Ist Obst auch bei Diabetes gesund?

Obst enthält nicht nur Vitamine, sondern auch Zucker. Was das für Menschen mit Diabetes heißt

von Stephan Soutschek, 18.09.2015

Ein Biss in den Apfel ist auch bei Diabetes gesund

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Superfrüchte liegen im Trend. Als solche werden Acerola, Goji-Beere und die Früchte des Noni-Baumes wegen ihres hohen Nährstoffgehalts oft bezeichnet. Für die tägliche Ernährung sind die Exoten aber eigentlich überflüssig. Denn auch Obstsorten wie Äpfel, Birnen oder Pflaumen stecken so voll mit gesunden Inhaltsstoffen, dass sie locker ebenfalls als Superfrüchte durchgehen.

Zwei Portionen Obst am Tag empfohlen

Obst und Gemüse sind so gesund, dass sie bei jedem ein fester Bestandteil des Speiseplans sein sollten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät dazu, täglich insgesamt fünf Portionen davon zu essen. „Idealerweise handelt es sich dabei um zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse“, sagt Dr. Astrid Tombek, leitende Ernährungsberaterin am Diabetes Zentrum Bad Mergentheim. Eine Portion entspricht etwa einer Handvoll.


Der Schwerpunkt liegt also beim Gemüse. Doch Obst sollte nicht fehlen, es punktet mit wertvollen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen. Fett enthalten die Früchte dagegen praktisch keines. Zudem sind die meisten Sorten vergleichsweise kalorienarm. Das ist vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes nützlich, da sie oft Übergewicht abbauen müssen.

Blutzuckerspiegel kann schnell ansteigen

Allerdings ist der Zuckeranteil bei vielen Früchten durchaus beträchtlich. Dieser kann den Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe treiben. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes kann dieser schnelle Zuckeranstieg noch stärker ausfallen. Ursache ist die Insulinresistenz, durch die der Zucker aus dem Blut schlechter in die Zellen weitergeleitet wird.

Das ist aber kein Grund, auf die süßen Früchtchen zu verzichten – die Vorzüge überwiegen deutlich. Wer Insulin spritzt, muss einfach seine Dosis der gegessenen Menge anpassen. Innerhalb der üblichen Verzehrmengen, also den oben erwähnten zwei Portionen, sollte der Blutzuckeranstieg ohnehin im Rahmen bleiben. Das gilt auch für besonders zuckerreiche Sorten, zu denen Weintrauben oder Exoten wie Ananas oder Datteln zählen.

Trockenobst hat hohen Zucker- und Kalorienanteil

„Günstig sind Sorten mit einem hohen Anteil an Wasser und Ballaststoffen“, sagt Tombek. Dazu zählen zum Beispiel Äpfel, Birnen, Orangen oder Beeren. Der Zuckeranteil ist bei ihnen geringer. Die Ballaststoffe verzögern zudem den Blutzuckeranstieg. Wer ausprobieren möchte, wie seine Werte auf einzelne Obstsorten reagieren, kann einmal kurz vor dem Verzehr sowie eine Stunde danach den Blutzucker messen.

Trockenfrüchte sehr kalorien- und zuckerreich

Stärkere Blutzuckeranstiege sind vor allem nach dem Genuss von Trockenobst zu erwarten. Da bei der Verarbeitung den Früchten Wasser entzogen wird, steigt der anteilige Zuckergehalt an. Frische Feigen enthalten etwa 13 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Die gleiche Menge an getrockneten Feigen kommen auf stolze 55 Gramm.

In der Bildergalerie unten lesen Sie, wie viele Kalorien und Kohlenhydrate beliebte Obstsorten enthalten. Sämtliche Angaben beziehen sich auf den essbaren Anteil und sind gerundet. Die tatsächlichen Werte können davon abweichen.


Das steckt im Obst

  • Frau sieht Apfel
    Thinkstock/iStockphoto

    1 kleiner Apfel (100 Gramm):

    etwa 11 Gramm Kohlenhydrate, 1 BE/1 KE

    1/10

  • Birnen
    Jupiter Images GmbH/Ablestock

    1 Birne (200 Gramm):

    etwa 110 Kilokalorien, 24 Gramm Kohlenhydrate, 2 BE/2,5 KE

    2/10

  • Junge Frau hält Bananen in der Hand
    Thinkstock/Hemera

    1 Banane (150 Gramm):

    etwa 130 Kilokalorien, 30 Gramm Kohlenhydrate, 2,5 BE/3 KE

    3/10

  • Feigen
    W&B/Fotolia

    1 Feige (70 Gramm):

    etwa 42 Kilokalorien, 9 Gramm Kohlenhydrate, 1 BE/1 KE

    4/10

  • Frau begutachtet Orangenscheibe
    Thinkstock/iStockphoto

    1 Orange (150 Gramm):

    etwa 60 Kilokalorien, 12 Gramm Kohlenhydrate, 1 BE/1 KE

    5/10

  • Papaya
    Thinkstock/iStockphoto

    1 Papaya (200 Gramm):

    etwa 65 Kilokalorien, 14 Gramm Kohlenhydrate, 1 BE/1,5 KE

    6/10

  • Kaki
    W&B/Fotolia

    1 Kaki (150 Gramm):

    etwa 100 Kilokalorien, 24 Gramm Kohlenhydrate, 2 BE/2,5 KE

    7/10

  • Pärchen beim Erdbeeren essen
    Jupiter Images/French Photographers only

    1 Portion Erdbeeren (100 Gramm):

    etwa 32 Kilokalorien, 6 Gramm Kohlenhydrate, 0,5 BE/0,5 KE

    8/10

  • Weintrauben
    W&B/Fotolia

    1 Portion Weintrauben (100 Gramm):

    etwa 70 Kilokalorien, 15 Gramm Kohlenhydrate, 1 BE/1,5 KE

    9/10

  • Datteln
    Thinkstock/iStockphoto

    1 Portion Datteln (100 Gramm, ohne Kerne):

    etwa 280 Kilokalorien, 65 Gramm Kohlenhydrate, 5,5 BE/6,5 KE

    10/10

In Früchten stecken verschiedene Arten von Zucker. Neben Traubenzucker (Glukose) zum Beispiel noch Fruchtzucker (Fruktose). Der Körper verarbeitet letzteren unabhängig von Insulin. Allerdings kann Fruchtzucker in hohen Mengen eine Leberverfettung fördern. „Die Menge im Obst stellt aber kein Problem dar“, sagt Tombek. Kritisch kann dagegen der hohe Fruchtzuckeranteil in Limonaden und Säften sein.

Smoothies sind kein gleichwertiger Ersatz für frisches Obst

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich Smoothies. Bei ihnen handelt es sich um püriertes Obst zum Trinken, meist in hochkonzentrierter Form. Ernährungsexperten raten aber nur bedingt zu ihnen. Denn beim Verarbeitungsprozess werden die Früchte geschält, gepresst und erhitzt. Ein Teil der gesunden Inhaltsstoffe geht dabei verloren. Außerdem sättigen die Getränke schlechter als Obst in fester Form, haben aber einen vergleichsweise hohen Kaloriengehalt. Auch der Blutzuckerspiegel klettert nach einem Smoothie rasch nach oben.

Das bedeutet nicht, dass die flüssigen Fruchtbomben ungesund sind. Sie hin und wieder zu trinken, ist absolut in Ordnung – am besten selbst gemacht und nicht als fertiges Produkt im Supermarkt gekauft. Ein dauerhafter Ersatz für frisches Obst sind Smoothies aber nicht. Dafür fehlt ihnen zu viel von dem, was schon einen gewöhnlichen Apfel zur „Superfrucht“ macht.



Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY, Jupiter Images GmbH/Ablestock, Jupiter Images/French Photographers only, W&B/Fotolia, Thinkstock/Hemera, Thinkstock/iStockphoto
© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages