Jeder vierte Klinikpatient hat Diabetes

22 Prozent der Menschen, die in einer Klinik behandelt werden, leiden an Typ-2-Diabetes. Das ergab eine Studie aus Tübingen. Die Zuckerkrankheit kann im Krankenhaus zu Komplikationen führen
von Stephan Soutschek, 01.09.2017

Diabetes erfordert vom Klinikpersonal besondere Betreuung

istock/Alex Raths

Wer sich zur Behandlung in einem Krankenhaus einfindet, leidet oft auch unter Diabetes. Forscher der Universität Tübingen hatten für eine Studie vier Wochen lang Patienten, die am örtlichen Uniklinikum aufgenommen wurden, gezielt auf einen Diabetes untersucht. Das Ergebnis: Bei 22 Prozent der Untersuchten lag die Zuckerkrankheit vor, bei fast jedem Vierten also. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Untersuchung im Journal "Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes".

Diabetes: Häufige Nebendiagnose im Krankenhaus

Das ist weit mehr, als es dem Bevölkerungsdurchschnitt entspricht. Hier gehen Schätzungen von rund sieben bis acht Prozent Betroffenen in der erwachsenen Bevölkerung aus. Die geballte Häufigkeit von Diabetikern im Krankenhaus überrascht aber nicht, da Typ-2-Diabetes oft im fortgeschritteneren Alter auftritt, in dem auch andere Gesundheitsprobleme häufig sind. Zudem kann ein Diabetes verschiedene Folgeleiden wie schwere Fußwunden nach sich ziehen, die eine Behandlung im Krankenhaus nötig machen.

Längere Klinikaufenthalte

"Patienten mit Diabetes bleiben im Schnitt 1,1 Tage länger im Krankenhaus als Patienten ohne Diabetes oder mit Prädiabetes", sagt Studienautor Professor Andreas Fritsche in einer Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Diabetes bedeutet für das Krankenhauspersonal oft eine besondere Herausforderung. Die Betreuer müssen die Krankheit bei Operationen und Nachsorge mitberücksichtigen, um etwa Blutzuckerentgleisungen oder andere Probleme zu vermeiden. In der Untersuchung traten bei 24 Prozent der Diabetiker Komplikationen auf, bei den Behandelten ohne Diabetes war das nur bei 15 Prozent der Fall.

Menschen mit Diabetes sollten sich vor einer geplanten Behandlung überlegen, in welche Klinik sie gehen möchten. Die DDG zeichnet Krankenhäuser mit dem Siegel "Klinik für Diabetespatienten geeignet" aus, die auf die Betreuung von Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes gut eingestellt sind (hier können Sie nach entsprechenden Kliniken suchen).

Diabetes-Test für alle über 50?

Zudem sollten Betroffene vorab mit ihrem Hausarzt oder Diabetologen besprechen, inwiefern die Behandlung während des Aufenthalts angepasst werden muss. Zudem ist es wichtig, bei der Aufnahme das Personal über den Diabetes zu informieren.

Fritzsche folgert zudem aus den Studienergebnissen, dass jeder Diabetespatient in der Klinik von Beginn an von einem Spezial-Team betreut werden sollte. Zudem sollten Ärzte bei jedem Menschen über 50 Jahren, der in ein Krankenhaus aufgenommen wird, einen Test auf die Zuckerkrankheit machen. In der Tübinger Untersuchung entdeckten die Wissenschaftler bei 3,7 Prozent der Patienten einen bis dahin nicht bekannten Diabetes.

Checkliste: Das brauchen Sie für die Klinik

  • Arztbriefe und Befunde für die geplante Operation
  • Krankenhauseinweisung, Versicherungskarte, Ausweis
  • Medikamentenplan (alle Medikamente, die Sie nehmen, auch rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke)
  • Diabetesbedarf (Messgerät usw.), Diabetestagebuch
  • Persönlicher Bedarf: Bademantel, Hausschuhe, Wäsche, Schlafanzug, Hygieneartikel; ggf. Brille, Hörgerät, Gehstock, Lesestoff

Quellen: Deutsche Diabetes Gesellschaft, Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes


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