Barfuß? Bei Diabetes besser verzichten

Für Menschen mit der Zuckerkrankheit kann barfuß laufen riskant sein. Was ein Fußexperte rät
von Stephan Soutschek, 20.07.2016

Schuhlos im Freien: Das kann bei Diabetes gefährlich werden

Fotolia/N Media Images

An einem Sommermorgen auf bloßen Sohlen über eine Wiese laufen und dabei das Gras an den Füßen spüren. Für viele Menschen ist das der Inbegriff von Sommer. Doch bei Diabetes kann es ratsam sein, darauf zu verzichten. "Barfußlaufen ist bei der Zuckerkrankheit immer mit einem Risiko verbunden", sagt Professor Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart.

Schmerzempfinden kann gestört sein

Das liegt daran, dass erhöhte Blutzuckerwerte auf Dauer die Nerven an den Füßen und anderen Körperregionen beeinträchtigen. Ärzte bezeichnen solche Nervenschäden als diabetische Neuropathie.

"Fällt der Schmerzreiz weg, bemerken Patienten oft nicht, wenn sie barfuß zum Beispiel auf einen spitzen Stein treten und sich eine Verletzung zuziehen", sagt Lobmann, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Diabetischer Fuß" der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist. Da das Immunsystem bei Diabetes oft beeinträchtigt ist, können aus kleinen Wunden schnell tiefe und entzündete Geschwüre entstehen. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation.

Barfuß bei Nervenstörung tabu

Patienten mit bekanntem Nervenschaden rät Lobman dringend davon ab, auf blanken Sohlen umherzulaufen. Und zwar nicht nur im Freien, sondern auch in den eigenen vier Wänden. Das Risiko für Verletzungen ist hier zwar geringer, aber dennoch vorhanden.

Für alle anderen, bei denen noch keine Neuropathie besteht, ist Barfußlaufen zwar nicht pauschal tabu. Dennoch sollten sie nach Möglichkeit darauf verzichten und wenn, dann vorsichtig sein. Nervenschäden entstehen häufig nach und nach über einen längeren Zeitraum, ohne dass Betroffene etwas davon bemerken. So kann längst eine Empfindungsstörung vorliegen, während man sich noch in Sicherheit wiegt.

Füße auf Veränderungen untersuchen

"Nach dem Barfußlaufen auf jeden Fall die Füße auf mögliche Verletzungen oder Risse kontrollieren", sagt Lobmann. Wer weniger beweglich ist, kann sich mit einem Spiegel behelfen. Selbst kleinste Wunden dann sorgfältig behandeln: desinfizieren, mit einem Pflaster versorgen und so schnell wie möglich von einem Arzt untersuchen lassen.

Vorsichtig in der Wohnung barfuß zu gehen kann dazu beitragen, die Durchblutung der Füße zu verbessern und damit Wunden an den Extremitäten vorzubeugen. Voraussetzung ist aber, dass noch keine Nervenschäden bestehen. Eine weitere gute Vorsorge-Übung: "Versuchen Sie, mit den Zehen einen Stift vom Boden aufzuheben", sagt Lobmann. Das trainiert die Reizempfindlichkeit der Nerven an den Füßen.

Sandalen? Besser geschlossene Schuhe

Sandalen und andere offene Sommerschuhe sind bei Diabetes ebenfalls nicht empfehlenswert. Zum einen gerät leicht ein Steinchen zwischen Fuß und Sohle. Außerdem können die Schuhe scheuern, wenn sie schlecht sitzen. Menschen mit der Zuckerkrankheit tragen deswegen am besten auch im Sommer geschlossenes, gut sitzendes Schuhwerk. Wer Nervenschäden oder einen diabetischen Fuß hat, sollte sich vor dem Schuhkauf von seinem Arzt beraten lassen.

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