Cholesterin: So senken Sie die Blutfettwerte

Schlechte Cholesterinspiegel bedrohen Herz und Gefäße. Was dagegen hilft und welche Rolle die Ernährung spielt
von Dr. Sabine Haaß , 06.05.2016

Gutes Cholesterin, böses Cholesterin? Zu viel Fett schadet

Corbis/Vista Images/Ocean

Ohne Cholesterin läuft nichts. Tatsächlich findet man die fettähnliche Substanz fast überall im Körper: Sie stabilisiert die Wände unserer Zellen, sorgt dafür, dass das Gehirn richtig arbeitet, und dient als Baustoff für Gallensäuren, Geschlechtshormone und Vitamin D. Für den Körper ist Cholesterin sogar so wichtig, dass er sich nicht auf den Nachschub mit der Nahrung verlässt, sondern den größten Teil der täglich benötigten Menge selbst produziert – hauptsächlich in Leber und Darm.

LDL-Cholesterin: Zu viel davon schadet

Dennoch kann Cholesterin zu einem erheblichen Problem für unsere Gesundheit werden. Und zwar dann, wenn sich zu viel davon in der Blutbahn befindet. Wobei Cholesterin nicht gleich Cholesterin ist: Wenn von "Cholesterinproblemen" die Rede ist, ist in der Regel das sogenannte LDL-Cholesterin gemeint. LDL-Cholesterin gilt als einer der Hauptverursacher von Arterienverkalkung und ist daher mit schuld, wenn allein in Deutschland jährlich Hunderttausende Menschen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden.


Tatsächlich kamen zahlreiche große Studien in den vergangenen Jahrzehnten zu dem Ergebnis: Menschen, deren erhöhte LDL-Cholesterinspiegel gesenkt werden, erleiden deutlich seltener Herz-Kreislauf-Komplikationen. Daher bekommt heute fast jeder Patient, der mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert wird, einen "Lipidsenker" verordnet, wie die Blutfett-verbessernden Medikamente im Fachjargon heißen. In der Regel handelt es sich dabei um ein sogenanntes Statin.

Cholesterin: Zielwerte tiefer als früher

Dass Ärzte bei der Verschreibung von Blutfettsenkern so großzügig sind, liegt auch daran, dass Diät, Gewichtsabnahme und Bewegung die Cholesterinwerte zwar ebenfalls verbessern, aber meist nicht so deutlich, wie es gewünscht wird. Und weil immer mehr Studien den Nutzen der Blutfettsenkung bestätigt haben, wurden die Zielwerte in den vergangenen Jahren stetig nach unten korrigiert. So sollten beispielsweise Menschen mit diabetesbedingten Folgeschäden (etwa an Augen oder Nieren) ein LDL-Cholesterin von weniger als 70 mg/dl (1,8 mmol/l) haben. Kann dieses strenge Ziel nicht erreicht werden, sollte der Ausgangs-LDL-Wert wenigstens halbiert werden.

"Die Senkung erhöhter Cholesterinwerte ist umso wichtiger, je höher das individuelle Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten ist", sagt Stoffwechselspezialist Professor Martin Merkel von der Hamburger Asklepios Klinik St. Georg.

Gute Cholesterinwerte bei Diabetes besonders wichtig

Bei Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Dia­betes ist die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, mindestens doppelt so hoch wie bei Nicht-Dia­­betikern. Was einer der Gründe dafür ist, dass die Cholesterinwerte bei Diabetes so gut wie möglich eingestellt werden sollten. "Wobei es natürlich wichtig ist, auch andere Risikofaktoren für Gefäßverkalkung zu minimieren", so Experte Merkel. Sprich: für gute Blutdruckwerte zu sorgen, Übergewicht zu vermeiden, sich viel zu bewegen und, natürlich, nicht zu rauchen.

Wer sich daran hält, profitiert gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn regelmäßige Bewegung und der Abbau von Übergewicht senken nicht nur das schädliche LDL-Cholesterin sowie erhöhte Blutdruck- und Zuckerwerte. Sie erhöhen auch, zumindest in gewissem Umfang, das sogenannte "gute" HDL-Cholesterin.


HDL-Cholesterin, so die unter Wissenschaftlern vorherrschende Mei­nung, bewirkt in den Adern das Gegenteil des LDL-Cholesterins: Es schützt vor Verkalkung und senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme. Was den Effekt auf das HDL-Choles­terin betrifft, ist regelmäßige Ausdauer­bewegung kaum zu toppen: Denn diese kann das "gute" Blutfett zumindest in gewissem Rahmen erhöhen, während es bislang keine Medikamente gibt, die das HDL-Cholesterin so effektiv erhöhen, wie sie das LDL-Choles­terin senken.

Statine: Medikamente gegen hohes Cholesterin

Durch die Einnahme eines Statin-Präparats (die Wirkstoffnamen enden typischerweise auf "-statin") lassen sich die LDL-Cholesterinwerte dosisabhängig um mehr als 50 Prozent senken. Meis­tens werden diese Medikamente, die allein in Deutschland mittlerweile rund vier Millionen Menschen einnehmen, gut vertragen. Bei etwa zehn Prozent kann es allerdings als Nebenwirkung zu Muskelbeschwerden und manchmal auch zu einem Anstieg der Leberwerte kommen.

Zwar zeigen viele Studien, dass die Behandlung mit einem Blutfettsenker das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich verringert. Was aber bis heute nicht überzeugend geklärt werden konnte, ist, ob dabei auch andere Faktoren eine Rolle spielen. So gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass Statine unabhängig von ihrer Wirkung auf das Cholesterin auch dazu beitragen, Kalkablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen direkt zu beeinflussen. Möglicherweise stabilisieren sie diese Plaques, sodass sie nicht mehr so leicht aufreißen und dadurch einen akuten Gefäßverschluss auslösen können.

Es gibt noch verschiedene andere Medikamente, die die Blutfettwerte beeinflussen. Ihre Wirkung ist jedoch deutlich weniger ausgeprägt. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn ein Statin allein den gewünschten Effekt nicht erzielt. Auch die rezeptfrei erhältlichen Omega-3-Fettsäuren können das gefährliche LDL-Cholesterin nicht nennenswert senken. Sie scheinen aber zumindest andere Blutfette, die sogenannten Triglyzeride ("Neutralfette"), etwas verbessern zu können. Diese sind bei Dia­­betes auch oft erhöht – und ihnen werden ebenfalls schädliche Wirkungen auf die Gefäße und die Durchblutung nachgesagt. Wer Omega-3-Fettsäuren einnehmen möchte, sollte vorher mit seinem Arzt darüber sprechen.

Was gesunde Ernährung bewirken kann

Menschen mit einem Cholesterinproblem wird zwar geraten, ihre Ernährung anzupassen und vor allem tierische Fette und cholesterinreiche Lebensmittel möglichst zu meiden. Wunder darf man davon aber nicht erwarten, zumindest was den Cholesterin­spiegel betrifft.

Mit einer Umstellung der Ernährung lässt sich meist nur eine moderate Senkung des LDL-Cholesterins erzielen – was im Einzelfall jedoch durchaus reichen kann, um den Wert in den gewünschten Bereich zu bringen. Dass eine cholesterinarme Diät nicht mehr bewirkt, liegt daran, dass der Körper das meiste Cholesterin selbst herstellt. ­Diese "Eigenproduktion" lässt sich in der Regel nur mit Medikamenten, insbesondere den Statinen, deutlich bremsen. Eine fettarme Ernährung hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie erleichtert den Abbau von Übergewicht und hilft so dabei, auch zwei andere wichtige "Gefäßkiller" zu entschärfen: Dia­betes und Bluthochdruck. Und wenn die Zucker- und Blutdruckwerte stimmen, ist ein (leicht) erhöhtes Cholesterin schon nicht mehr ganz so schlimm.



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