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Alkohol: Weniger ist mehr!

Für den Alkoholkonsum gilt das Motto „Weniger ist mehr“. Moderater Genuss ist nicht verboten, doch große Mengen Alkohol können für Menschen mit Diabetes gefährlich werden


Fruchtiger Geschmack, kritischer Inhalt: In den meisten Cocktails stecken reichlich Alkohol und Kohlenhydrate

Für den Alkoholkonsum gilt das Motto „Weniger ist mehr“, der moderate Genuss ist nicht verboten. Aktuell empfehlen Fachgesellschaften pro Tag 10 Gramm Alkohol für Frauen und 20 Gramm für Männer. 20 Gramm Alkohol entsprechen 0,2 Liter Wein oder einem großen Glas Bier mit 400 Milliliter. Männer vertragen mehr Alkohol, weil sie ihn anders verwerten. Bei Frauen baut sich der Alkohol im Körper langsamer ab. Moderat ist der Genuss von ein bis zwei Gläsern Rotwein am Abend, was aber nicht jeden Tag in der Woche sein muss.

Denn der regelmäßige Konsum alkoholischer Getränke schädigt auf Dauer die Leber, kann zu Krebs oder Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und in die Abhängigkeit führen. Wer jeden Tag seine Bier-Ration trinkt, kann irgendwann nicht mehr darauf verzichten. Bei einer Sucht wird regelmäßig konsumiert. Das Verlangen ist groß, weil man ohne nicht mehr auskommt. Der Körper gewöhnt sich schnell an Alkohol, auch wenn täglich nur geringe Mengen getrunken  werden.

Je hochprozentiger, desto mehr Kalorien

Alkohol ist ein wahrer Kalorienbomber! Im Vergleich zu Kohlenhydraten steckt in Alkohol fast das Doppelte an Kalorien. Er liefert pro Gramm sieben Kilokalorien, ein Gramm Kohlenhydrate enthält nur vier Kilokalorien, beim Fett sind es neun Kilokalorien. Liköre sind für Diabetiker am ungünstigsten. Sie enthalten hohe Zuckermengen und in der cremigen Variante Sahne. Das lässt den Blutzucker ansteigen. Doch der Gedanke, Wodka, Brände oder klare Schnäpse seien Spirituosen mit weniger Kalorien, ist falsch: Je hochprozentiger der Schnaps ist, desto mehr Kalorien sind darin. Gut 40 Kilokalorien und mindestens sechs Gramm Alkohol hat der Kurze im Glas mit zwei Zentilitern. Bei Kräuterschnäpsen ist der Alkoholgehalt oft deutlich höher, manche Sorten bestehen fast vollständig aus reinem Alkohol.


Geringer ist der Alkohol- und Kaloriengehalt in Bier, Sekt oder Wein. Das variiert von Sorte zu Sorte. Viele Brauereien haben sich dem Trend gebeugt und produzieren immer neue Biermixsorten. Auf dem „Hopfen-Markt“ kann man inzwischen Bier mit Tequila-, Lemon- und Colageschmack finden. Wer es klassisch bevorzugt, bleibt eher bei Altbierbowle und Alster, beide sind zur Hälfte mit fruchtigem Erfrischungsgetränk aufgefüllt.

Der Anteil von Zucker und Alkohol hängt auch von Gerstensaft und Verarbeitung ab. Dunkelbier hat oft mehr Alkohol als helles Pils, das Weizenbier ist mit Spitzenreiter bei den Kalorien. Den niedrigsten Kaloriengehalt hat alkoholfreies Bier. Darin ist trotzdem etwas Alkohol enthalten. Zwar ist die Menge mit 0,5 Prozent nur gering, aber ganz ohne Alkohol kommt das Bier nicht aus. Die Alkoholkonzentration in Sekt oder Wein liegt meist zwischen 11 und 14 Prozent. Sie ist abhängig von der Traubensorte und dem Gärungsprozess. Lieblicher Wein hat mehr Restsüße als trockener Wein und einen höheren Kohlenhydratgehalt.

Wissenschaft bescheinigt dem Rotwein viel Posivites



Inhaltsstoffe des Rotweins senken die Cholesterinwerte

Dem Rotwein werden besonders positive Effekte bescheinigt. Der in roten Trauben und im Rotwein vorkommende Stoff Resveratrol soll vor Diabetes schützen. Forscher konnten in zahlreichen Versuchen zeigen, dass Resveratrol die Insulinempfindlichkeit verbessert. Rotwein enthält wertvolle Phenole, Flavonole und Antioxidantien. Diese schützen nachweislich vor Entzündungen im Körper, Atherosklerose (Gefäßverkalkung) und Herzinfarkt. Sie senken das schlechte LDL-Cholesterin und haben einen günstigen Einfluss auf die Fettwerte. Die Blutzirkulation wird verbessert. Diese Effekte wurden in zahlreichen Studien zum Rotweingenuss gefunden.

Aktuelle Ergebnisse belegen, dass täglich 20 Gramm roter Wein die Lebenserwartung verlängern. Dabei wurden Männer über die Dauer von 40 Jahren zu ihren Trinkgewohnheiten befragt, die sich im Laufe der Zeit änderten. Ob Wein nun tatsächlich die Lebenszeit verlängern kann, ist unter Experten umstritten. In Mittelmeerländern, wo die Menschen älter werden, wird mehr Wein getrunken und die Ernährung ist gesünder. Die mediterrane Kost enthält viel Fisch, frisches Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Pasta und Olivenöl. Darin stecken schon viele Vitamine und Antioxidantien. Auch das wärmere Klima könnte für das höhere Lebensalter mitverantwortlich sein.

Ein Glas Rotwein schadet sicher nicht, wenn man Diabetiker ist. Es scheint sich günstiger auszuwirken als Likör, Wodka oder Bier. Die meisten Cocktails haben den Nachteil, dass sie mit reichlich Alkohol und Kohlenhydraten gespickt sind. Hohe Mengen Alkohol können für Menschen mit Diabetes gefährlich werden. Der reichliche Zuckeranteil hebt erst den Blutzuckerspiegel an, nach dem Alkoholkonsum fällt der Blutzucker über Stunden ab. Diese Nachwirkung, dass der Blutzucker nach Alkohol sinkt, hält manchmal bis zu einem halben Tag lang an.

Alkohol vernebelt Unterzucker-Warnzeichen



Alkoholische Exzesse können bei Diabetikern zu schweren Unterzuckerungen führen

Alkoholische Exzesse können schlimmstenfalls in die schwere Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit komatösem Zustand führen. Meist hat dann der Betroffene die ersten Symptome nicht bemerkt, weil der Alkohol betäubend wirkt. Das Bewusstsein ist getrübt und die Frühzeichen einer Hypoglykämie wie Unruhe, Zittern und Schwitzen oder andere Symptome werden nicht rechtzeitig wahrgenommen. Diabetiker sollten deshalb mehr als andere auf die Alkoholmenge achten.

Patienten, die mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen behandelt werden, müssen ganz besonders aufpassen. Das körpereigene „Sicherheitssystem“, das sonst bei niedrigen Blutglukosewerten die Zuckerreserven aus der Leber freisetzt (Glykogen), funktioniert nicht, wenn man zu viel Alkohol trinkt. Auch die Zuckerneubildung in der Leber ist gestört. Dadurch hält die Gefahr für Unterzuckerungen viele Stunden nach dem Alkoholgenuss an, auch wenn dieser schon abgebaut ist.

Wichtig ist es, den Blutzucker nach Alkohol vor dem Zubettgehen zu messen. Oft müssen für alkoholische Getränken keine Kohlenhydrate in Form von BE/ KE oder KHE angerechnet werden. Um die Gefahr für Unterzuckerungen zu senken, gilt als Empfehlung, lieber einen höheren Blutzucker in Kauf zu nehmen. Sicherer ist es, den Blutzuckerwert nach Alkoholkonsum vor dem Schlafen auf maximal etwa 200 mg/dl bzw. 11,1 mmol/l zu korrigieren. Den richtigen Umgang mit Alkohol und die erforderliche Insulinanpassung sollten Diabetiker generell im Vorfeld mit dem Arzt besprechen. Als goldene Regel für den Alkoholgenuss trotz Diabetes gilt noch immer: Das gesunde Maß ist entscheidend!  Trotz der positiven Effekte beim Rotwein sollte man bei Alkohol bedenken: Regelmäßiger Genuss führt langfristig zum Umbau der Leber und zu schweren gesundheitlichen Schäden, zum Beispiel können Fettleber, Leberzirrhose und schließlich Leberkrebs die Folgen sein.




Bildnachweis: Stockbyte/ RYF, W&B/Winfried Fischer, Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC
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www.diabetes-ratgeber.net; 06.07.2009, aktualisiert am 28.10.2011
Bildnachweis: Stockbyte/ RYF, W&B/Winfried Fischer, Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

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