Für Fußpilz interessieren sich nicht allzu viele Wissenschaftler. Es gibt keinen Lehrstuhl, der sich damit befasst. Und nur wenige Experten forschen dazu. Zu ungefährlich, zu undramatisch ist die Erkrankung. „Fußpilz lässt sich zudem mit Medikamenten gut und ohne Nebenwirkungen behandeln“, sagt Professor Hans-Jürgen Tietz vom Institut für Pilzkrankheiten und Mikrobiologie in Berlin. Eigentlich muss sich also niemand besonders aufregen, wenn er sich ansteckt. Es sei denn, er hat Diabetes. Denn dann kann die an sich harmlose Infektion weitreichende Folgen haben. Und: Menschen mit Diabetes erkranken häufiger als andere an Fußpilz. Warum und wie Sie sich dauerhaft davor schützen können, lesen Sie hier.
Wo lauern die Pilze?
Fußpilz ist sehr ansteckend. In feuchtem Klima gedeihen die Sporen bestens, Temperaturen um die 25 Grad mögen sie am liebsten. Man findet sie häufig auf Hotelzimmerböden, in Sporthallen oder in Gemeinschaftsduschen: dort also, wo sich viele Menschen barfuß tummeln.
Infizieren sich Diabetiker häufiger?
Jeder dritte Deutsche hat Fußpilz. Gründe dafür gibt es viele. Zum Beispiel trendige Plastikclogs, die den Keimen perfektes Wohlfühlklima bieten. Auch in Schwimmbädern und Fitnessstudios, die immer mehr Besucher verzeichnen, reisen Pilzerreger gerne von einem barfüßigen Gast zum nächsten. Bei Diabetikern kommt hinzu, dass schlechte Zuckerwerte die Keimabwehr schwächen, sodass die Pilze sich leicht ansiedeln können – vor allem wenn die Haut an den Füßen trocken und rissig ist. Durchblutungsstörungen, bei Diabetes ebenfalls sehr häufig, senken die Hauttemperatur zudem in einen Bereich, der den Pilzsporen ideale Bedingungen bietet.
Warum schnelles Handeln wichtig ist
„Bei Diabetes muss Fußpilz sofort behandelt werden“, sagt Professor Tietz. Hier verläuft eine Infektion oft schwerer und breitet sich rasch aus. „Infizierte Stellen bieten ein Einfallstor für gefährliche Keime“, sagt Tietz. Er rät Diabetes-Patienten zudem, regelmäßig die Füße zu kontrollieren. Denn Nervenschäden (Neuropathie) können bewirken, dass sie erste Symptome, etwa Jucken und Brennen, nicht wahrnehmen.
Nie mehr Fußpilz! Wie beugt man vor?
Unbeschädigte, glatte Haut ist weniger anfällig für Fußpilz. „Wer Diabetes hat, sollte deshalb darauf achten, seine Füße gut zu pflegen“, sagt Tietz. Er empfiehlt außerdem, regelmäßig zum Podologen zu gehen. In öffentlichen Duschen, Umkleiden, in der Sauna oder im Hotel sollte man nicht barfuß laufen. Atmungsaktive Schuhe und Baumwollsocken (statt Kunstfasersocken) senken das Fußpilzrisiko ebenfalls. Besonders wichtig: Socken und Handtücher bei mindestens 60 Grad waschen und täglich die Strümpfe wechseln.
Welche Arzneimittel vertreiben Fußpilz?
„Gegen Fußpilz gibt es hochwirksame Arzneimittel“, sagt Professor Tietz. Sogenannte Antimykotika, etwa Ciclopirox, Clotrimazol, Bifonazol oder Terbinafin, hemmen das Wachstum der Pilze und töten sie ab. Ist der Fußpilz noch nicht zu weit fortgeschritten, reicht die äußerliche Anwendung. In seltenen Fällen muss man Tabletten nehmen. „Diabetiker sollten immer den Arzt fragen, welcher Wirkstoff sich eignet“, sagt Tietz. Sind die Symptome verschwunden, sollte man die Behandlung noch zwei Wochen fortsetzen. Wer sich vor neuer Ansteckung schützen will, cremt nach einem Schwimmbad- oder Studiobesuch die Füße vorsorglich mit einem Antimykotikum ein. „Die Keime können keine Resistenzen gegen Wirkstoffe entwickeln“, sagt Tietz.
Was tun bei Nagelpilz?
Breitet sich Fußpilz aus, kann er auch die Nägel befallen. „Die Behandlung ist schwierig und langwierig“, sagt Tietz. „Sie gehört bei Diabetes immer in die Hand eines Arztes und eines Podologen.“ Typische Symptome: brüchige, fleckige Nägel, die sich verdicken. Um den Pilz loszuwerden, fräst der Podologe den Nagel ab. Dabei kann er auch Harnstoff verwenden, der den Nagel weich macht. Anschließend werden die befallenen Nägel mehrere Monate mit wasserlöslichem Lack oder Cremes, die Antimykotika enthalten, behandelt. Manchmal müssen Patienten zusätzlich Anti-Pilzmittel einnehmen.
Anne-Bärbel Köhle / Diabetes Ratgeber;
24.05.2012
Bildnachweis: Fotolia/Ohmid Mahdawi
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