Topinambur: Die Diabetiker-Kartoffel

Topinambur steckt voller Ballaststoffe, hat wenig Kalorien und beeinflusst den Blutzucker kaum. Kurzum: das nahezu perfekte Lebensmittel bei Typ-2-Diabetes. Wissenswertes, plus drei Rezepte

von Andrea Grill, aktualisiert am 18.01.2016

Die Blütenfarbe verät es: Topinambur gehört zur Gattung der Sonnenblumen

dpa Picture-Alliance GmbH/Michael Hanschke

Eine Zierde im herbstlichen Gartenbeet sind die dürren Stängel nicht gerade. Aber Claudia Klinger lässt sie ganz bewusst stehen. So weiß sie immer, wo sie graben muss, um die unterirdischen Schätze zu finden. Die Berlinerin, die in einem Internet-Tagebuch regelmäßig über ihre Gartenerlebnisse berichtet, baut Topinambur an: ein Wurzelgemüse, für das im November die Erntesaison beginnt.

Kaum Einfluss auf den Blutzucker

Andere Namen, unter denen Topinambur bekannt ist, sind zum Beispiel "Erdbirne" oder "Indianerknolle". Die Topinambur-Knollen werden aber auch gerne als "Dia­betiker-Kartoffeln" bezeichnet.


Mit Kartoffeln haben sie gemeinsam, dass sie unterirdisch wachsen, zu etwa 80 Prozent aus Wasser bestehen und sehr kalorienarm sind. "Außerdem wirkt sich Topinambur kaum auf den Blutzucker aus", sagt Ernährungsberaterin Claudia Funk aus Merzig. Denn die Kohlenhydrate in Tobinambur liegen als "Inulin" vor (nicht zu verwechseln mit dem Zuckerhormon Insulin). Zuckermoleküle aus Inulin werden vom Dünndarm kaum verdaut. "Dafür wirkt Inulin als Ballaststoff", erklärt Funk. Es bindet Wasser, quillt und macht so schneller satt. Ähnlich wie andere Ballaststoffe verzögert Inulin die Aufnahme von Zuckermolekülen ins Blut. Das ist ein weiterer Grund, weshalb der Blutzucker nach einem Topinambur-Gericht langsamer und schwächer steigt als nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit ohne Ballaststoffe.

Erst im Dickdarm wird Inulin von Bakterien gespalten. Die dabei freigesetzten Gase sind das einzige Manko des Topinambur: Sie können zu Blähungen führen, wenn man größere Mengen davon verspeist und nicht an eine ballaststoffreiche Ernährung gewöhnt ist.


Drei Rezepte mit Topinambur

Zwischen Delikatesse und Schweinefutter

Schon lange bevor Christoph Kolumbus Amerika erreichte, bauten Indianer die Pflanze dort an. Auswanderer brachten sie im 17. Jahrhundert nach Europa, wo Topinambur im Laufe der Zeit eine bewegte Geschichte durchlebte: zunächst als Delikatesse für den französischen Adel, später als Schweinefutter, in den Nachkriegsjahren als Not-Nahrung für die Hunger leidende Bevölkerung. Heute führt Topinambur ein Nischen­dasein. Wer danach sucht, wird vor allem in Bio­läden, Gemüsegeschäften oder auf Wochenmärk­ten fündig.

Zubereiten kann man die Knollen ähnlich vielseitig wie Kartoffeln: als Suppe, gebraten, zu Auflauf oder Püree verarbeitet oder in dünnen Scheiben im Ofen zu Chips gebacken. Im Gegensatz zu Kartoffeln schmeckt Topinambur auch roh im Salat. Sein Aroma ist mild und nussig, ähnlich wie das von Artischocken, dabei aber leicht süß. Allerdings verliert sich das Aroma schnell, wenn die Knollen nach der Ernte austrocknen. Daher sollte man sie in Folie wickeln, kühl lagern und innerhalb einer Woche zubereiten.



Bildnachweis: W&B/Stephan Höck, dpa Picture-Alliance GmbH/Michael Hanschke, W&B/Carsten Eichner

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