Der Urlaub macht’s möglich. Wer aus tropischen Ländern zurückkehrt, hat oft nicht nur paradiesische Sandstrände kennengelernt, sondern auch die ortstypischen Früchte. Und schwärmt von frischer Litschi, Guave, Papaya oder Cherimoya, mundgerecht serviert auf dem täglichen Obstteller des Hotels.
Ein Geschmackserlebnis, das mittlerweile nicht auf die Ferien beschränkt sein muss. Denn die Globalisierung ist auch im deutschen Obsthandel weit fortgeschritten. Der Import exotischer Früchte hat in den letzten 30 Jahren stark zugenommen. Heute gehören Ananas, Mango und Co. zum Angebot jedes gut sortierten Obststandes und Supermarkts. Eine Vielfalt an Formen und Farben, die zum Probieren einlädt. In Sachen Gesundheit stehen die tropischen Früchte unseren heimischen in nichts nach. „Sie liefern genauso viele Vitamine, Mineral- und sekundäre Pflanzenstoffe“, sagt Annegret Hubbert, Diabetes- und Diätberaterin am Diabeteszentrum des Klinikums Dortmund.
Warum also für die tägliche Obstration nicht mal zu Kaki oder Kumquat greifen? Zwar enthalten auch die Exoten je nach Frucht unterschiedlich viel Zucker. Wer aber nicht mehr als eine Portion (etwa 125 Gramm) auf einmal isst, muss keinen zu hohen Anstieg des Blutzuckerspiegels fürchten. Wer Insulin spritzt, muss die Dosis ohnehin der verspeisten Obstmenge anpassen (Anhaltspunkte geben unsere Steckbriefe weiter unten). Weil erfahrungsgemäß jeder anders auf den Zucker im Obst reagiert, rät Expertin Annegret Hubbert, den Blutzuckerwert etwa eine Stunde nach dem Essen zu kontrollieren – vor allem wenn man eine Frucht zum ersten Mal isst.
Klimaschädliche Einreise
Ein Nachteil tropischer Früchte: Ihr Transport kann das Klima belasten. Viele, zum Beispiel Litschi oder Cherimoya, schmecken nur, wenn sie reif geerntet und in die Verbraucherländer geflogen werden. Schlecht für die Umwelt – wegen des hohen CO2-Ausstoßes. Andere Früchte werden noch vor der Reife auf Kühlschiffe nach Europa verfrachtet und dort in Lagerhäusern zur Reife gebracht. Besser fürs Klima – aber nicht immer für den Geschmack. Manche Biohändler lassen ihre reifen Früchte deshalb im ungenutzten Gepäckraum von Passagierflugzeugen mitfliegen. Wer zum Klimaschutz beitragen will, sollte wenn möglich Bio-Früchte wählen, zumal sie ohne Verwendung von Spritzmitteln angebaut werden.
Mango
Steckbrief: Birnen- bis melonengroße, eiförmige Frucht mit ledriger, grün-gelb-roter Schale; saftiges, leicht faseriges gelbes Fruchtfleisch mit großem Kern; süßer, pfirsichähnlicher Geschmack; reich an Vitamin A und E
Herkunft: Ostasien; Import u. a. aus Brasilien, Südafrika, Costa Rica
Essen: Schälen, Fruchtfleisch in Scheiben vom Kern schneiden
Lagern: Halbreif geerntete Früchte reifen beim Transport (Schiff) und auch zu Hause bei Zimmertemperatur nach. Reife Früchte duften
Nährwerte: Pro 100 g ca. 60 kcal, 13 g KH, 1 BE/KE
Guave
Steckbrief: Pflaumen- bis birnengroße Frucht mit gelbgrüner Schale; weiches, weißes bis rosafarbenes, saftiges Fruchtfleisch mit vielen kleinen Kernen; süß-säuerlicher Geschmack; kalorienarm und reich an Vitamin C
Herkunft: Zentralamerika; Import u. a. aus Brasilien, Mexiko, USA, Israel
Essen: Schälen und in Spalten schneiden oder halbieren und samt den Kernen aus der Schale löffeln
Lagern: Guaven werden grün geerntet und per Flugzeug importiert; Nachreife bei Zimmertemperatur möglich
Nährwerte: Pro 100 g ca. 40 kcal, 7 g KH, 0,5 BE/KE
Kumquat
Steckbrief: Pflaumengroße Zitrusfrucht mit dünner orangegelber Schale und saftigem, orangefarbenem Fruchtfleisch; Geschmack würzig-süß (Schale) bzw. säuerlich (Fruchtfleisch)
Herkunft: China, Vietnam; Import vor allem aus den Mittelmeerländern
Essen: wie eine Orange, aber mit Schale (schmeckt sehr gut!) und Kernen
Lagern: Kumquats werden reif geerntet und gelangen per Flugzeug zu uns. Sie halten sich bei Zimmertemperatur einige Tage, im Kühlschrank etwas länger, reifen aber nicht nach
Nährwerte: Pro 100 g ca. 70 kcal, 15 g KH, 1 BE/1,5 KE
Litschi
Steckbrief: Bis zu pflaumengroße, kugelige Frucht mit rotbrauner, genoppter Schale; saftiges, festes weißes Fruchtfleisch mit großem Kern; süß-säuerlicher Geschmack mit feiner Muskatnote
Herkunft: Südchina; Import u.a. aus Madagaskar, Mauritius, Südafrika
Essen: Von der Schale befreien, Kern herauslösen
Lagern: Litschis werden reif geerntet und auf dem Luftweg transportiert. Frisch sind sie, gut verpackt, im Kühlschrank für 1 bis 2 Wochen haltbar
Nährwerte: Pro 100 g ca. 75 kcal, 17 g KH, 1,5 BE/KE
Physalis (Kapstachelbeere)
Steckbrief: Kirschtomatengroße, orangegelbe Frucht mit dünner Schale und hellbrauner Blatthülle; saftiges Fruchtfleisch mit kleinen weißen, essbaren Kernen; süß-säuerlicher Geschmack; reich an Eisen
Herkunft: Südamerika; Import auch aus Kenia, Südafrika, Neuseeland
Essen: Von der Hülle lösen, im Ganzen essen oder teilen
Lagern: Physalis werden reif geerntet und auf dem Luftweg transportiert, da sie nicht nachreifen
Nährwerte: Pro 100 g ca. 80 kcal, 13 g KH, 1 BE/KE
Kaki (Sharon)
Steckbrief: Ähnelt einer großen Tomate; dünne, glatte Schale und weiches, saftiges Fruchtfleisch, beides orangerot, meist ohne Kerne; mild-süßer Geschmack; reich an Vitamin A
Herkunft: China, Japan; Import auch aus Israel, Italien, Spanien, Brasilien
Essen: Schale abziehen, zerteilen, evtl. vorhandene Kerne entfernen
Lagern: Kaki werden vor der Reife geerntet, Nachreife beim Transport (Schiff) und zu Hause bei Zimmertemperatur. Sehr reife (weiche) Früchte schmecken am besten
Nährwerte: Pro 100 g ca. 70 kcal, 16 g KH, 1 BE/1,5 KE
Cherimoya
Steckbrief: Bis zu 20 cm dicke Frucht mit ledriger, graugrüner Schale; weißes, sahnig-weiches Fruchtfleisch mit schwarzen Samen; mild-süßer, erdbeerähnlicher Geschmack
Herkunft: Peru, Ecuador; Import vor allem aus Spanien, Chile, Kenia
Essen: Der Länge nach halbieren, Samen entfernen, aus der Schale löffeln
Lagern: Weil die reifen Früchte sehr druckempfindlich sind und schnell verderben, werden Cherimoyas vor der Reife geerntet. Sie reifen bei Zimmertemperatur nach
Nährwerte: Pro 100 g ca. 60 kcal, 13 g KH, 1 BE/KE
Granatapfel
Steckbrief: Orangengroße Frucht mit fester, glatter, rötlicher Schale; zahlreiche Samenkerne, die von weichen, saftigen roten Fruchtfleisch-Kügelchen umgeben und durch weiße Häute getrennt sind; säuerlicher Geschmack, ähnlich Johannisbeeren
Herkunft: Persien; Import auch aus Pakistan, Spanien, Türkei, Israel
Essen: Frucht mit einem scharfen Messer halbieren, Kerne samt Fruchtfleisch mit einem Löffel vorsichtig aus der Schale heben (Flecken durch Saftspritzer lassen sich schwer entfernen!); Kerne sind in der Regel essbar, weiße Trennhäute nicht
Lagern: Granatäpfel werden reif geerntet. Bei niedrigen Temperaturen sind sie mehrere Wochen haltbar
Nährwerte: Pro 100 g ca. 80 kcal, 17 g KH, 1,5 BE/KE
Papaya
Steckbrief: ca. 15 cm lange, birnenförmige Frucht mit glatter gelblicher Schale; saftiges orangefarbenes Fruchtfleisch, schwarze Kerne; melonenartiger Geschmack; kalorienarm, reich an Vitamin A, C, Magnesium
Herkunft: Mittelamerika; Import u. a. aus Brasilien, Ghana, Kenia
Essen: Längs aufschneiden, Kerne entfernen. Aus der Schale löffeln oder schälen und in Stücke schneiden
Lagern: Grün geerntete Früchte reifen beim Transport (Schiff) und zu Hause bei Zimmertemperatur nach
Nährwerte: Pro 100 g ca. 30 kcal, 7 g KH, 0,5 BE/1 KE
Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber;
17.04.2012, aktualisiert am 19.04.2012
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