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Nahrungsergänzung – mehr als ein Kassenschlager?

Diabetiker brauchen keine extra Pillen. Wer sich ausgewogen ernährt, kann auf Zusatzpräparate verzichten


Ein genereller Nutzen von Pillen, Kapseln und Pulvern zur Nahrungsergänzung ist für Diabetiker nicht nachgewiesen

Viele denken: Gesundheit erhalten um jeden Preis – das geht auch mit Nahrungsergänzung in Form von Pillen, Kapseln, Pulver oder Brausetabletten. Vor allem Menschen, die das schlechte Gewissen über einseitige Ernährung plagt, bauen häufig auf diese Produkte. Der Markt boomt, weil es die Käufer gibt und Werbestrategen lassen sich dafür etwas einfallen. Man redet uns geschickt den Mangel an Nährstoffen ein, wir alle brauchen Vitamine und Spurenelemente. Wer keinen probiotischen Joghurt mag, kann Vitaminpillen schlucken oder Obst und Gemüse essen. Damit wird suggeriert, alles ist gleich effektiv zum Schutz vor einer Erkältung.

Und weil Werbung so brillant funktioniert, kaufen ein Viertel der Erwachsenen regelmäßig Präparate mit Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenextrakten. Doch die Wirkung dieser Mittel zur Nahrungsergänzung ist unter Experten sehr umstritten. Bislang konnte der Beitrag zur Gesunderhaltung des Körpers nicht ausreichend nachgewiesen werden. Viele Effekte werden einfach nur vermutet. Die meisten Produkte schaden zwar nicht, sie haben aber auch keinen großen Nutzen. Eine gesunde Ernährung können die Präparate jedenfalls nicht ersetzen. Wer sich vielseitig ernährt, braucht keine nährstoffangereicherten Pillen, Kapseln oder Drinks zusätzlich. Das gilt auch für Menschen mit Diabetes.

Vitaminpillen sind keine Arzneimittel

Dass es chronisch Erkrankte wie Diabetiker gibt, haben sich Marketingexperten zu Nutze gemacht. Da werden Präparate mit Vitamin A bis E, Eisen, Magnesium bis Kalzium, Zimt und andere aktiv beworben, sie sollen positiv bei Diabetes wirken. Doch die Produkte versprechen oft mehr, als sie halten können. Es gibt sie als Einzel- oder Kombipräparate mit Vitaminen, isolierten Pflanzeninhaltsstoffen (Extrakte) und Mineralien.


Im Unterschied zu Medikamenten müssen die Hersteller keine Nachweise über Wirksamkeit und Qualität erbringen: Nahrungsergänzungsmittel unterliegen der Lebensmittelüberprüfung und nicht dem Arzneimittelgesetz. Während Effizienz und Sicherheit für die Zulassung von Arzneien zweifelsfrei nachgewiesen sein müssen, werden Lebensmittel zugelassen, wenn sie unbedenklich sind. Nahrungsergänzungsprodukte sind auf Inhalt, Geschmack, Aussehen und Schadstoffe geprüft. Wird die Grenze schädigender Stoffe überschritten, muss das Produkt vom Markt verschwinden.



Die Einnahme von Zusatzpräparaten sollte mit dem Arzt besprochen werden

Allerdings gibt es für die Schadstoffgrenzen europaweit unterschiedliche Bestimmungen. So können Produkte, die in einem Land als Nahrungsergänzung erhältlich sind, im Nachbarland als Arzneimittel gelten. Präparate zur Nahrungsergänzung gibt es in Apotheken und Drogerien sowie im Internet zu kaufen. Zum Medikament werden sie aber erst mit der Verschreibung auf dem Rezept. Der Arzt kennt die vorliegenden Erkrankungen und stimmt die Dosierung der Zusatzpräparate (Supplemente) mit dem übrigen Behandlungsmodus ab. Er klärt auch den notwendigen Bedarf. Wer befürchtet, dass bei ihm eine Mangelerscheinung vorliegt, sollte sich medizinischen Rat einholen.

Für Diabetiker mit ersten Folgen an Herz, Augen, Nieren oder Nerven ist es besonders wichtig, eine bevorstehende Supplementierung mit dem Arzt zu besprechen. Die Wirkung von frei im Handel erhältlichen Produkten ist nicht die Gleiche wie bei ärztlich verordneten Präparaten. Supplemente, die als Arzneien gelten, haben eine andere Konzentration. Die Menge des Inhaltstoffes muss aber auch in Mitteln, die nicht verschreibungspflichtig sind, auf dem Etikett angegeben werden. 

Wirkung von Nahrungsergänzung umstritten

Nahrungsergänzung ist ein heiß diskutiertes Thema, weil die Wirkung der Produkte nicht hinreichend bestätigt ist. Hinzu kommen die Skandale um Muskelaufbaupräparate und Doping im Leistungssport. Wer sich abwechslungsreich und gesund ernährt, braucht keine tägliche Portion künstlicher Vitamine und Mineralstoffe. Lebensmittelchemiker haben den vermeintlichen Nährstoffmangel untersucht und keine konkreten Hinweise dafür gefunden. Wer sich ausgewogen mit viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, sättigenden Kohlenhydraten, jodhaltigem Fisch und fettarmen Fleisch-, Käse wie Milchprodukten ernährt, muss keine Unterversorgung bei sich vermuten. Sollte dennoch ein Mangel vorhanden sein, hilft statt der Pille oft schon eine Umstellung der Ernährung.




Bildnachweis: W&B/Fancy RYF, W&B/Winfried Fischer
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www.diabetes-ratgeber.net; 15.06.2009, aktualisiert am 02.10.2012
Bildnachweis: W&B/Fancy RYF, W&B/Winfried Fischer

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