Hirschhausen-Kolumne: Täuschungs-Manöver

Wie bremst man Heißhunger aus? Da hätte Eckart von Hirschhausen ein paar kreative Tricks
von Eckart von Hirschhausen, 14.06.2017

Der Kühlschrankschleicher ist unterwegs: Nachts kommt der Appetit

W&B/Martina Ibelherr

Ein Sprichwort sagt: "Das Auge isst mit", will sagen, die visuelle Wahrnehmung und unsere Lust und Sättigung beim Speisen greifen ineinander. In asiatischen Kulturen wird das beim Essen von Tieren ganz konkret anders interpretiert. Da isst man das Auge mit. Das ist nicht mein Ding. Was ich aber an dem Zusammenhang von Auge und Nahrungsaufnahme spannend finde: Wie können wir sowohl die Optik der Speisen als auch unser "Augenmerk" so einsetzen, dass wir nicht mehr essen, als uns guttut?

Die Evolution hat uns ja optimiert, mit sehr wenig Essen über die Runden zu kommen. In unseren genetischen Programmen kamen Supermärkte, Kühlschränke und Schnellrestaurants um die Ecke nicht vor. Deshalb sind wir so rasch überfordert, uns zu zügeln, wenn es im Hinterkopf immer noch heißt: "Lang zu, wer weiß, wann du wieder was bekommst." Also essen wir impulsartig, was uns ins Auge fällt.


Deshalb ist der erste Trick, den ich aus der psychologischen Forschung für Sie habe: Achten Sie darauf, was Ihnen ins Auge fällt! Genauer gesagt: Tun Sie alles weg, von dem Sie in Ihren klugen und kontrollierten Momenten wissen, dass Sie das eigentlich nicht essen wollen. Noch besser: Sie kaufen den Schund gar nicht erst ein. So lassen sich die Momente der Verführung und der späteren Reue schon einmal reduzieren. Eine kleine Hilfe: Stellen Sie sich die Frage "Will ich daraus bestehen?". Dieser Trick hilft mir immer sehr gut, um einiges, was in nächster Nähe ist, doch einen Bogen zu machen.

Es gibt ja auch Dinge, von denen man ruhig viel essen kann und die man genießen sollte. Überlegen Sie, an welchen Orten Ihrer Wohnung Sie oft vorbeikommen, wo Sie sowieso hingreifen und wie Sie das mit einem gesunden Impuls koppeln können. Das Schlüsselbrett? Als Schlüssel zum Glück. Warum nicht in unmittelbarer Nähe der Schlüssel eine schöne Schüssel mit Gemüsesticks platzieren? So wird der Griff zum Gesunden zur Gewohnheit, über die wir nicht jedes Mal neu nachdenken müssen.

Dieser Grundgedanke eines modernen vorbeugenden Selbstmanagements heißt auf Englisch "Make the healthy choice the easy choice" – auf gut Deutsch: "Mach die gesunde Entscheidung zur einfacheren Entscheidung". Es ist nämlich sehr ermüdend, sich die ganze Zeit konzentrieren und kontrollieren zu müssen. Das hält kaum einer länger durch. Diät halten ist ja nicht schwer. Tagsüber. Da hast du heroisch eine Scheibe Gurke über drei Mahlzeiten verteilt. Aber dann wird es dunkel, und du denkst heimlich: Im Dunkeln gelten andere Gesetze! Da sieht ja mein Körper nicht, was ich alles in Minuten in mich hineinschlinge. Und man schluckt es ganz schnell, damit auch die Zunge davon nichts mitbekommt. Männer sind da noch raffinierter. Die machen beim nächtlichen Gang zum Kühlschrank extra das Licht in der Küche nicht an – dann registrieren sie gar nicht, dass sie da waren. Langfristig kommt doch alles ans Licht und auf die Hüfte. Also: Unser Körper ist immer dabei. Und unsere Sinne auch.

Der letzte Trick für heute ist ganz schnell und einfach umzusetzen. Nehmen Sie kleinere Teller! Die gleiche Portion auf einem kleineren Teller sieht schlichtweg größer aus. Wer seine Teller von 30 auf 25 Zentimeter Durchmesser verkleinerte, nahm in einer Studie etwa 20 Prozent weniger zu sich. Wenn das Auge mitisst, dann zeigen Sie ihm doch das, was es gerne sieht: einen vollen Teller!  Viel Erfolg mit den kleinen Veränderungen, die in der Summe langfristig Größeres bewirken können.


Tipp: Die neueste Folge der Hirschhausen-Kolumne finden Sie immer in der aktuellen Ausgabe des Diabetes Ratgeber, die in Ihrer Apotheke erhältlich ist.


W&B/Pressestelle/Michael Zargarinejad

Eckart von Hirschhausen ist Mediziner, Kabarettist, Autor und Moderator. Zuletzt erschien sein Buch "Wunder wirken Wunder" (Rowohlt Verlag). Mehr zum aktuellen Programm: www.hirschhausen.com



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