Anmelden | Registrieren
Drucken

Besser essen im Alter

In fortgeschrittenem Alter wird Untergewicht für viele Menschen ein Problem. Tipps, wie Sie sich die Freude am Essen bewahren


Mit Appetit zubeißen? Leicht gesagt, wenn das Essen nicht mehr schmecken will

Hochbetagte Menschen verlieren oft ungewollt an Gewicht. Darüber mag sich freuen, wer jahrelang mit Übergewicht gekämpft hat – etwa Diabetiker. "Mangelernährung führt jedoch dazu, dass alte Menschen bei einer schweren Erkrankung, etwa einer Lungenentzündung, weniger Reserven haben und sich schlechter erholen", warnt Altersmediziner Dr. Dr. Andrej Zeyfang, Ärztlicher Direktor am Agaplesion Bethesda Krankenhaus in Stuttgart.

Studien haben gezeigt, dass bei Älteren ein leichtes Übergewicht sogar gesünder ist. "Ab 75 Jahren liegt der ideale Body-Mass-Index bei 27, also leicht über dem Normalgewicht von maximal 25", bestätigt Zeyfang, der sich als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft besonders mit den Problemen älterer Diabetiker beschäftigt. Nahezu jeder vierte Mensch über 75 Jahre leidet an Diabetes. 17 Prozent der über 75-Jährigen, die zu Hause leben, haben Untergewicht. In Pflegeheimen sind es in derselben Altersgruppe sogar 40 bis 65 Prozent.


Verbote sind für betagte Diabetiker nicht sinnvoll

Die Zahlen sind alarmierend. Was aber tun gegen die Appetitlosigkeit – noch dazu, wenn man als Diabetes-Patient nicht alles essen kann, was man möchte? "Eine strenge Diät ist nicht sinnvoll. Aber gerade ältere Menschen können sich nicht so leicht von den strikten Empfehlungen lösen, die bis vor einigen Jahren gegolten haben", sagt Zeyfang und rät:
"Lösen Sie sich von Ihren Ängsten. Essen ist ein Stück Lebensqualität – und gerade im Alter ist Untergewicht gefährlich."



Dr. Andrej Zeyfang, Diabetologe und Altersmediziner

Auch Irene Feucht, Diabetes-Beraterin am Stuttgarter Bethesda-Krankenhaus, hält nichts von Verboten beim Essen. "In unserer strukturierten geriatrischen Diabetiker-Schulung hatten wir einen Diabetiker, der mangels Zähnen nur noch Pudding aß. Das war auch für seinen Zucker fatal", sagt sie. Feucht und Zeyfang empfahlen dem Pudding-Esser Haferbrei, Kartoffelpüree und weiches Gemüse. "Der Herr war erst vor Kurzem wieder da und hat stolz erzählt, wie gerne er jetzt Haferflocken mit Milch isst und sich seine Speisen teilweise püriert", sagt die Diabetes-Beraterin. Oder die 91-jährige Diabetikerin, die alleine lebt und mit Vergnügen einmal in der Woche Hefekuchen backt. Warum den Kuchen verbieten, wenn es ihr Freude macht?

Im Zweifel sei es besser, die Diabetes-Therapie an die Gewohnheiten der Senioren anzupassen und so die Lebensfreude und Selbstständigkeit zu fördern. Im Mittelpunkt steht der Mensch, besonders wenn er älter und gebrechlicher wird. Feucht weiß: Auf den Geschmack und die Vorlieben des Einzelnen kommt es an. "Es bringt doch nichts, wenn ich einem Patienten Fisch empfehle, wenn er Fisch nicht mag."

Tabletten können Appetit rauben

Fakt ist: Alte Menschen, die sich um ihre Ernährung bemühen, sind fitter und gesünder als jene, denen das Essen mit den Jahren gleichgültig geworden ist. Aber woher kommt überhaupt die Unlust am Essen? "Chronische Erkrankungen, die im Alter vermehrt auftreten, wirken sich negativ auf den Appetit aus, genau wie einige Schmerz- und Rheumamittel etwa Acetylsalicylsäure (ASS) oder Diclofenac", erklärt Zeyfang.

Schmerzmittel wie Paracetamol oder Metamizol (rezeptpflichtig) seien im Alter geeigneter. Hinzu kommt: Mit den Jahren nimmt die Zahl der Geschmacksknospen ab – es schmeckt einfach nicht mehr so gut wie früher. Außerdem fehlt oft die Bewegung, was sich ebenfalls negativ auf den Appetit auswirkt. Auch psychische Probleme und Demenz können die Ursache sein.

Nicht zuletzt baut der Körper im Alter schlichtweg ab: "Bereits ab dem 30. Lebensjahr verlieren wir pro Jahr ein Prozent Muskelmasse, wenn wir nicht aktiv mit Bewegung gegensteuern", warnt der Altersmediziner. Und während der Körperfettanteil bei Erwachsenen bis zum 60. Lebensjahr stetig steigt, nimmt er ab 70 Jahren wieder ab.

Manchmal hilft Insulin

Bei Menschen mit Diabetes kommen Begleiterkrankungen hinzu: Aufgrund von Nervenschädigungen haben Diabetiker häufiger einen trockenen Mund und einen nachlassenden Geschmackssinn. Auch manche Diabetes-Medikamente wirken appetithemmend. Metformin kann zum Beispiel einen Vitamin-B-Mangel oder einen metallischen Geschmack verursachen. "Diabetes-Patienten haben zudem öfter Probleme mit Zähnen und Kiefer und leiden häufiger an Verstopfung", sagt Zeyfang.

Bei Diabetikern mit Untergewicht sollte der behandelnde Arzt daran denken, die Therapie rechtzeitig auf Insulin umzustellen, da man mit Insulin oft an Gewicht zulegt – in diesem Fall eine erwünschte Nebenwirkung. Zeyfang macht Mut: "Wenn die Zuckerwerte gut sind, kommen auch Kraft und Appetit oft wieder zurück. Fazit: Lassen Sie sich den Appetit nicht verderben! Es geht schließlich um nichts weniger als um Ihre Freude am Leben – und da gehört Essen einfach dazu.


 

Schluckstörungen: Was hilft?

Im Alter funktioniert das Schlucken beim Essen und Trinken oft nicht mehr richtig. Dann besteht die Gefahr, dass Speisen oder Flüssigkeiten statt in die Speise- in die Luftröhre gelangen. Dies kann zu gefährlichen Lungenentzündungen führen.
Mit einer Schluck-Endoskopie kann der Arzt die Schluckfunktion untersuchen. Tipp: Dicken Sie Flüssigkeiten an, und essen Sie Speisen, die wenig bröseln. Beides erleichtert das Schlucken.




Bildnachweis: W&B/Fotolia, W&B/Thomas Rathay
  1. 1
  2. 2

Simone Herzner; 03.08.2011
Bildnachweis: W&B/Fotolia, W&B/Thomas Rathay

Newsletter

Immer gut informiert mit dem kostenlosen Newsletter des Diabetes Ratgeber »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Was tun bei einer Lebensmittel-Vergiftung?

Befinden sich Keime auf dem Essen, kann es schnell zu den ersten Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung kommen: Durchfall und Bauchkrämpfe. Was hilft, wie Sie sich schützen können »

Fruchtzucker-Unverträglichkeit – was tun?

Wer an einer Fructose-Intoleranz leidet, wird feststellen: Fruchtzucker steckt in sehr vielen Lebensmitteln. Mit der richtigen Ernährung lassen sich Beschwerden jedoch gut vermeiden »

Spezials zum Thema

Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente

So decken Sie Ihren Vitaminbedarf und Ihren Mineralstoffbedarf. Außerdem: Wann ein Vitaminmangel droht und wann eine Nahrungsergänzung sinnvoll ist. Neu: Das Vitaminlexikon »

Gesunde Ernährung: Basis für ein gesundes Leben

Nur wer sich ausgewogen ernährt, bleibt langfristig gesund, beweglich und geistig fit »

Sudoku

Die beliebte japanische Knobelei in unendlichen Variationen hier online spielen »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung