Hirschhausen-Kolumne: Über Diabetes lachen?

Darf man über Krankheiten wie Diabetes lachen? Darüber sinniert Eckart von Hirschhausen im ersten Teil einer neuen Serie
von Eckart von Hirschhausen, 18.05.2017

Wie Kindern Gemüse schmackhaft machen? Eckart von Hirschhausen hat eine Idee

W&B/Martina lbelherr/istock/mrdoomitz

Es freut mich sehr, dass ich im Diabetes Ratgeber wieder eine Kolumne rund um Gesundheit und Lebensfreude für Sie schreiben kann. Einige werden sich erinnern, dass ich Sie vor Jahren schon einmal beglücken durfte, mit einer Kolumne über Glücksmomente. Seit Langem mache ich nun schon medizinisches Kabarett. Und von Anfang an wird mir eine Frage gestellt, die ich auch gerne an den Anfang dieser Kolumne stellen möchte: Darf man über Krankheiten lachen?

Meine Meinung: Man darf nicht nur, man muss! Denn alles, wovor wir uns fürchten, wird erträglicher, wenn wir es mit Humor betrachten. Ein großes Vorbild dieser Haltung ist für mich Karl Valentin, der sagte: "Wenn es regnet, freue ich mich. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch."


Sich zu freuen und zu lachen heißt ja nicht, die schwierigen und schmerzhaften Seiten des Lebens auszublenden. Die gibt es sowieso, aber sie werden nicht weniger schwierig, wenn wir uns ständig nur beschweren, dass die Welt anders ist, als wir uns das gewünscht haben. Das Leben ist kein Ponyhof, Diabetes kein Zuckerschlecken – aber gerade aus den Widersprüchen des Lebens schöpft der Humor sein Potenzial. Neulich las ich ein Graffiti: "Realität ist da, wo der Pizzabote herkommt." Lustig – und richtig. Denn ein Blick in die Realität genügt, um zu sehen: Kaum eine Erkrankung nimmt derartig zu und lässt viele Menschen gleichzeitig auf eine so seltsame Art unberührt wie Diabetes. Wenn ich ehrlich bin, schiebe ich seit einigen Jahren auch eine kleine Kugel vor mir her. Noch sind meine Blutzuckerwerte okay, aber ich weiß, dass ich selbst zur Risikogruppe gehöre. Daher weiß ich auch, dass Wissen allein nicht ausreicht, um Verhalten zu ändern. Manchmal hilft Lachen mehr.

Ich habe im Medizinstudium viel über Stoffwechselvorgänge, Biochemie und Pharmakologie gelernt. Alles wichtig. Nur warum, mich eingeschlossen, mehr als die Hälfte der Menschen mehr Nährstoffe in sich hineinstopft, als sie braucht – darüber schweigt ein Großteil der Wissenschaftler bis heute. Gesundheit findet im Alltag statt, da, wo der Pizzabote im Handy gespeichert ist und das Blutzuckerheft kurz vor dem nächsten Arztbesuch rückwirkend ausgefüllt wird. Komisch und traurig, alles beide. Und so habe ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht, mit Humor über das Thema Gesundheit zu reden und den Zeigefinger nicht zum Drohen, sondern zum Kitzeln zu verwenden. Denn beim Lachen nimmt man ab! Nicht weil man dabei so sagenhaft viele Kalorien verbrauchen würde, sondern weil man beim Lachen nicht essen kann.

Auch in der Erziehung zu gesundem Essverhalten kommt man mit Humor ein bisschen weiter. Ein Beispiel: Seit Jahren ist klar, dass Zuckerbrause dick macht, mit oder ohne Koffein. Wer jemals im Sommer abgestandene Cola im Mund hatte, weiß: So toll ist das Zeug nicht. Der einzige Grund, weshalb Cola getrunken wird, ist doch, dass wir das Zeug als Kinder nicht haben durften. Damals grub sich tief in unser vierjähriges Hirn: Wenn ich der Bestimmer bin, dann kauf ich mir das. Es funktioniert – weltweit.

Liebe Eltern, wenn Sie wollen, dass Ihr Kind sich später gesund ernährt, verbieten Sie weder Schokolade noch Cola, sondern ab sofort konsequent Brokkoli. Mit den gleichen Sprüchen: "Gemüse ist nichts für Kinder, du verträgst das nicht. Wenn du größer bist, dann darfst du auch Gemüse essen." Bis hin zu: "Wenn du das Eis ganz aufgegessen hast und die Zweiliterflasche Cola leer ist, dann gibt es Brokkoli. Aber auch nur ein kleines Stück. Und pass auf, dass der Papa das nicht sieht!" Das Prinzip ist uralt. Wie hat Gott versucht, Adam und Eva zu gesunder Ernährung zu verführen? Er hat den Apfel verboten. Lustig. Aber es funktionierte. Sonst wären wir noch im Paradies.


Tipp: Die neueste Folge der Hirschhausen-Kolumne finden Sie immer in der aktuellen Ausgabe des Diabetes Ratgeber, der in Ihrer Apotheke erhältlich ist.


W&B/Pressestelle/Michael Zargarinejad

Eckart von Hirschhausen ist Mediziner, Kabarettist, Autor und Moderator. Zuletzt erschien sein Buch "Wunder wirken Wunder" (Rowohlt Verlag). Mehr zum aktuellen Programm: www.hirschhausen.com



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