Gesunde Füße bei Diabetes

Nerven- und Durchblutungsstörungen gefährden die Füße von Menschen mit Diabetes. Hier erfahren Sie, wie Sie vorbeugen
von Cornelia Menner, aktualisiert am 11.05.2017

Es lohnt sich, den Füßen mehr Aufmerksamkeit zu widmen

W&B/Marina Friedrich

Babys lieben ihre Füßchen. Spielen mit den Zehen, ziehen daran, stecken sie in den Mund. Und tun damit genau das Richtige für ihre motorische und geistige Entwicklung. Die Füßchen sind aber auch zum Verlieben: so knubbelig, winzig und streichelweich.

Die wenigsten mögen ihre Füße

Doch wir werden größer, und unsere Einstellung zu den Füßen ändert sich: Spätestens wenn wir auf beiden Beinen stabil durchs Leben laufen, schwindet das Inte­resse an ihnen.


Das hat nicht so sehr damit zu tun, dass wir weniger beweglich werden, und sowieso hätten die meisten von uns Probleme, die Füße Richtung Mund zu schieben. Wir wollen das auch gar nicht. Denn schön finden nur die wenigsten ihre eigenen Füße – und die der anderen. Das ist auch bei berühmten Menschen nicht anders: In der britischen Zeitung Daily Mail mussten sich selbst Schönheiten wie Schauspielerin Gwyneth Paltrow oder Model Jerry Hall wegen ihrer "Riesenfüße" hänseln lassen.

Die Füße tragen uns durchs Leben

Setzen die armen Extremitäten dann auch noch Hornhaut an, ist es ganz aus mit der Liebe. Da verstecken wir sie doch lieber in Socken und Schuhen – aus den Augen, aus dem Sinn. Tatsächlich ist dieses Schattendasein mehr als ungerechtfertigt. Als unsere Vorfahren vor Millionen Jahren den Vierfußgang gegen den deutlich labileren Zweifußgang eintauschten, hatte das zwar Vorteile: Der Mensch konnte erhobenen Hauptes durch die Welt gehen, bekam die Hände frei zur Nahrungsbeschaffung. Die Füße aber waren erst mal im Nachteil: relativ kleine Plattformen im Vergleich zum Rest des Körpers, plötzlich belastet mit dem Gesamtgewicht. Im Laufe der Evolution liefen sie zur Höchstform auf – und sind heute perfekt ausgestattet.

Füße pflegen, Folgeschäden vermeiden

Grund genug, den Füßen Gutes zu tun. Zumal wenn Diabetes die Nerven geschädigt hat. Dadurch können Schmerz- und Temperaturreize nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Unter solchen Neuropathien leiden auch Menschen, die noch nichts von der Diagnose Diabetes wissen. Dr. Dirk Hochlenert, Diabetologe in Köln, weiß: "Manchmal findet man bei Patienten mit Fußwunden quasi zufällig den Diabetes." Spätestens dann solle man in Sachen Füße aktiv werden. "Das Wichtigste ist, sie jeden Abend zu inspizieren", sagt Hochlenert. Auch sonst kann man einiges tun, um Folgekomplikationen zu vermeiden.


Warum es wichtig ist, die Füße zu verwöhnen

"Gepflegte Füße sind gerade bei Diabetes wichtig", sagt Professor Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart. "Optimal ist eine harnstoffhaltige Creme, die Sie gut einmassieren. Stößt man sich etwa an einer Stuhlkante, passiert bei gepflegter Haut viel weniger als bei trockener, spröder, die schnell aufplatzt." Nutzen Sie das Eincremritual für eine kurze Inspektion. Fallen Ihnen Veränderungen an den Füßen auf, zeigen Sie diese sofort dem Arzt – vor allem wenn schon Nerven- oder Durchblutungsprobleme bestehen.


Achtsamkeit für die Füße

Sich hingebungsvoll auf die Füße zu konzentrieren tut gut. Und sorgt dafür, ein besseres Gefühl für sie zu bekommen. Hier die Genuss­version der Fußkontrolle – und etwas Training für die Muskeln dazu.


W&B/Jörg Neisel

1. Los geht es gleich morgens: Nach dem Aufwachen, im Liegen oder Sitzen, Füße heranziehen, genau betrachten und befühlen. Am Fußrücken starten, über die Zehen wandern, weiter zur Sohle und zur Ferse. Wie fühlt sich die Haut an? Wie sieht sie aus? Die Form der Zehen behutsam mit den Fingern abfahren.


W&B/Jörg Neisel

2. Jetzt aufsetzen und die Füße im Bett aufstellen. Langsam die Fersen heben, so hoch es geht, und ein paar Atemzüge lang halten. Spüren, wie sich die Wadenmuskeln anspannen. Ebenso langsam sinken lassen. Zehnmal mit beiden Fersen, dann zehnmal abwechselnd.


W&B/Jörg Neisel

3. Zehen nach oben ziehen, Fersen nach unten drücken. Zehen langsam wieder senken. Zehnmal mit beiden Füßen, zehnmal abwechselnd.


W&B/Jörg Neisel

4. Füße aufstellen und die Zehen spreizen. Stellen Sie sich vor, Sie spielen Klavier mit Ihren Zehen. Die große Zehe dabei ganz bewusst nach außen ziehen, das beugt auch gleich Fehlstellungen vor.


So checken Sie Ihre Füße

Sehen Sie Druckstellen, eine beginnende Blase, eine Rötung, oder haben Sie ein ungewohntes Hitzeempfinden? Inspizieren Sie täglich auch die Zehenzwischenräume und die Fußsohle – etwa mithilfe eines Handspiegels (gibt es auch mit Teleskopgriff und Vergrößerungsglas). Zeigen Sie Auffälligkeiten Ihrem Arzt, da sich auch kleinste Wunden rasch vergrößern können, wenn Diabetes die Empfindungsnerven und Blutgefäße geschädigt hat.


Füsse

Die richtige Fußpflege bei Diabetes »

Hier lesen Sie Schritt für Schritt, worauf es bei der Fußpflege ankommt »

Was der Profi besser macht

Fußpflege beim Podologen hat viele Vorteile: Die Profis helfen bei der Fußpflege, vor allem wenn man sich selbst schwertut, und bei kleineren Problemen. "Diabetikerfüße brauchen einen versierten Experten", betont Monika Kirschke-Przemus, Erste Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD), Landesverband Niedersachsen und Bremen e. V. "Medizinischer Fußpfleger" oder "Podologe" ist eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. "Medizinische Fußpflege", etwa auf einem Praxisschild, sagt dagegen nichts über die Qualifikation des Behandlers. Podologen haben eine mehrjährige Ausbildung.


Das erwartet Sie, wenn Sie zum Podologen gehen

  • Anamnese-Bogen, bei dem Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Allergien etc. abgefragt werden­­
  • Sicht- und Tastkontrolle
  • Kürzen der Nägel: Dabei prüft der Podologe zum Beispiel, ob die Nägel zum Einwachsen neigen oder ob sich Verhornungen am Fuß gebildet haben
  • Inspizieren der Zehen und Zehenzwischenräume auf Druckstellen, Hühneraugen, Blasen etc. 
  • Abtragen der Hornhaut: "Nur das muss weg, was wirklich zu viel ist", betont Monika Kirschke-Przemus
  • Verweis an den Arzt: "Bei Blasen oder eingewachsenen Nägeln übernimmt der Podologe die Erstversorgung und verweist dann zum Arzt", sagt die Expertin. "Liegen Entzündungen vor, schickt er Sie ebenfalls zum Arzt"
  • Kosten: Wurde ein diabetisches ­Fußsyndrom mit Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen dia­gnostiziert, übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wenn der Arzt ein Rezept ausstellt. Wer selbst zahlt, ist mit ca. 40 Euro dabei


Lesen Sie auch:

Schuhe kaufen

Diabetes: Die richtigen Schuhe finden »

Die passenden Schuhe beugen bei Diabetes Fußproblemen vor. Worauf Sie beim Kauf achten sollten  »

ReadSpeaker

So lassen Sie sich unsere Artikel vorlesen  »

Newsletter: Grüne Taste

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages