"Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet"

Das Projekt "Arzt mit Humor" bringt gute Laune in Kliniken und Praxen. Wir fragen die Initiatoren, warum uns das gesünder macht

von Simone Herzner, aktualisiert am 29.12.2016

Katrin Hansmeier und Christoph Krause wollen mehr Humor in die Medizin bringen

W&B/Sven Döring

Frau Hansmeier, Sie engagieren sich als Humortrainerin dafür, dass in der Medizin mehr gelacht wird. Warum?


Katrin Hansmeier ist Trainerin am Deutschen Institut für Humor

W&B/Sven Döring

Der humorvolle Umgang miteinander ist ein Ausdruck von Respekt, seine Grundlage ist Empathie. Humor ermöglicht es, Schwierigkeiten mit einer heiteren Gelassenheit zu begegnen. Er schafft Vertrauen und macht Medizin menschlicher!

Herr Dr. Krause: Können Sie als Arzt bestätigen, dass Lachen gesund ist?

Lachen kann keine Krankheiten heilen. Aber es senkt zum Beispiel den Blutdruck und verbessert die Sauerstoffversorgung. 20 Sekunden Lachen hat denselben Effekt wie drei Minuten schnelles Rudern. Es aktiviert 80 Muskeln im Körper.


Lehrfach: Lachen

Das Leipziger Projekt "Arzt mit Humor" will Medizin humorvoller und menschlicher gestalten. Humortrainer geben seit 2012 Seminare für Medizinstudenten, Ärzte und Pflegekräfte, halten Vorträge auf Kongressen und bilden Praxisteams weiter. Ärzte erhalten für die Teilnahme sogar Fortbildungspunkte von der Landesärztekammer Sachsen.


Dr. Christoph Krause gründete mit Katrin Hansmeier das Projekt "Arzt mit Humor"

W&B/Sven Döring

Haben Ärzte zu wenig Humor?

Christoph Krause: Nein, nur leider oft den falschen. Der Chirurg macht lieber Witze über den Anästhesisten als mit ihm – und umgekehrt. Es ist einfacher, Witze auf Kosten anderer zu machen. Die Hierarchien in Kliniken machen es dem gesunden Humor zusätzlich schwer. Dabei hilft Humor den Ärzten bei der Arbeit. Leider kommt der empathische Umgang mit Patien­ten schon im Studium zu kurz.

Wie funktioniert "guter" Humor?

Katrin Hansmeier: In der Humorforschung unterscheiden wir sozialen und aggressiven Humor. Sozialer Humor stellt Nähe her und wertet auf. Ein Beispiel: Dem Patienten fällt ein Glas Wasser herunter, und der Arzt oder Pfleger macht ein humorvolles Kompliment: "Sie können aber gut loslassen." Aggressiver Humor schafft Distanz und verletzt: "In Ihrem Alter kann man eben nicht mehr so gut das Wasser halten."

Wie setzen Sie sozialen Humor im Krankenhausalltag um?

Christoph Krause: Ich suche und finde an jedem Patienten etwas, das mir richtig gefällt. Auch einstudierte Sprüche eignen sich, zum Beispiel beim Aufklärungsgespräch vor der Narkose: "Guten Tag, Frau Meier, Sie wollte ich schon immer mal kennenlernen!"

Katrin Hansmeier: Meine Oma lag mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus. Nach der OP sagte der Arzt zu ihr: "Die Narbe sieht gut aus. Sie übrigens auch!" Damit hat er es in fünf Sekunden geschafft, dass sie sich entspannt.

Kann man Humor überhaupt lernen?

Katrin Hansmeier: Jeder Mensch hat die Fähigkeit dazu. Wir trainieren Ärzte etwa, Humor bewusst und passend zur Situation einzusetzen. Zum Beispiel mit Übungen zur Spontaneität, Übertreibung und Überraschung.

Humorvoll sein: Das klingt einfach. Ist es das wirklich?

Katrin Hansmeier: Ich muss nur flexibel im Kopf sein und bereit, die Perspektive des anderen einzunehmen. Empathie auch mit sich selbst ist dafür Grundvoraussetzung.

Wie profitieren Patienten von Humor?

Katrin Hansmeier: Humor kann zum Beispiel helfen, mit Krankheiten umzugehen. Er erhält die Handlungsfähigkeit, setzt der Hilflosigkeit etwas entgegen.

Davon profitieren sicher auch die Ärzte?

Christoph Krause: Sie profitieren von entspannten Patienten, die ihrem Arzt vertrauen und seine Therapieempfehlungen besser befolgen.

Bitte ein Tipp: Was macht ein Patient, wenn er an einen humorlosen Arzt gerät?

Katrin Hansmeier: Ganz simpel – so wie der Arzt den Patienten, kann auch der Patient den Arzt zum Schmunzeln bringen.



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