang 2010 im Handel sein.
Wird es von den Krankenkassen bezahlt?
Die Kosten für eine Insulinpumpe werden nur auf ärztlichen Antrag und in begründeten Fällen übernommen. Ob die Kassen künftig für das ganze System aus Pumpe, Sensor und Funkverbindung aufkommen, muss erst noch verhandelt werden.
Fortschritte gibt es also schon. Aber wann kommt die vollautomatische Pumpe?
Das wird noch einige Zeit dauern. Unser nächstes Ziel ist ein System, bei dem der Diabetiker die Pumpe mit Informationen über den Kohlenhydratgehalt seiner Mahlzeiten und seine körperlichen Aktivitäten füttert. Daraus soll die Pumpe berechnen, wie viel Insulin erforderlich ist, damit der Zucker im Normbereich bleibt – und diese Dosis dann selbst abgeben.
Klicken Sie auf das Lupensymbol, um die Grafik von der Sensor-unterstützten Pumpe vollständig anzuzeigen.
Daniela Pichleritsch / Diabetes Ratgeber;
15.12.2009, aktualisiert am 14.12.2011
Bildnachweis: W&B/Norbert Michalke, W&B/Martina Ibelherr
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