Ernährung bei Diabetes

Verzicht muss nicht sein: Menschen mit der Zuckerkrankheit Diabetes dürfen praktisch alles essen. Die wichtigsten Tipps im Überblick

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 25.02.2016

Genuss und Diabetes – das ist kein Widerspruch!

iStock/skynesher

Die Ernährung ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung eines Typ-2-Diabetes. Patienten können mit dem, was sie Tag für Tag zu sich nehmen, entscheidend mitwirken, um Blutzuckerspitzen nach dem Essen zu vermeiden und langfristig die Werte zu bessern. Mit einer gesunden Ernährung kann sich, vor allem in Kombination mit ausreichend Bewegung, oft die Insulinresistenz wieder bessern, die der Krankheit zugrunde liegt.


Bei einem Typ-1-Diabetes kann die richtige Ernährung dagegen nicht zur Besserung der Krankheit beitragen. Betroffene müssen aber wissen, wie viele Kohlenhydrate im Essen stecken, damit sie die passende Menge an Insulin spritzen (siehe unten) und Unterzuckerungen oder zu hohe Werte vermeiden können. Das Gleiche gilt für alle Menschen mit Typ-2-Diabetes, die auf Insulin angewiesen sind.


Keine Verbote bei Diabetes

Zur richtigen Ernährung bei Diabetes halten sich viele Vorurteile hartnäckig. Die wichtigste Nachricht deshalb zuerst: Menschen mit Diabetes können prinzipiell alles essen. Zucker ist nicht tabu, auch spezielle Lebensmittel sind nicht nötig. Das frühere Etikett "Für Diabetiker geeignet" auf Lebensmittelpackungen gibt es nicht mehr. Für Patienten gelten im Großen und Ganzen die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für Gesunde.

Die Ernährung bei Typ-2-Diabetes verfolgt das Ziel, den Blutzucker-Langzeitwert HbA1c zu bessern, ebenso Blutdruck- und Blutfettwerte, um so Langzeitschäden zu verhindern. Patienten mit Übergewicht sollen zudem abnehmen, um den Stoffwechsel zu verbessern.

Abnehmen: Mit langfristiger Strategie

Mit einer Radikaldiät innerhalb kurzer Zeit abzuspecken ist in der Regel nicht empfehlenswert – solche Erfolge sind meist nur von kurzer Dauer. Vielmehr sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes darauf achten, dauerhaft abwechslungsreich zu essen, sich gleichzeitig mehr zu bewegen und so dem gesundheitlich sinnvollen Gewicht langsam näherzukommen. Tipps zum nachhaltigen Abnehmen finden Sie hier.

Ernährung ist immer individuell

Die Ernährungstherapie bei Typ-2-Diabetes ist auf Langfristigkeit ausgelegt. Damit Patienten dabei nicht die Motivation verlieren, bespricht der behandelnde Arzt mit ihnen einen Essensplan, der persönliche Vorlieben berücksichtigt. Wer glaubt, nicht auf seine Schokolade verzichten zu können, kann seiner Lust auf Süßes in aller Regel weiterhin frönen, solange insgesamt die Kalorienbilanz stimmt. Eine Ernährungsberatung, etwa im Rahmen einer Diabetes-Schulung, vermittelt das nötige Wissen für den Alltag.

Empfehlungen zu Nährstoffen

Die medizinischen Leitlinien zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes empfehlen, etwa 45 bis 60 Prozent der täglich benötigten Energiemenge in Form von Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Fette sollten nicht mehr als 35 Prozent des Tagesbedarfs ausmachen, Eiweiß zehn bis 20 Prozent, wenn keine Nierenschäden vorliegen.

Entscheidender als solche Prozentangaben ist aber, diese Nährstoffe aus guten Quellen zu beziehen und auf eine gesunde Mischung zu achten. Die wichtigsten Tipps im Überblick:

Obst und Gemüse:

Sie stecken voller gesunder Inhaltsstoffe und sind dabei relativ kalorienarm. Fünf Portionen täglich werden empfohlen, darunter zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse. Eine Portion entspricht etwa einer Handvoll.

Fette:

Fett ist sehr kalorienreich, deshalb besser nur in Maßen verzehren. Anstatt auf gesättigte Fettsäuren, die vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Käse stecken, lieber auf ungesättigte Fette setzen. Diese sind etwa in pflanzlichen Produkten wie Olivenöl enthalten und können dazu beitragen, den Anteil an LDL-Cholesterin im Blut zu senken.

Kohlenhydrate:

Um Blutzuckerspitzen nach dem Essen zu vermeiden, bevorzugt Lebensmittel mit komplexen Kohlenhydraten essen. Diese gehen aus dem Darm langsamer ins Blut über und lassen die Zuckerwerte nicht so schnell ansteigen. Gut sind zum Beispiel Getreideprodukte aus Vollkorn. Eine Orientierungshilfe kann der glykämische Index sein. Er gibt an, wie schnell und wie stark ein Lebensmittel den Glukosespiegel in die Höhe treibt. Je höher der Wert, desto schneller. Bei stärker verarbeiteten Lebensmitteln gehen die Kohlenhydrate meist rascher ins Blut über. Kartoffelbrei oder Pommes Frites haben deshalb einen höheren glykämischen Wert als Pellkartoffeln.

Ballaststoffe:

Sie verlangsamen ebenfalls die Verarbeitung von Kohlenhydraten im Darm, zudem verbessern sie die Insulinempfindlichkeit. Mindestens 40 Gramm sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes täglich essen. Reich an Ballaststoffen sind vor allem Vollkornlebensmittel, Hülsenfrüchte sowie viele Obst- und Gemüsesorten.

Getränke:

Cola, Limonaden und Säfte sind sehr kalorienreich, sättigen dabei aber schlecht. Zudem geht der Zucker aus ihnen sehr schnell ins Blut über. Wer auf sein Gewicht achten möchte, sollte also auf diese unnötigen Kalorien aus Getränken verzichten. Bessere Alternativen sind Wasser, Tee, Kaffee sowie Fruchtschorlen.

Alkohol:

Auch alkoholische Getränke sind meist sehr kalorienreich. Bei Typ-2-Diabetes Bier und Wein deshalb besser nur in Maßen genießen.

Zucker:

Ist nicht verboten, sollte aber nicht mehr als zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs abdecken. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sogar nur fünf Prozent.

Süßstoffe:

Sie enthalten keine Kalorien und beeinflussen den Blutzuckerspiegel nicht. Sie können beim Backen, Kochen sowie zum Süßen von Kaffee und Tee eine Alternative zu Haushaltszucker sein, wenn sie nicht im Übermaß verzehrt werden.

Salz:

Wer Typ-2-Diabetes hat, bei dem ist oft auch der Blutdruck zu hoch. In diesem Fall das Essen sparsam salzen. Zu große Mengen an Salz können den Blutdruck in die Höhe treiben.

Kochen:

Wer selbst am Herd steht, hat die Kontrolle darüber, was in seinem Essen landet und kann dadurch meist Salz, Fett und Kalorien sparen, die Fertigprodukte oft im Übermaß enthalten. Vorsicht auch bei vermeintlichen "Diät"-Produkten. Wo "fettreduziert" darauf steht, kann mehr Zucker als Geschmacksträger enthalten sein – und umgekehrt. Beim Einkauf also besser die Angaben auf der Verpackung prüfen.

Insulintherapie: Kohlenhydrate richtig berechnen

Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen, müssen richtig abschätzen können, wie viele Kohlenhydrate ihr Essen enthält. Anhand dieser Menge lässt sich anschließend berechnen, wie viel Insulin sie benötigen, um die Blutzuckeranstiege nach den Mahlzeiten abzufangen. Zur Angabe des Kohlenhydratanteils gibt es die Einheiten eine Broteinheit (1 BE) und eine Kohlenhydrateinheit (1 KE). Eine Broteinheit entspricht 12 Gramm Kohlenhydrate, eine Kohlenhydrateinheit 10 Gramm. Beide Einheiten können gleichwertig verwendet werden. Einen BE/KE-Rechner für Lebensmittel finden Sie hier.

Eine Brot- oder Kohlenhydrateinheit lässt den Blutzuckerspiegel um etwa 25 bis 40 mg/dl pro BE/KE ansteigen. Der tatsächliche Anstieg ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt unter anderem von Gewicht, Tageszeit, Bewegung und Mahlzeitenzusammensetzung ab.

Mit Hilfe eines individuellen, vom behandelnden Arzt erarbeiteten Korrekturschemas können Patienten anhand der gegessenen BE/KE berechnen, wie viele Einheiten an schnell wirkendem Insulin sie spritzen müssen. Das richtige Abschätzen der im Essen enthaltenen Kohlenhydratmengen sollten Menschen mit Diabetes unbedingt zu Beginn einer Insulinbehandlung im Rahmen einer Schulung lernen.



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