Karneval feiern mit Diabetes

Alaaf! Zur fünften Jahreszeit gehört für viele Alkohol. Bei Diabetes kann das Unterzuckerungen auslösen. Mit diesen Tipps kommen Sie unbeschadet durch die närrische Zeit

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 04.02.2016

Buntes Karnevalstreiben: Bei Diabetes ist Maßhalten beim Alkoholkonsum ratsam

F1online

Die jecke Zeit steuert zielstrebig auf ihren Höhepunkt zu. Dabei geht es auf den Kostümbällen und Umzügen selten trocken zur Sache. Das kann bei Diabetes problematisch sein. Denn während die Leber Alkohol abbaut, ist ihre natürliche Zuckerausschüttung ins Blut blockiert. Gerade, wenn jemand innerhalb relativ kurzer Zeit viel Bier, Wein oder Schnaps trinkt, kann es so zu gefährlichen Unterzuckerungen kommen.

Besonders gefährdet dafür sind Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen oder Tabletten wie Sulfonylharnstoffe einnehmen. Früher rieten Experten bei Diabetes pauschal von Alkohol ab. Das hat sich mittlerweile geändert. Mäßigung heißt jetzt die medizinische Vorgabe bei der Zuckerkrankheit.


Professor Stephan Schneider hält jedenfalls nichts davon, die Patienten in der jecken Zeit zum völligen Verzicht aufzufordern. "Ausnahmsweise ist so etwas schon okay", sagt der Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin II, Diabetologie und Endokrinologie am Kölner St. Vinzenz-Hospital. "An ein Verbot würde sich ohnehin niemand halten."

Und falls es doch mal etwas mehr wird, sollten an Diabetes erkrankte Menschen ein paar Vorsichtsmaßnahmen beherzigen. "Beim Alkohol weiß man nie, was er mit dem Blutzuckerspiegel macht", sagt Schneider.

Um den Zuckertiefs vorzubeugen, gibt es mehrere Strategien: ausreichend Kohlenhydrate essen, die Medikamentendosis anpassen oder eine Kombination aus beidem. Jeder Mensch mit Diabetes sollte vorab mit seinem Arzt klären, welches Vorgehen in seinem Fall am besten passt.

Die Kohlenhydrate aus alkoholischen Getränken müssen zum Beispiel bei der Insulindosis oft nicht mit berücksichtigt werden. Außerdem ist es von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie stark alkoholische Getränke sich auf die Werte auswirken. Wichtig: Die Tablettendosis nie selbstständig verringern, sondern nur nach Rücksprache mit dem Arzt.

Ist die medizinische Seite geklärt, helfen die folgenden vier Tipps, die Faschingsparty ohne gesundheitliche Krise zu überstehen.

1. Messgerät und Traubenzucker mitnehmen

Bei feucht-fröhlichen Feiern lieber einmal zu oft als einmal zu wenig den aktuellen Blutzuckerspiegel überprüfen. So können Sie einen Abwärtstrend rechtzeitig erkennen. Nicht so viel trinken, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihre Werte zu bestimmen. Messgerät also zum Karnevalstreiben mitnehmen und eine Portion schnelle Kohlenhydrate für Notfälle einpacken. Gut geeignet ist Traubenzucker, entweder als Gel aus der Apotheke oder als Plättchen. Auch gut: zuckerhaltige Limonaden sowie Gummibärchen.

2. Besser Kölsch als Schnaps trinken

Die Wahl am Tresen kann dazu beitragen, Unterzuckerungen zu vermeiden. Je weniger Kohlenhydrate ein Getränk in Bezug zu seinem Alkoholgehalt enthält, desto tiefer lässt es in der Regel die Werte fallen. Ein Glas Kölsch sowie Bier im Allgemeinen ist reich an Kohlenhydraten, das Risiko einer Unterzuckerung ist bei ihnen also geringer als bei Schnaps oder trockenen Weinen. Bei Cocktails hängt es stark davon ab, wie viel Zucker sie enthalten.

3. Auf langsame Kohlenhydrate setzen

Wer auf der Karnevalsgala durchtanzen möchte, sollte unbedingt für eine gute Grundlage sorgen – gerade, wenn er dazu noch etwas trinken möchte. Am besten zu jedem Glas eine Kleinigkeit essen. "Gut sind Lebensmittel, bei denen die Kohlenhydrate langsam ins Blut übergehen", sagt Schneider. Das wären zum Beispiel Nüsse.

Aber auch Berliner – in Süddeutschland Krapfen, in Berlin Pfannkuchen genannt – sind in dieser Hinsicht kein schlechter Snack. Der hohe Fettanteil bremst den Blutzuckeranstieg ab. Nachteil: Das Schmalzgebäck kommt locker auf 300 bis 400 Kalorien pro Stück. Wer bei Typ-2-Diabetes auf sein Gewicht achten muss, sollte spätestens nach Aschermittwoch sich also wieder mehr in Zurückhaltung üben.

4. Mit erhöhten Werten ins Bett gehen

Noch Stunden nach dem letzten Glas ist die Leber mit Alkoholabbau beschäftigt. Deshalb ist nach feucht-fröhlichen Abenden die Gefahr von Unterzuckerungen nachts im Schlaf besonders groß. Diabetologe Schneider rät, nach ausgiebigen Feiern mit erhöhten Werten von etwa 200 mg/dl Schlafen zu gehen. Vor der Bettruhe deswegen auf jeden Fall noch einmal messen und gegebenenfalls noch eine Kleinigkeit mit langsam wirkenden Kohlenhydraten essen, um einem nächtlichen Tief vorzubeugen.



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