Fettleber: Was tun?

Eine verfettete Leber schädigt auf vielfältige Weise den Stoffwechsel. Wie Sie mit der richtigen Ernährung und Abnehmen das Organ schützen
von Dr. Sabine Haaß, aktualisiert am 24.05.2017

Kaffee kann Studien zufolge die Leberwerte verbessern

Thinkstock/Wavebreak Media

Bis vor ein paar Jahren quittierten viele Ärzte die Diagnose "Fettleber" höchstens mit einem Achselzucken. Sie galt als ebenso häufig wie harmlos, oft nur zufällig bei einer Routine-Untersuchung per Ultraschall festgestellt.

Jeder Dritte hat eine Fettleber

Häufig ist die Leberverfettung tatsächlich – was damit zusammenhängt, dass sehr viele Menschen übergewichtig sind. Etwa ­jeder dritte Erwachsene hierzulande hat eine Fettleber; erkennbar ­daran, dass das Organ im Ultraschall heller und größer aussieht als eine gesunde Leber. Weil eine Leberverfettung jedoch oft keine Beschwerden macht, mitunter nicht einmal Spuren im Blut hinterlässt, maß man dem Befund keine große Bedeutung bei.

Diese Aufgaben erfüllt die Leber im Körper

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Kläranlage

Medikamente, Alkohol und giftige Stoffwechselprodukte baut die Leber ab und entsorgt sie: Abfallstoffe gelangen über das Blut in den Urin oder mit der Gallenflüssigkeit in den Darm und werden ausgeschieden

Wertstoffspeicher

Zucker, Eiweiß, Fett, Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen lagert die Leber in ihre Zellen ein. Bei Bedarf versorgt sie den Körper mit dem entsprechenden Stoff

Kontrollstelle

Wenn nötig, gibt die Leber Zucker ins Blut ab: etwa wenn der Verbrauch beim Sport stark steigt, wenn man länger nichts isst (nachts) oder bei einer Unterzuckerung

Chemiefabrik

Die Leber produziert Gallenflüssigkeit, Cholesterin und Hormone, dazu Eiweißstoffe für die Blutgerinnung oder für den Transport verschiedener Substanzen im Blut

Abwehrspezialist

In der Leber werden Eiweißstoffe hergestellt, die das Immunsystem bei der Abwehr schädlicher Viren und Bakterien unterstützen

W&B / Dr. Ulrike Möhle

Eine Einschätzung, die sich mittlerweile, etliche Studien später, deutlich geändert hat. "Heute weiß man, dass eine Fettleber keineswegs harmlos ist", sagt Privatdozent Dr. Jörn Schattenberg, Facharzt für innere Medizin und Leberspezialist an der Universitätsmedizin Mainz. "Wer eine Fett­leber hat, erkrankt zum Beispiel wesentlich öfter an Typ-2-Dia­betes."

Verantwortlich sind vermutlich Botenstoffe, die vom Leberfett gebildet werden. Sie verschlechtern unter anderem die Insulinempfindlichkeit und lassen die Gefäße schneller verkalken. Mit etwas Pech bleibt es zudem nicht bei ­einer Verfettung des Bauchorgans. Bei einem Teil der Betroffenen entzündet sich die Leber, es entwickelt sich eine Fett­leber-Hepatitis. "Steuert man spätestens jetzt nicht gegen, droht ein fortschreitender Leberschaden, bei dem das Organ zunehmend verhärtet und seine Funktion einbüßt", sagt Professor Andreas Geier, Leiter des Leberzentrums am Würzburger Universitätsklinikum. Am Ende vernarbt die Leber (Zirrhose), und auch das Risiko für Leberkrebs nimmt zu.


Drei Erkrankungen der Leber

"Neben der Gefahr, dass es bei Fett­leber-Patienten zu einem solchen Leberschaden kommt, besteht obendrein ein hohes Risiko, einen – durch die Fett­leber mitbedingten – Herzinfarkt zu erleiden", sagt Experte Jörn Schattenberg.

Ursachen der Fettleber ermitteln

Erkannt wird die Fettleber oft, weil der Arzt nach einer Erklärung für erhöhte Leberwerte sucht oder weil aus anderen Gründen eine ­­Ultraschalluntersuchung notwendig wird.

Steht ein Leberschaden fest, müssen weitere Ursachen ausgeschlossen werden, die eventuell gezielt behandelt werden müssen. Das reicht von übermäßigem Alkoholkonsum über Leberentzündungen durch Viren bis zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.

Was Sie darüber hinaus selbst tun können, um Ihre Leber zu entlasten? Eine ganze Menge.


So schützen Sie Ihre Leber

1. Übergewicht abbauen

Zu viele Pfunde, vor allem am Bauch, begünstigen die Ansammlung von Fett in der Leber. "Ein Gewichtsverlust von fünf Prozent reicht schon, um Leberfett abzubauen", sagt Jörn Schattenberg. Wirksam gegen Leber­fett, so Andreas Geier, ist besonders ein kalorienarmes Abendessen.

2. Auf Vollkorn umsteigen

Kohlenhydrate aus Weißmehl, etwa in Weißbrot, Nudeln oder Reis, fördern die Einlagerung von Fett in der Leber, weil sie den Blutzucker schnell steigen lassen. Die "überschüssige" Energie, die dabei entsteht, wandelt der Körper zum Teil in Leber­fett um. Bevorzugen Sie Vollkornprodukte, die den Blutzucker langsamer erhöhen.

3. Sparsam mit Fruchtzucker umgehen

Ein Zuviel an Fruchtzucker (Fruktose) begünstigt ebenfalls Fetteinlagerungen in der Leber. Fruktose steckt in vielen Süßwaren, Müslis, Tütensuppen, Ketchup und Getränken. Stehen Fruktose, Fruktose-Glukose-­Sirup, Maisstärkesirup oder Fruchtsüße auf der Zutatenliste, lassen Sie das Produkt lieber im Regal. Auch Obst enthält Fruchtzucker. Verzehren Sie nicht mehr als ein Stück oder eine Handvoll auf einmal.

4. Aktiver leben

Bewegung lässt Leberfett rasch schmelzen. Geeignet sind Ausdauersport­­arten wie Walken, Wandern oder Radfahren, aber auch Krafttraining, zum Beispiel im Fitnessstudio. Ideal wären mindestens 30 Minuten am Tag.

5. Auf Softdrinks verzichten

Süße Getränke wie Limo oder Fruchtsaft enthalten viel Zucker: sowohl Frucht- als auch Traubenzucker, die schnell ins Blut gelangen und dadurch die Einlage­rung von Leberfett fördern. "Zum Durst­löschen", so Andreas Geier, "sollten Sie lieber Wasser oder Mineralwasser trinken."

6. Alkohol in Maßen trinken

Alkohol belastet die Leber. Gehen Sie daher maßvoll damit um. "Bei einer Fettleber lässt man am besten die Finger davon", rät Jörn Schattenberg.

7. Kaffee genießen

Studien haben gezeigt, dass schon drei Tassen Kaffee am Tag die ­­Leberwerte verbessern können. Warum, ist unklar. Womöglich sind sekundäre Pflanzenstoffe im Kaffee der Grund dafür.

8. Die richtigen Fette wählen

Zum Leberfett tragen ­gesättigte tierische Fette aus Fleisch, Wurst und Milchprodukten bei. Verwenden Sie fettarme Sorten, und ersetzen Sie tierische Fette möglichst oft durch pflanz­liche Öle (Vorsicht: Sie enthalten ebenfalls viele Kalorien). Als günstig hat sich die Mittelmeerkost erwiesen: wenig Wurst und Fleisch, dafür regelmäßig Fisch, ca. fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag. Nicht nur die Leber, sondern auch Herz und Kreislauf werden es Ihnen danken!



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