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Senkt Kaffee das Diabetesrisiko?

Vieles spricht dafür, dass das beliebte Getränk eine schützende Wirkung hat. So ungesund, wie oft behauptet, ist der braune Trunk jedenfalls nicht


Einst ungesund, jetzt heilsam? Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse bescheinigen dem Kaffee viel Gutes

Was hat man ihm nicht alles angehängt: Er macht süchtig. Reizt den Magen. Jagt den Blutdruck in die Höhe. Bringt das Herz zum Stolpern. Trocknet den Körper aus. Ach ja, und Krebs und Diabetes verursacht er natürlich auch… Kein Wunder, dass viele Ärzte bei der Frage nach dem Kaffeekonsum einen ähnlich besorgt-strengen Blick aufsetzen wie bei der nach Zigaretten und Schnaps.

Doch wie ungesund ist das zweitbeliebteste Getränk der Deutschen wirklich? Oder, besser gesagt: wie gesund? Denn wenn man den Schlagzeilen der Wissenschaftsseiten glaubt, ist Kaffee nicht nur von den meisten Vorwürfen freigesprochen – sondern soll sogar vorbeugende und heilende Kräfte besitzen. Zum Beispiel, da sind sich die Forscher einig, erhöht regelmäßiger Kaffeegenuss weder den Blutdruck noch räubert er Flüssigkeit. Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung, löst Kaffee nach neuesten Erkenntnissen ebenfalls nicht aus. Und "süchtig" macht er erst recht nicht – auch wenn Menschen, die viel Kaffee trinken, manchmal der Schädel brummt, sobald sie zwei Tage damit aussetzen.


Schützt Kaffee vor Diabetes?

Dagegen scheint das Risiko für bestimmte Krebsformen, etwas für Darm- oder Leberkrebs, bei Kaffeetrinkern sogar geringer zu sein als bei Kaffee-Abstinenzlern. Die vielleicht spannendste Entdeckung der Wissenschaftler: Wer drei bis vier Tassen Kaffee am Tag trinkt, hat ein rund 25 Prozent geringeres Risiko, Typ-2-Diabetes zu bekommen. Statistisch senkt jede pro Tag getrunkene Tasse das Diabetesrisiko um ganze sieben Prozent.

Woran das liegt, darüber rätseln die Forscher allerdings noch. Das Koffein, so viel steht fest, dürfte es nicht sein. Nicht nur, weil der diabetesschützende Effekt unabhängig davon war, ob die Studienteilnehmer koffeinfreien oder koffeinhaltigen Kaffee bevorzugten.

Am Koffein liegt es nicht

Im Gegenteil scheint Koffein sogar eher ungünstig zu wirken: Untersuchungen zeigten nämlich, dass es, zumindest in hoher Dosis, den Blutzucker in die Höhe treiben und die Insulinempfindlichkeit herabsetzen kann. "Der diabetesschützende Effekt dürfte eher mit anderen im Kaffee enthaltenen Substanzen zusammenhängen", vermutet Dr. Christian Herder vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf, der zu diesem Thema schon geforscht hat.

Herder tippt unter anderem auf sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Polyphenole. Zu ihnen gehört etwa die im Kaffee reichlich enthaltene Chlorogensäure. Polyphenole können die Bauchspeicheldrüse stimulieren, mehr Insulin auszuschütten, und so den Blutzuckerspiegel senken. "Allerdings", so Dr. Bettina Nowotny vom Deutschen Diabetes-Zentrum, "enthält Kaffee viele Einzelsubstanzen, die sich kaum getrennt untersuchen lassen, den Zuckerstoffwechsel möglicherweise ebenfalls beeinflussen und sich in ihren Wirkungen addieren."

Fakt scheint jedenfalls zu sein: Regelmäßiger Kaffeekonsum kann die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen verbessern. Das Hormon schleust den Zucker dadurch leichter in Leber und Muskeln, sodass der Blutzuckerspiegel sinkt. Eine erniedrigte Insulinempfindlichkeit gilt als Vorstufe des Typ-2-Diabetes. So ließe sich erklären, warum Kaffeetrinker seltener Diabetes bekommen.

Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass regelmäßiger Kaffeekonsum auch die Konzentration von Entzündungsstoffen im Blut senkt. Diese im Bauchfett gebildeten Substanzen fördern nicht nur Krankheiten wie Diabetes, sondern gelten auch als Wegbereiter einer Arterienverkalkung.

Kaffee entschärft freie Radikale

Auch der bei Diabetes erhöhte "oxidative Stress" durch freie Sauerstoffradikale, die die Zellen attackieren, wird vom Kaffee gebremst. Diese Beobachtungen könnten begründen, warum kaffeetrinkende Diabetiker seltener an einem Herzinfarkt sterben als Diabetiker, die wenig oder keinen Kaffee trinken.

Soll also, wer Diabetes hat oder gefährdet ist, künftig auf Kaffee umsteigen – oder seinen Konsum hinaufschrauben? "Für einen solchen Rat ist es definitiv zu früh", sind sich Nowotny und Herder einig. Dazu seien noch mehr Studien nötig, die die komplexen Zusammenhänge weiter erhellen. Zumindest eines würden sie aber nicht tun: Diabetikern raten, auf Kaffee zu verzichten.

Italienische Kaffee-Varianten

Kaffeestudien beschäftigen sich vor allem mit gebrühtem Filterkaffee. Für Espresso & Co. fehlen aussagekräftige Ergebnisse. Milch scheint die antidiabetische Wirkung von Kaffee übrigens nicht zu verändern, liefert aber Kalorien und Kohlenhydrate. Ein Cappuccino schlägt mit etwa einer halben BE/KE, eine Latte macchiato sogar mit einer BE/KE zu Buche






Bildnachweis: W&B/Brigitte Sporrer

Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber; 09.08.2011, aktualisiert am 23.08.2011
Bildnachweis: W&B/Brigitte Sporrer

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