Arthrose: Was Patienten selbst tun können

Bewegung, Abnehmen, Hilfsmittel: Wie Betroffene bei Arthrose dem Gelenkverschleiß entgegenwirken und Beschwerden im Alltag verringern können
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 23.03.2017

Schwerelos im Wasser: Schwimmen tut bei Arthrose meist gut

iStock / Tom Merton

Der wichtigste Ratschlag, den er einem Menschen mit Arthrose geben würde? Professor Johannes Stöve muss für die Antwort nicht lange überlegen. "Das betroffene Gelenk viel bewegen, aber wenig belasten", sagt der Chefarzt der Orthopädischen und Unfallchirurgischen Klinik am St. Marienkrankenhaus in Ludwigshafen.

Es ist ein naheliegender Impuls, bei Arthrose das betroffene Gelenk zu schonen. Gerade, wenn der beschädigte Knorpel Schmerzen verursacht. Tatsächlich ist aber das Gegenteil wichtig: Patienten sollten das Gelenk so viel wie möglich schonend bewegen. Zum einen wird bei Aktivität der Gelenkknorpel vermehrt mit Nährstoffen versorgt, zum anderen die Muskulatur um das Gelenk gekräftigt, was für mehr Stabilität sorgt und die Belastung verringert. So kann körperliche Aktivität eine Arthrose zwar nicht heilen, aber die Beschwerden verringern.


Sanfte, gleitende Bewegungen

Etwa fünfmal pro Woche etwa 30 Minuten aktiv zu sein gilt als ideal. Welche Intensität dabei als empfehlenswert gilt, hängt stark vom Einzelfall ab. Patienten sollten das mit dem behandelnden Arzt absprechen. "Lieber mehrere kurze Einheiten machen als eine lange", sagt Stöve. Auch schweißtreibender Sport muss nicht sein. Ein Spaziergang reicht schon aus, um das Gelenk zu schmieren.

Gut sind bei Arthrose alle Sportarten mit gleitenden Bewegungen, die ohne Stoß- oder Spitzenbelastungen auskommen. Dazu zählen Walking, Radfahren und Schwimmen. Actionreiche Sportarten wie Fußball oder Tennis mit ihren kurzen Spurts und Richtungswechseln sind dagegen eher schädlich. Dass das betroffene Gelenk sich beim Aktivsein auch einmal bemerkbar macht, ist bis zu einem gewissen Grad normal. Starke oder länger anhaltende Schmerzen sollten Patienten aber mit dem Arzt abklären ebenso wenn das Gelenk anschwillt oder sich stark erwärmt.


Übergewicht abbauen

Je mehr Gewicht die Waage anzeigt, desto mehr Last haben Knie und Hüfte zu schultern. Überzählige Kilos loszuwerden trägt deswegen dazu bei, die Beschwerden einer Arthrose zu bremsen. Das ist meist leichter gesagt als getan. Arthrosepatienten sprechen am besten mit ihrem Arzt, wie sie das Projekt Abnehmen angehen. Besser als kurzfristige Diäten ist meist eine langfristige Lebensstiländerung mit gesunder, abwechslungsreicher Ernährung und viel Bewegung.

Davon abgesehen ist keine spezielle Arthrose-Ernährung nötig. Menschen mit Gelenkverschleiß sollten nur wie alle anderen insgesamt gesund und ausgewogen essen. Das heißt: viel Obst und Gemüse, Fleisch nur in Maßen, Fette bevorzugt aus pflanzlichen Quellen, bei Getreideprodukten lieber zur Vollkornvariante greifen.

Besonders wichtig ist eine gesunde Ernährungsweise bei Arthrose für Diabetespatienten. "Diabetes ist ein Risikofaktor dafür, dass eine Arthrose schneller voranschreitet", sagt Stöve. Der Mechanismus dahinter ist nicht ganz klar. Vermutlich spielen Durchblutungsstören und Nervenschäden dabei eine Rolle. Beides kann bei Diabetes als Folge erhöhter Zuckerwerte auftreten. Wer mit gesunder Ernährung und dem Abbau von Übergewicht seinen Diabetes besser einstellt, profitiert bei Arthrose also gleich doppelt.


Schmerzmittel mit Bedacht einsetzen

Verschiedene Medikamente können akute Beschwerden bei Arthrose lindern. Beliebt sind vor allem die nicht-steroidalen Antirheumtika (NSAR). Sie hemmen sowohl Schmerzen als auch Entzündungen. Pille einwerfen, weg ist der Schmerz: Das klingt verlockend, ein Allheilmittelmittel bei Arthrose sind die Arzneien aber nicht, da oft Nebenwirkungen auftreten. Vor allem Magen und Darm sind häufig betroffen. Seltener sind zum Beispiel Nierenprobleme und Blutdruckerhöhungen möglich.

"Hin und wieder sind Schmerzmittel in Ordnung, man sollte sie aber nicht regelmäßig einnehmen", sagt Arthrosespezialist Stöve. Er rät dazu, die Einnahme der Medikamente unbedingt mit dem Hausarzt abzuklären. Dieser kann das im Einzelfall am besten passende Schmerzmittel auswählen und gegebenenfalls einen Magenschutz verschreiben. Eine Alternative zu den NSARs bilden Opioide. Sie sollten aber nur bei stärkeren Arthroseschmerzen eingesetzt werden wenn andere Maßnahmen nicht möglich oder nicht mehr wirksam sind und sind ebenfalls nicht frei von Nebenwirkungen.

Hilfsmittel bei Arthrose

Je nach betroffenem Gelenk machen zudem verschiedene Utensilien das Leben mit Arthrose leichter. Zum Teil übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Bei Finger- und Handarthose lassen sich etwa mit Knöpf- oder Greifhilfen und Griffverstärkern unnötige Belastungen vermeiden. Bei Verschleiß an Knie- oder Hüfte unterstützt ein Gehstock das Gelenk. Wichtig ist zudem gutes Schuhwerk. "Der Schuh sollte Stabilität geben und weich sitzen, um die Scherkräfte auf das betroffene Gelenke zu verringern", sagt Stöve. Auch Spezial-Einlagen können für Entlastung sorgen.

Therapiemöglichkeiten ausprobieren

Neben Physiotherapie und klassischer medikamentöser Behandlung gibt es eine Reihe weiterer Verfahren, die im Einzelfall bei Arthrose helfen können. Zu diesen zählen Wärme- und Kältebehandlungen. Letztere können Patienten eigenständig daheim ausprobieren. "Einfach einen Quarkwickel auf das betroffene Gelenk legen", sagt Stöve. Die Kühle verringert akute Beschwerden. Schmerzlindernd wirken können zudem Akupunktur, die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS), Massagen, sowie Entspannungstechniken wie Qigong oder autogenes Training.

Eine einzelne Therapie reicht bei Arthrose meist nicht aus. "Patienten profitieren von einem bunten Blumenstrauß an Maßnahmen", sagt Stöve. Welche das für ihn sind, muss jeder nach Rücksprache mit seinem Arzt letztlich durch Ausprobieren selbst für sich herausfinden.



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