Diabetiker sollten auf eine bedarfsgerechte Kost achten, die individuelle Vorlieben, aber auch eventuelle Begleiterkrankungen berücksichtigt
Wer vor mehr als 20 Jahren an Diabetes erkrankte, kennt vielleicht noch Begriffe wie "Diabetesdiät" oder "diabetesspezifische Kost", auf die in der Vergangenheit großer Wert gelegt wurde. Damals etablierten sich auch neue Berufszweige rund um das Thema Diabetesernährung, die Betroffenen wurden fortan von Diätassistenten geschult und beraten. Und die Lebensmittelindustrie entdeckte Patienten mit Diabetes als lukrative Kunden. Erste Produkte mit Nährwertangaben kamen auf den Markt, die dazu speziell mit dem Hinweis „für Diabetiker geeignet“ versehen waren. Erinnert sei hier an das Diätbier oder die Diätschokolade.
Glücklicherweise hat man inzwischen von einer speziell für Diabetiker geeigneten Kost Abstand genommen. Auch, weil viele Produkte mit Süßungsmitteln und Zuckeraustauschstoffen in der Kritik stehen. Für "Diabetiker geeignete" Diätschokolade enthält zum Beispiel mehr Fett als normale Schokolade. Heute weiß man: Diabetiker sollen sich so gesund ernähren, wie es auch anderen Menschen empfohlen wird. Nun ist aber nicht jeder Diabetiker gleich. Deshalb kommt es für jeden einzelnen auf eine bedarfsgerechte Kost an, die auch eventuelle Begleiterkrankungen berücksichtigt. Moderne Therapien ermöglichen die Flexibilität, um auf individuelle Gegebenheiten und Vorlieben einzugehen.
Ursache des Diabetes – Insulinmangel oder zu wenig Wirkung von Insulin
Ein Diabetes mellitus liegt vor bei einer Erhöhung der Zuckerkonzentration im Blut. Im Wesentlichen gibt es hierfür zwei Ursachen: Der so genannte Typ-1-Diabetes beruht auf einem Insulinmangel, weil die das Hormon produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) durch eine Entzündung zerstört wurden. Dieser Diabetestyp tritt überwiegend im Kindes- und Jugendalter auf und weist dann die typischen Symptome des Insulinmangels auf. Das sind etwa krisenhafte Blutzuckererhöhungen mit vermehrtem Harndrang, starkem Durst und Azetongeruch. Azeton ist ein ernstes Warnzeichen, das die gefährliche Übersäuerung des Körpers aufgrund des fehlenden Insulins anzeigt. Häufig lassen sich in dieser Phase Antikörper im Blut gegen Teile der eigenen Bauchspeicheldrüse nachweisen. Selten kann diese Entstehung auch in fortgeschrittenem Lebensalter ablaufen.
Dem gegenüber gibt es den Typ-2-Diabetes, der vor allem auf der Insulinresistenz (einer Wirksamkeitsstörung des Hormons) beruht. Er stellt sich wesentlich langsamer und nicht selten ohne Symptome ein. Dadurch wird die Erkrankung oft zu spät bemerkt, manchmal dauert es 10 Jahre bis zur Diagnosestellung. Häufig finden sich dann weitere Risikofaktoren für die Gefäßverkalkung (Atherosklerose) wie Bluthochdruck, Übergewicht und Störungen im Fettstoffwechsel. Treten mindestens drei dieser Risikofaktoren gemeinsam auf (zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht), spricht man auch vom Metabolischen Syndrom, das mit einem besonders hohen Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist. Wenn der Typ-2-Diabetes lange genug besteht, kann die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse nachlassen und schließlich fast völlig versagen. Dann besteht auch beim Typ-2-Diabetes die Notwendigkeit, den Insulinmangel durch Zufuhr des Hormons auszugleichen, also Insulin zu spritzen.
Wichtigstes Ziel: Folgeerkrankungen vermeiden
Beide Diabetesformen nehmen in Deutschland beschleunigt zu und machen den Diabetes mit insgesamt etwa acht Millionen Betroffenen und einer schätzungsweise gleich hohen Dunkelziffer zur Volkskrankheit Nummer eins. Dabei gibt es insgesamt rund zehnmal mehr Typ-2-Diabetespatienten als Typ-1-Diabetiker. Sonderformen des Diabetes, die ebenfalls mit einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels einhergehen, spielen aufgrund ihrer Häufigkeit keine wesentliche Rolle.
Folgeerkrankungen vermeiden |
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| So sollten die Werte sein: | |||
| Blutzucker | nüchtern nach dem Essen Langzeitwert |
< 100 mg/dl (5,5 mmol/l) < 140 mg/dl (7,7 mmol/l) < 7% (53 mmol/mol) |
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| Körpergewicht/ Bauchumfang |
Body Mass Index (BMI) Bauchumfang |
Frauen 19-24 <88 cm |
Männer 20-25 <102 cm |
| Blutfette/ Triglyceride |
<150 mg/dl |
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| Cholesterin | HDL-Cholesterin LDL-Cholesterin |
Frauen > 45 mg/dl < 100 mg/dl |
Männer >35 mg/dl < 100 mg/dl |
| Blutdruck | systolisch/diastolisch | 130/80 mm/Hg | |
| Zielwerte können variieren, z.B. nach Geschlecht, Alter und Krankheitsbild oder wenn der Arzt es mit Ihnen individuell anders vereinbart hat. |
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Menschen, die von der Zuckerkrankheit betroffen sind, unterliegen wegen des überhöhten Blutzuckerspiegels dem Risiko, Folgekomplikationen zu entwickeln. Und das verdeutlicht den eigentlichen Krankheitswert des Diabetes. Diese Folgeerkrankungen sind Organschäden, die entweder durch eine Schädigung der kleinen und kleinsten Blutgefäße (Mikroangipathie) begründet sind – wie etwa diabetische Nieren- oder Augenerkrankungen. Oder sie sind durch Veränderungen/Verengungen der großen organversorgenden Arterien (Makroangiopathie) bedingt und führen zu Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Leider bestehen in vielen Fällen Mikro- und Makroangiopathie nebeneinander. Dies gilt grundsätzlich für beide Diabetestypen, wobei die Verteilung mikro- und makrovaskulärer Organschäden hauptsächlich von Lebensalter und Diabetesdauer abhängt.
www.diabetes-ratgeber.net;
04.05.2009, aktualisiert am 05.09.2011
Bildnachweis: W&B/ Bernhard Limberger, W&B/Simon Katzer
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