Fußamputationen: Zweitmeinung gefordert

Zu vielen Menschen mit Diabetes werden die Füße amputiert. Dabei sind viele solcher Operationen unnötig, schätzen Experten der DDG

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 29.02.2016

Gesunde Füße: Leichte Verletzungen können bei Diabetes schnell gefährlich werden

Shotshop/Brigitte G.

Bei etwa 50.000 Operationen im Jahr wird einem Diabetespatienten ein Fuß amputiert, rechnet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) vor. Damit erfolgen insgesamt zwei Drittel aller Amputationen in Deutschland bei Menschen mit Diabetes.

Jeder dieser Einzelfälle ist einer zu viel. Aber auch international ist diese Zahl zu hoch, sagt Professor Ralf Lobmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG. "Viele Patienten mit schlecht heilenden chronischen Fußwunden kommen zu spät in spezialisierte Zentren", nennt Lobmann als einen der Gründe.


Spezial-Zentren können Füße retten

Der diabetische Fuß ist eine komplexe Erkrankung, bei dem einfache Wunden oft schwere Entzündungen und Geschwüre nach sich ziehen können. Deshalb ist hier die Einschätzung von verschiedenen Experten wie Diabetologen, Podologen und Gefäßchirurgen wichtig. Diese medizinische Rundum-Betreuung ist am besten in Schwerpunktpraxen und in Spezialzentren von Kliniken gegeben.

Laut Lobmann liegt in diesen Einrichtungen die Wahrscheinlichkeit, bei einer schweren Wunde den Fuß zu verlieren, nur bei 3,1 Prozent; in der allgemeinen Versorgung liegt sie dagegen bei zehn bis 20 Prozent.

"Daher fordern wir vor einer Amputation das obligatorische Einholen einer qualifizierten Zweitmeinung", sagt Lobmann. Entsprechende Regelungen gebe es etwa in den Niederlanden, wo nach fünf Wochen eine Spezial-Einrichtung die Betreuung von Patienten mit schlecht heilenden Verletzungen übernehmen muss.

Wundversorgung ist aufwendig

Die Versorgungslandschaft ist nach Ansicht der DDG aber nur ein Teil des Problems. Der zweite Grund dafür, warum in Deutschland zu häufig zum Messer gegriffen wird, seien finanzielle Fehlanreize. Behandlungen, um den Fuß trotz schwerer Wunden zu retten, sind im Vergleich zu einer Amputation zeit- und kostenintensiv. "Dieser Aufwand bildet sich in der Vergütung bisher nicht ab", sagt DDG-Präsident Professor Baptist Gallwitz. "Wir schlagen daher einen Bonus für die Rettung des Fußes vor."

Menschen mit der Zuckerkrankheit sollten täglich ihre Füße pflegen und auf Verletzungen absuchen, um das Risiko schwerer Folgen zu verringern. Wie sie dabei am besten vorgehen, zeigt unser Video. Außerdem sollten Betroffene auch kleine Wunden nach Möglichkeit von einem Arzt untersuchen lassen.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft



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