Krebs: So verringern Sie Ihr Risiko

Verschiedene Faktoren rund um den Diabetes beeinflussen auch das Risiko für bösartige Tumore. Wie Sie selbst aktiv werden können
von Dr. Sabine Haaß, Anne-Bärbel Köhle, 17.07.2017

Viel Bewegung und gesundes Essen helfen, Krebs vorzubeugen

W&B/Martina Ibelherr

1. Der Faktor Diabetes

Erhöht Diabetes das Krebsrisiko? Eine Frage, die nicht eindeutig zu beantworten ist. Studien zeigen zwar, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger an bestimmten Krebsformen erkranken als Menschen ohne Diabetes. "Das gilt besonders für Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und Gebärmutterschleimhautkrebs", sagt Pro­­fessor Dr. Stephan Herzig, Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs am Helmholtz-Zentrum München. Aber ist tatsächlich der Diabetes schuld daran? "Es ist schwierig festzustellen, ob das Krebsrisiko wegen erhöhter Zuckerwerte steigt – oder aufgrund anderer Einflüsse, etwa von Übergewicht", sagt Stephan Herzig.


Die Chance: "Patienten mit Diabetes sind häufig beim Arzt und deshalb oft besser überwacht", sagt Dr. Karin Schlecht, Allgemeinärztin und Diabetologin in Eisenach. Die Chance ist also größer, dass ernste Erkrankungen entdeckt und dann gut und rechtzeitig behandelt werden können.

2. Der Faktor Übergewicht

Experten sind sich einig: Übergewicht erhöht das Krebsrisiko. Vor allem das Bauchfett, das die inneren Organe umgibt, scheint dabei eine unheilvolle Rolle zu spielen. Dort werden unter anderem Entzündungsbotenstoffe gebildet, die Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden fördern, die aber, so Experte Herzig, auch in Verdacht stehen, das Wachstum von Tumorzellen anzuregen.

Je ausgeprägter die Fettleibigkeit ist, desto mehr steigt deshalb auch das Krebsrisiko. "Nach Rauchen ist Übergewicht der zweitwichtigste Risikofaktor für Krebs", erklärt Diabetologin Karin Schlecht.

Die Chance: Übergewicht vermeiden – das senkt das Krebsrisiko. Wer zu viele Pfunde auf die Waage bringt, sollte daher unbedingt versuchen abzunehmen.


3. Der Faktor Diabetestabletten

Auch die Art der Diabetestherapie beeinflusst möglicherweise das Krebsrisiko. Zahlreiche Studien haben in den vergangenen Jahren Hinweise darauf erbracht, dass blutzuckersenkende Tabletten mit dem Wirkstoff Metformin das Risiko für bestimmte Krebsarten senken. "Auch das Sterberisiko von Krebspatienten scheint geringer zu sein, wenn sie damit behandelt werden", so Diabetologin Schlecht. Bewiesen ist der schützende Effekt von Metformin allerdings nicht.

Die Chance: Wegen der Hinweise auf den schützenden Effekt von Metformin sollte das Medikament in die engere Wahl gezogen werden, wenn Typ-2-Diabetes eine medikamentöse Behandlung nötig macht.


4. Der Faktor Insulin

In der Anfangsphase eines Typ-2-Diabetes wird der Körper oft regelrecht mit Insulin "geflutet". Weil die Zellen nicht richtig auf das Hormon ansprechen, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr davon, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen schleusen zu können. "Dieser sogenannte Hyperinsulinismus könnte auch das Krebsrisiko erhöhen", sagt Expertin Schlecht.

Die Chance: Von Anfang an für gute Zuckerwerte sorgen – und die Insulinempfindlichkeit der Zellen aktiv verbessern. Dies gelingt durch regelmäßige Bewegung und den Abbau von Übergewicht.

5. Der Faktor Lebensstil

Ein gesunder Lebensstil senkt nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden, sondern auch für Krebs. Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, erkrankt Studien zufolge seltener an Lungen-, Darm-, Brust- oder Prostatakrebs. Auch eine gesunde Ernährung trägt viel dazu bei, das Krebsrisiko zu senken. Ganz oben auf der Liste der guten Taten für sich selbst: nicht rauchen und möglichst wenig Alkohol trinken.

Die Chance: Um das Krebsrisiko zu senken, muss man keine sport­lichen Höchstleistungen erbringen. Schon ab 150 Minuten moderatem Sport pro Woche (also etwa 30 Minuten an fünf Tagen) stellt sich der positive Effekt ein. Wobei "mehr" natürlich noch mehr bewirkt. Regelmäßige Bewegung reduziert auch das Risiko für einen Herzinfarkt und hilft, schlank zu werden.

Bei der Ernährung gilt: Gemüse und Obst essen, wenig rotes Fleisch und mindestens einmal pro Woche fetten Seefisch wie Lachs oder Hering. Alkohol sollte man zurückhaltend konsumieren (Frauen täglich höchstens 0,1  Liter Wein oder 0,25 Liter Bier, Männern ist die doppelte Menge erlaubt). Zwei Tage pro Woche sollten komplett alkoholfrei bleiben, damit die Leber sich erholen kann.

Dazu kommt: UV-Strahlen schädigen die Haut. Wer starke Sonneneinstrahlung und Sonnenbrände vermeidet, mindert sein Hautkrebsrisiko.


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6. Der Faktor Krebsvorsorge

"Ich lege meinen Patienten die Krebsfrüherkennung dringend ans Herz", sagt Diabetologin Karin Schlecht. Rechtzeitig erkannt, lassen sich viele Krebsformen heilen. Die Krankenkassen zahlen eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen. Für Mädchen übernimmt die Kasse die HPV-Impfung, die das Risiko für Gebärmutterhalskrebs senkt. 

Die Chance: Vor allem das Darmkrebsrisiko sinkt durch Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Das ist besonders wichtig für Dia­­betiker, da sie dafür ein erhöhtes Risiko tragen. Die Kassen zahlen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung. Werden dabei Tumorvorstufen entdeckt, lassen sie sich oft problemlos und ohne Folgen sofort entfernen. 


Krebsfrüherkennung auf einen Blick

Ab 20 1-mal jährlich: Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung
Untersuchung der äußeren und inneren Geschlechtsorgane und Abstrichuntersuchung


Ab 30 1-mal jährlich:

Abtasten der Brüste und Achselhöhlen


Ab 35 alle 2 Jahre:
Hautkrebs-Screening

Inspektion des gesamten Körpers


Ab 45 1-mal jährlich:
Abtasten der Prostata
Untersuchung der Geschlechtsorgane und Lymphknoten in der Leiste


Ab 50 1-mal jährlich: Test auf verborgenes Blut im Stuhl


Ab 55 Wiederholung nach 10 Jahren: Dickdarmspiegelung


Ab 50 bis 69 alle 2 Jahre:
Mammografie-Screening



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